Subsahara weiter im Aufwind

ONESTONE CONSULTING GROUP

Momentan findet das Zementwachstum in Afrika überwiegend in der Region Subsahara statt. Im nachfolgenden Marktbericht werden aktuelle Entwicklungen aufgezeigt, ein Überblick zu den Kapazitätsausweitungen gegeben sowie die Fokusländer Nigeria, Südafrika und Äthiopien näher beleuchtet.

1 Einleitung

Die Region Subsahara-Afrika liegt mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Zementverbrauch von 92 kg weit hinter Nordafrika zurück, das auf durchschnittlich 553 kg kommt. Die Länder südlich der Sahara holen aber gewaltig auf. Während der Anteil der Region an der gesamten afrikanischen Zementproduktion in 2008 erst 48 Mio. Jahrestonnen (Mta) bzw. 36,5 % von 133,2 Mta betrug [1], ist bis 2011 dieser Anteil auf 71,3 Mta bzw. 43,6 % von 163,7 Mta gewachsen.

Der Ausbau der Zementkapazitäten in der Region hat in wenigen Jahren gewaltige Fortschritte gemacht. Während in 2008 noch eine...

1 Einleitung

Die Region Subsahara-Afrika liegt mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Zementverbrauch von 92 kg weit hinter Nordafrika zurück, das auf durchschnittlich 553 kg kommt. Die Länder südlich der Sahara holen aber gewaltig auf. Während der Anteil der Region an der gesamten afrikanischen Zementproduktion in 2008 erst 48 Mio. Jahrestonnen (Mta) bzw. 36,5 % von 133,2 Mta betrug [1], ist bis 2011 dieser Anteil auf 71,3 Mta bzw. 43,6 % von 163,7 Mta gewachsen.

Der Ausbau der Zementkapazitäten in der Region hat in wenigen Jahren gewaltige Fortschritte gemacht. Während in 2008 noch eine weitgehend veraltete Zementkapazität von 66,3 Mta vorhanden war, ist die Kapazität bis 2011 um 28,9 Mta auf 95,2 Mta gestiegen. Beachtlich ist, dass bei dem raschen Kapazitätsausbau mit etwa 75 % noch ein relativ hoher Auslastungsgrad erzielt wird.

2 Die Subsahara-Regionen

Subsahara besteht aus den vier Regionen Ostafrika, Südliches Afrika, Westafrika und Zentralafrika. Hier leben rund 882 Mio. Menschen bzw. 84 % der 1,05 Mrd. Einwohner Afrikas. Mit einer Zahl von 313 Mio. verfügt Westafrika über 35,5 % der Einwohner in der ­Subsahara-Region. Ostafrika kommt auf 293 Mio. (33,2 %), das südliche Afrika und Zentralafrika liegen bei der Einwohnerzahl mit 165 Mio. (18,7 %) bzw. 111 Mio. (12,6 %) hingegen deutlich zurück. Die Klammerwerte beziehen sich auf den Anteil in der Subsahara-Region.

Deutliche Unterschiede ergaben sich auch beim Pro-Kopf-Zementverbrauch (PCC) in der Region (Bild 1). Dabei ist das südliche Afrika mit einem PCC-Wert von 128 kg bei einem Durchschnittswert für Subsahara-Afrika von 92 kg führend. Westafrika liegt mit 106 kg leicht über dem Durchschnitt, während Ostafrika mit 73 kg und Zentral­afrika mit 46 kg deutlicht darunter liegen.

In Bild 2 sind die jeweiligen Produktions- und Verbrauchsmengen für die vier Subsahara-Regionen dargestellt. Die Region Westafrika kommt mit 33,3 Mta auf 41,1 % des Zementverbrauchs in der Subsahara-Region. Auch bei der Produktion ist die Region mit 28,2 Mta bzw. 39,5 % führend. Ostafrika hat gegenüber dem südlichen Afrika in den letzten Jahren stark aufgeholt und übertrumpft mit 21,4 Mta gegenüber 21,2 Mta beim ­Zementverbrauch. Lediglich bei der Produktionsmenge liegt Ostafrika mit 19,5 Mta um 1,5 Mta gegenüber den 21,0 Mta des südlichen Afrika zurück. Dagegen haben sich die Verbrauchs- und Produktionsmengen von Zentral­afrika mit 5,1 bzw. 2,7 Mta gegenüber den letzten Jahren nur wenig verändert. Der Anteil von Zentralafrika bei den Verbrauchs- und Produktionsmengen gemessen an der Subsahara-Region liegt nur bei 6,3 bzw. 2,7 %.

In 2008 hatten die Netto-Zementimporte der Sub­sahara-Region noch bei 17,9 Mta gelegen. 2011 sind die Netto-Importe – ausgelöst durch den Kapazitätsausbau und die damit gestiegenen lokalen Produktionsmengen – auf nunmehr 9,6 Mta gefallen. Das entspricht einer Abnahme der Nettoimporte um 46,3 %.

Bild 3 zeigt, wie sich die Nettoimporte in dem betrachteten Zeitraum verändert haben. Westafrika ist dabei mit einer Menge von 5,2 Mta nach wie vor führend. In Zentralafrika hat die Importmenge mit 2,5 Mta sogar leicht zugenommen. Dagegen haben sich die Nettoimportmengen von Ostafrika und des südlichen Afrika mit 1,9 Mta bzw. 0,2 Mta aber drastisch reduziert. Wenn die Entwicklung des Kapazitätsausbaus weiter anhält, kann davon ausgegangen werden, dass die Subsahara-Region in wenigen Jahren zu einem Netto-Zementexporteur wächst.

2.1 Ostafrika
Die Region erstreckt sich vom Horn von Afrika und den Sudan bis zur Ostküste mit Tansania und den Inseln im Indischen Ozean. Sie umfasst zwölf souveräne Staaten: Burundi, die Komoren, Djibuti, Eritrea, Äthiopien, ­Kenia, Ruanda, die Seychellen, Somalia, Sudan, Tansania und Uganda. Äthiopien (87,1 Mio. Einwohner), Tansania (46,2), Sudan (44.6) und Kenia (41,6) sind die bevölkerungsstärksten Länder dieses Bereichs von Afrika. In manchen Publikationen werden Kenia, Tansania, Uganda, Ruanda und Burundi – die im EAC (East African Council) zusammengeschlossen sind – als das „eigentliche“ Ostafrika bezeichnet. Wenn man einmal von Somalia und dem Sudan absieht, hat sich die Region erheblich stabilisiert. Das Prokopf-Einkommen der Länder befindet sich in allen Ländern bis auf die Seychellen deutlich unter dem Durchschnittswert für Afrika. Als Wachstumsmotor für die Region haben sich zuletzt Äthiopien, Tansania und Uganda erwiesen.

Ostafrika verfügt mittlerweile über eine Zementkapazität von 24,1 Mta aus 30 integrierten Zementwerken und fünf Mahlwerken. 2008 lag die Zementkapazität erst bei 12,1 Mta. Die größten Zuwächse in der Zementkapazität erzielten der Sudan von 1,8 Mta auf 5,8 Mta sowie Äthiopien von 2,9 auf 7,8 Mta. Mit einer Zementproduktionsmenge von 19,5 Mta in 2011 kommt man auf eine Auslastung von fast 81 %, was einen relativ hohen Wert darstellt. Allerdings ergeben sich hier von Land zu Land doch deutliche Unterschiede, der Sudan kam z.B. zuletzt nur auf 74 % Kapazitätsauslastung.

Der Zementbedarf ist in Äthiopien (7,7 Mta in 2011), dem Sudan (4,9), Kenia (3,3) und Tansania (3,0) am stärksten gewachsen. Burundi, die Komoren, Djibuti, die ­Seychellen und Somalia spielen für die Zementindustrie keine wichtige Rolle. Durch den Kapazitätsausbau haben sich die Nettozementimporte in den letzten drei Jahren deutlich von 4,2 auf 1,9 Mta verringert.

Zu den wichtigsten Zementprojekten in der Region zählen die 5000 t/d-Anlagen von Berber Cement und 5300 t/d-Anlagen von Atbara Cement, die im Sudan über das HCDRI von Sinoma gebaut wurden. FLSmidth hat in den Sudan das 1,6-Mta-Zementwerk Takamol der ASEC geliefert. Athi River Mining (ARM) hat seine ­Zementkapazität in Kenia auf 1,0 Mta ausgebaut (Bild 4). In Tansania befindet sich eine 0,75-Mta-Mahlanlage von ARM in der Inbetriebnahme. Dort sind für 2013 auch eine 1,2-Mta-Klinkerproduktionsanlage und ein weiteres 0,75‑Mta-Mahlwerk geplant. HeidelbergCement hat seine Zementkapazitäten in Tansania auf 1,3 Mta ausgebaut. In Äthiopien zählen zu den herausragenden Projekten die 8000 t/d-Linie von Derba Midroc sowie die neuen 3000 t/d-Linien von Messebo Cement und Mugher ­Cement.

Bis zum Jahr 2015 wird die Zementkapazität in der Region Ostafrika auf etwa 40 Mta anwachsen. Für eine Kapazitätsauslastung von 80 % müsste sich die Zementproduktion von derzeit 19,5 Mta um 12,5 Mta auf 32,0 Mta erhöhen, wenn man Exporte dabei vernachlässigt.

2.2 Südliches Afrika
Diese Region umfasst die zwölf Länder Angola, Botswana, Lesotho, Madagaskar, Malawi, Mauritius, Mozambique, Namibia, Südafrika, Swasiland, Sambia und Zimbabwe, wobei Südafrika mit 50,5 Mio. das bevölkerungsstärkste Land ist, gefolgt von Mozambique (23,1) und Madagaskar (21,3). Das Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt ist sehr unterschiedlich mit den größten Einkommen in Botswana, Mauritius, Südafrika und Angola und den niedrigsten Einkommen in Lesotho, Madagaskar, Malawi, Mozambique, Sambia und Zimbabwe. Die Region kommt auf 28,9 Mta Zementkapazität aus 23 integrierten Zementwerken und 16 Mahlwerken. 2008 lag die Zementkapazität bei 23,3 Mta. Die Zement-Produktionsmenge der Region betrug in 2011 insgesamt 21,0 Mta. Damit beträgt die Kapazitätsauslastung etwa 72,7 %, was eine Verschlechterung gegenüber 2008 bedeutet.

Das wichtigste Zement-Produktionsland der Region ist Südafrika, das mit 13,2 Mta über 63 % der Zementproduktion der Region verfügt. Auf bedeutende Produktionsmengen kommen auch die Länder Angola (3,5 Mta), Sambia (1,4 Mta), Zimbabwe und Mozambique (jeweils 0,9 Mta). Den größten Pro-Kopf-Zementverbrauch haben momentan Mauritus (538 kg), gefolgt von Botswana (300), Südafrika (222) und Angola (219). Niedrigste Pro-Kopf-Verbräuche werden in Madagaskar (19), Malawi (22) und Mozambique (52) registriert.

Die Nettoimportmengen der Region haben sich von 4,9 Mta in 2008 auf 0,2 Mta in 2011 drastisch reduziert. Das bedeutet, der Ausbau der Kapazitäten konnte mit dem Zementbedarf in der Region Schritt halten. Für die kommenden Jahre werden die Zementkapazitäten aber weiter anwachsen, was die Region wahrscheinlich zu einem Netto-Zementexporteur macht.

Nach Jahren der Stagnation wurde in der Region wieder in den Ausbau der Kapazitäten investiert. Eines der interessantesten Projekte der letzten Jahre ist mit 0,7 Mta das Ohorongo-Zementprojekt (Bild 5) der deutschen Schwenk-Gruppe in Namibia. Von Lafarge wurde eine neue 0,75 Mta-Linie in Chilanga in Sambia gebaut. CIF Luanda hat in Angola eine 5000 t/d-Anlage in Betrieb genommen. Die Inbetriebnahme der 1,5-Mta-Anlage von FCKS in Angola ist für September dieses Jahres vorge­sehen.

Daneben sind in Angola zahlreiche weitere Werke im Bau- bzw. Planungsstadium. Etwa 15 Mta neue Kapazität wurden in dem Land angekündigt. In Südafrika wurde von Pretoria Portland Cement (PPC) ein neues 1,0-Mta-Mahlwerk in Betrieb genommen. Für 2012 werden von PPC die Kapazitäten in zwei weiteren Werken erweitert. Sephaku Cement soll in 2013 eine neue Klinkerproduktionsanlage mit 5100 t/d in Betrieb gehen. Bis 2015 wird für die Region eine Zementkapazität von etwa 42 bis 45 Mta erwartet.

2.3 Westafrika
Westafrika erstreckt sich von der Sahelzone bis zur Westküste Afrikas mit den Ländern Benin, Burkina Faso, Kapverdische Inseln, Gambia, Ghana, Guinea, Guinea-­Bissau, Elfenbeinküste, Liberia, Mali, Mauretanien, Niger, Nigeria, Senegal, Sierra Leone und Togo. Nigeria ist mit 162 Mio. bei weitem das bevölkerungsreichste Land der Region, gefolgt von Ghana (25) und der Elfenbeinküste (22,6). Außer Nigeria kommen alle Staaten der Region nur auf kleine bis mittlere Wirtschaftsleistungen. Westafrika verfügt derzeit (2011) über eine Zementproduktionskapazität von 39,4 Mta aus insgesamt elf integrierten Werken und 21 Mahlwerken. 2008 war eine Zementkapazität von 27,8 Mta verfügbar. Mit einer Produktionsmenge von zuletzt 28,2 Mta kommt man damit allerdings nur auf eine Auslastung von etwa 71 %, was im internationalen Maßstab eher niedrig ist.

Zu den wichtigsten Zementproduktionsländern der ­Region zählen Nigeria (14,0 Mta), Senegal (3,8 Mta), ­Ghana (3,5 Mta), die Elfenbeinküste (1,7 Mta). Togo (1,4 Mta). Länder wie Gambia, die Kapverden und Guinea-Bissau verfügen über keine eigene Produktion und sind vollständig auf Importe angewiesen. Integrierte Zementwerke gibt es nur in Nigeria, dem Senegal und Benin. Mahlwerke existieren demgegenüber in elf Ländern, darunter Togo, ­Ghana (Bild 6), Mauretanien und der Elfenbeinküste. ­Ghana und die Elfenbeinküste, aber auch Burkina Faso, Guinea, Mauretanien Liberia, Niger und Sierra Leone sind für ihre Zementproduktion vollständig auf Klinkerimporte angewiesen. Bezüglich der Zementimporte zählt West­afrika mit 5,2 Mta zwar noch zu den größten Nettoimporteuren der Region, was zur Hauptsache durch Nigeria bedingt ist. Aber auch hier werden Zementimporte durch den fortschreitenden Kapazitätsausbau rapide abnehmen.

Ein Ausbau der Kapazitäten wurde in den letzten Jahren massiv in Nigeria und dem Senegal vorangetrieben. In Nigeria wurde die Zementkapazität von 11,5 Mta in 2008 auf 20,2 Mta in 2010 gesteigert. Allein Dangote ­Cement, die momentan auf 70 % Marktanteil kommen, wollen ihre nigerianische Produktionskapazität bis zum Jahr 2015 auf 32 Mta ausbauen. Lafarge hat in Nigeria jüngst das 2,5‑Mta-Werk Ewekoro II erfolgreich in Betrieb genommen. Im Senegal wurde die Produktionskapazität von 3,7 auf 6,3 Mta erhöht. Auch im Benin stehen verschiedene Ausbauprojekte an. Dangote Cement plant neben ­Nigeria in der Region Werke in Benin, Ghana, Sierra ­Leone, ­Liberia und im Senegal. Prognosen für die Zementkapazitäten in 2015 in der Region gehen von 60 bis 70 Mta, was bei Auslastungen von 80 % einer Produk­tionsmenge von 48 bis 56 Mta entspricht.

2.4 Zentralafrika
Zur Region Zentralafrika gehören Kamerun, Tschad, die Zentralafrikanische Republik, die Republik Kongo, die Demokratische Republik Kongo, Gabun, Äquatorial­guinea und der Inselstaat Sao Tomé und Principe. Das bevölkerungsreichste Land der Region ist die DR Kongo mit 67,8 Mio. Einwohnern, gefolgt von Kamerun (20,1) und dem Tschad (11,5). Sao Tomé und Principe haben demgegenüber nur 0,2 Mio. Einwohner.

Während Äquatorialguinea und Gabun infolge ­ihrer Öleinnahmen auf ein Pro-Kopf-Bruttosozialprodukt vergleichbar mit Spanien kommen, sind die Einkommen in den anderen Staaten überwiegend am unteren Ende der Skala. Die DR Kongo zählt zu den ärmsten Staaten mit einem durchschnittlichen jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von US$ 210 in 2011. Das Bruttosozialprodukt wuchs in den letzten Jahren aber überdurchschnittlich mit etwa 7 %.

Zentralafrika verfügt derzeit nur über eine Zementkapazität von 2,9 Mta aus fünf integrierten Werken und fünf Mahlwerken. Damit hat sich die Zementkapazität durch Stilllegungen gegenüber 2008 um 0,2 Mta verringert. Neue Kapazitäten wurden nicht betriebsbereit. Die größte Zementkapazität mit 1,7 Mta existiert in Kamerun, gefolgt von der DR Kongo (0,5) und Gabun (0,4). Der Tschad, die Zentralafrikanische Republik, Äquatorialguinea sowie Sao Tomé und Principe haben keine eigene Kapazität und sind auf Importe angewiesen.

Zentralafrika ist derzeit mit 2,5 Mta die zweitwichtigste Nettoimportregion von Subsahara. Die meisten Importe erfolgen über Kamerun, die DR Kongo und Äquatorial­guinea. In den letzten Jahren war die Region bezüglich von Kapazitätserweiterungen nicht im Fokus. Heidelberg­Cement, die in der DR Kongo in 2010 von der Forrest Group drei Zementwerke übernommen haben, planen die Kapazitäten auf 1,4 Mta auszubauen. Die spanische La Union Cement ist dabei, in der Republik Kongo ein 0,5 Mta Mahlwerk für importierten Klinker zu errichten. Dangote hat für Zentralafrika eine ganze Reihe von Zementprojekten angekündigt. So sollen in Kamerun, der DR Kongo und im Gabun Mahlanlagen bzw. integrierte Zementwerke gebaut werden.

3 Wichtigste Zementländer in den Regionen

Im Folgenden werden drei Länder vorgestellt, die einen entscheidenden Einfluss auf die weitere Entwicklung der Zementindustrie von Subsahara-Afrika haben – Südafrika, Nigeria und Äthiopien.

3.1 Südafrika
Südafrikas Wirtschaft konnte in den Jahren 2005 bis 2007 jährliche Wachstumsraten von 5,3 bis 5,6 % aufweisen. 2008 kühlte sich das Wachstum ab und in 2009 verbuchte man ein Negativwachstum von 1,5 %. Derzeit ist das Wirtschaftswachstum wieder auf 3,1 % angewachsen. Für 2012 werden 2,7 % und für 2013 werden 3,4 % erwartet. Die Zementindustrie erlebte eine Blütezeit (Bild 7) ebenfalls in 2007 mit dem Ausbau der Infrastruktur für die FIFA Fußballweltmeisterschaft in 2010 sowie den massiven Wohnungsbau. Der Zementabsatz in Südafrika (ohne Botswana, Lesotho, Namibia und Swasiland) ist von 14,1 Mta in 2007 auf 10,9 Mta in 2010 gefallen.

Das größte Negativwachstum war in den Jahren 2009 mit -12,5 und in 2010 mit -7,8 %. In 2011 konnte mit +3,3 % erstmals wieder ein positives Wachstum verzeichnet werden. Während in 2007 die Produktion mit dem Zementbedarf nicht Schritt halten konnte und man 0,6 Mta importierte, wurden in 2011 nur noch 0,2 Mta – hauptsächlich aus Pakistan – importiert und etwa 0,3 Mta in die Region südliches Afrika exportiert.

Marktführer ist die Pretoria Portland Cement Company (PPC), die gemäß Bild 8 mit einer Kapazität von 7,4 Mta aus insgesamt sieben integrierten Werken und einem Mahlwerk über einen Marktanteil von 40 % an einer Gesamtkapazität von 18,5 Mta verfügt. PCC besitzt 13 Ofenanlagen, die ein durchschnittliches Alter von über 30 Jahren haben. Zuletzt wurden Erweiterungen in den Werken Dwaalboom und Hercules in Betrieb genommen. Weitere Modernisierungen und Kapazitätserweiterungen sind in den Werken De Hoek (Bild 9) und Riebeeck geplant. Die Unternehmensstrategie zielt daneben auf ein Wachstum und Investitionen in angrenzenden Ländern und Ostafrika ab.

Auf dem zweiten Platz folgt mit einer Kapazität von 4,6 Mta AfriSam, die aus Holcim South Africa bzw. dem ehemaligen Alpha Cement hervorgegangen ist. AfriSam besitzt momentan vier Werke, davon zwei Mahlwerke. Auf den nächsten Plätzen folgen Lafarge mit 3,6 Mta Kapazität und NPC Cimpor mit 1,6 Mta Kapazität. Die sonstigen Produzenten umfassen die Firmen Slagment, Ash Resources und Ulula Ash, die überwiegend Mischwerke für Hochofenschlacke und Flugasche betreiben.

Momentan existiert in Südafrika bereits eine hohe Überkapazität. Lafarge hat in Lichtenburg eine neues Werk (Bild 10) in Betrieb genommen. PPC stellte dagegen ein Projekt zurück, das ein neues 2,5-Mta-­Zementwerk als Ersatz für eine 0,6-Mta-Anlage vorsieht. Mit Sephaku Cement wird bis 2013 ein Neueinsteiger mit einer Zementkapazität von 2,6 Mta in dem Markt kommen. Das Projekt wurde ursprünglich von der Orascom Constructions Industries aufgelegt und nach der Übernahme von Orascom Cement durch Lafarge zurückgezogen. Später hatte Dangote Cement eine strategische Beteiligung übernommen und den Anteil auf 64 % ausgebaut. Das Projekt besteht aus einem integrierten Zementwerk für 1,2 Mta und einem separaten Mahlwerk für 1,4 Mta, welches insbesondere Flugaschezemente herstellen soll. Sephaku verfügt bereits über eine Ascheaufbereitungsanlage für 1,2 Mta. Insgesamt drei weitere Projekte wurden von verschiedenen Investorengruppen angekündigt.

3.2 Nigeria
Der westafrikanische Staat hatte zuletzt ein beachtliches Wirtschaftswachstum von 8,0 bzw. 7,2 % zu verzeichnen. Auch in den Jahren der globalen Wirtschaftskrise lagen die Wachstumsraten bei 6 bis 7 %. Für 2012 und 2013 geht der IMF von 7,1 und 6,6 % Wachstum aus.

Die Zementindustrie Nigerias steht vor dem Problem, dass leider allzu oft von künstlichen Zementbedarfszahlen gesprochen wird, der tatsächliche Zementverbrauch aus verschienen Gründen aber deutlich niedriger liegt. Einer der Gründe für die Abweichung ist ein Zementpreis in der Größenordnung von 200 US$/t, der viele Bauprojekte lähmt. Ein weiterer Grund sind die limitierten Importlizenzen. Bild 11 zeigt die derzeitige Zemententwicklung. Zunächst erkennt man den steilen Anstieg des Zementverbrauchs, der mit 17,5 Mta in 2011 einem Pro-Kopf-Verbrauch von 108 kg nach 90 kg in 2008 entspricht. Nigeria bewegt sich aber gleichzeitig weg von einem Importland. Der Importanteil beträgt lediglich noch 20 % nach 44 % in 2008 bzw. 56 % in 2007.

Die Zementkapazität in Nigeria wurde in den letzten Jahren massiv ausgebaut und weitere großzügige Erweiterungen werden folgen. Derzeit (Ende 2011) verfügt Nigeria über eine Zementkapazität von 20,2 Mta, die vollständig ausreichen würde, um den momentanen Verbrauch zu befriedigen. Marktführer mit 67 % bzw. einer Zementkapazität von 13,3 Mta (Bild 12) ist Dangote Cement mit den Werken Obajana (Bild 13) mit 10,3 Mta und Gboke (3,0 Mta). Mit der Inbetriebnahme des Werkes Ibese mit 6,0 Mta und einer Erweiterung von Gboke auf 4,0 Mta wird Dangote in diesem Jahr über eine Zementkapazität von 21,5 Mta in Nigeria verfügen. Lafarge ist mit einer Kapazität von 3,5 Mta die Nummer 2 in Nigeria. Im letzten Jahr nahm das Werk Ewekoro II mit einer Kapazität von 2,5 Mta die Produktion auf. Mit der Inbetriebnahme der 2,5-Mta-Zementanlage von United Cement (UniCem) ist ein weiterer Player auf den Markt gekommen. An UniCem sind Lafarge und Holcim zu je 28 % beteiligt, sowie Dangote Cement und Floor Mills zu je 22 %.

Dangote plant bis 2015 seine Zementkapazitäten in Nigeria auf 32 Mta auszubauen. Dies soll in erster Linie durch weitere Linien in den beiden Werken Obajana und Ibese geschehen. Daneben ist noch ein neues 3,0 Mta Werk in Calabar geplant. Auch Lafarge hat eine weitere 2,5‑Mta-Kapazitätsausweitung in Lakatabu vor. Die ­Cement Company of Northern Nigeria (CCNN) wird ebenfalls die Kapazitäten ausbauen. CCNN gehört zur BUA Group, die kürzlich an FLSmidth einen Auftrag für ein 2,0-Mta-Werk für US$ 500 Mio. in Edo gegeben hat. Damit könnte Nigeria im Jahr 2015 über eine Zementkapazität von 43,5 Mta verfügen, was bei einer Werksauslastung von 80 % eine Zementproduktion von 34,8 Mta liefern würde.

3.3 Äthiopien
Äthiopien gehört trotz der anhaltenden Probleme mit der Zahlungsbilanz und den Hilfsmaßnahmen vieler befreundeter Staaten zu den Gewinnern beim Wirtschaftswachstum [2]. Nach zweistelligen Wachstumsraten von 2004 bis 2009 wurden zuletzt noch 8,0 und 7,5 % Wachstum erreicht. Für 2012 und 2013 hat der IMF das Wachstum auf 5,0 und 5,5 % reduziert, da das Land in vielen Bereichen zunächst eine Konsolidierung und Verbesserung der Zahlungsbilanz anstrebt.

Die Zementindustrie erlebt derzeit einen gewaltigen Boom mit jährlichen Wachstumsraten, die in Größenordnungen von 50 % liegen (Bild 14). Im Geschäftsjahr 2011/12 wird der Zementverbrauch auf 7,7 Mta klettern, das ist gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg um 45,3 %. Die Zement­importe sind dabei nahezu konstant. Die lokale Zementproduktion deckt vollständig das Zementwachstum ab.

Die Zementkapazität in dem Land ändert sich in beeindruckender Weise. Bild 15 zeigt die wichtigsten Produzenten. Während man in 2009 erst über 2,6 Mta Kapazität aus acht integrierten Werken und zwei Mahlwerken verfügte, kommt das Land inzwischen auf 7,8 Mta Kapazität aus zwölf integrierten Werken und zwei Mahlwerken. Die größten Anlagen, die neu in Betrieb gingen, sind die beiden 1,4-Mta-Werke von Mugher Cement und Messebo Cement. Das momentan größte Werk mit einer 5000 t/d-Ofenlinie ist das von Derba Midroc (Bild 16), welches im Februar 2012 in Betrieb ging. Mit CH Cement, welches von einer chinesischen Investorengruppe errichtet wurde, und Ethio Cement gehen in diesem Jahr noch zwei weitere größere Linien in Betrieb.

In Äthiopien gibt es inzwischen auch eine Vielzahl von Minizementanlagen in Schachtofenbauweise. Die Zukunft dieser Anlagen ist allerdings fraglich, da die Zementkapazität bald den Zementverbrauch übersteigt und zum Juli des Jahres bei 12,6 Mta liegen wird, so dass ein Preisverfall für Zement erwartet werden kann.

Vom Ministerium für Handel und Industrieangelegenheiten (MoTI) werden inzwischen keine weiteren Lizenzen für neue Zementwerke vergeben. Insgesamt befinden sich noch etwa 15 neue Projekte in Bau bzw. in der ­Planung, darunter Projekte von Dangote Cement für ein 2,5-Mta-Werk bzw. von Lafarge für eine weiteres Werk auf der grünen Wiese. Daneben stehen verschiedene Projekte von chinesischen Investoren an. Auch die südafrikanische PPC will sich in Äthiopien engagieren Fraglich ist, ob der Markt ein solches Wachstum erfordert. Erste Absatzprobleme sorgen für die ersten Exporte. Dabei ist Zement aus Äthiopien eigentlich wenig wettbewerbsfähig, da die Energie- und Stromkosten relativ hoch sind und Exporte relativ lange Transporte per Lkw nach sich ziehen.

4 Wichtigste Zementproduzenten

Die TOP 10-Zementproduzenten 2011 in Subsahara-­Afrika kommen inzwischen nur noch auf einen Anteil von 57 % der Zementkapazität (Bild 17), was auf eine ­starke Fragmentierung hindeutet. Marktführer mit 14,1 Mta ­Kapazität aus insgesamt elf integrierten Zementwerken und fünf Mahlwerken ist Lafarge. Das Unternehmen ist in den Ländern Südafrika, Sambia, Malawi, Tansania, Kenia, ­Uganda, Nigeria, Kamerun und Benin vertreten. Dabei sind Minderheitsbeteiligungen sowie Zementterminals wie bei den übrigen Unternehmen nicht eingerechnet.

Dangote Cement hat den Abstand zu Lafarge verkürzt und kommt bereits auf 13,3 Mta Kapazität. Auf dem nächsten Platz folgt mit PPC ein weiterer lokaler afrikanischer Zementhersteller mit 8,2 Mta Zementkapazität. Über eine Kapazität von 6,7 Mta und damit einen Marktanteil von 7,0 % verfügt HeidelbergCement. Das Unternehmen ist in acht Ländern vertreten. In Gabun, Tansania und der DR Kongo besitzt man integrierte Anlagen, in Benin, Ghana, Liberia, Sierra Leone und Togo dagegen nur Mahlwerke.

Auf den nächsten Plätzen der TOP 10 folgen sowohl weitere lokale Unternehmen wie AfriSam, WACEM und Unicem, als auch internationale Größen wie Vicat und Cimpor. Afrisam ist nach der Übernahme der Anteile von Holcim Südafrika zum fünftgrößten Produzenten der Region mit einer Kapazität von 4,6 Mta aufgestiegen. Vicat verfügt mit seinen Werken im Senegal und in Mauretanien derzeit über 4,0 Mta Kapazität und kommt damit auf 4,8 % Marktanteil. Cimpor hat mit einer Kapazität von 2,5 Mta nur einen Marktanteil von 2,6 %.

Momentan deutet vieles darauf hin, dass der Einfluss der afrikanischen und chinesischen Zementunternehmen weiter zunehmen wird. Dangote Cement will bereits in diesem Jahr mit einer Zementkapazität von 21,5 Mta zur Nr. 1 in der Region aufsteigen. In 2015 will man über eine Zementkapazität von 46,3 Mta in der Subsahara-Region verfügen. Zusätzlich sind 4,2 Mta für Importterminals neben der vorhandenen Importkapazität in Nigeria geplant. Dabei sollen die Märkte in Sierra Leone, Liberia, Ghana und der Elfenbeinküste durch Zement aus dem Senegal und Nigeria bedient werden.

PCC verfolgt wie Dangote Cement ebenfalls eine Pan-Subsahara-Wachstumsstrategie. Neben Südafrika, Botswana und Zimbabwe stehen dort Sambia, Malawi, die DR Kongo, Tansania, Kenia, der Südsudan und Äthiopien im Fokus. In Äthiopien wurde jüngst ein zehnprozentiger Anteil an Habesha Cement erworben. In der DR Kongo plant man, die Cinat-Anlage zu erwerben, die einer dringenden Modernisierung bedarf.

Die Aktivitäten der internationalen Zementunternehmen Lafarge, Holcim, HeidelbergCement, Vicat und Cimpor sind fallen dagegen eher gering aus. Auf der anderen Seite strömen bereits mehrere chinesische Unternehmen in den Markt, wie man am Beispiel Äthiopiens erkennt. Auch andere Länder in Ostafrika sind im Fokus der Chinesen.

5 Ausblick

Der Zementmarkt in der Subsahara-Region ­unterliegt ­dynamischen Änderungen. Auf der einen Seite geht ein rascher Ausbau der Zementkapazitäten vonstatten, auf der anderen Seite entwickelt sich die Region von einem Netto-Zementimporteur zu einem Netto-Exporteur. Die Änderungen erfolgen vor dem Hintergrund eines vergleichsweise geringen Pro-Kopf-Zementverbrauchs von 92 kg (2011). Dabei werden Länder wie Nigeria und ­Äthiopien mit Pro-Kopf-Verbräuchen von derzeit 108 bzw. 88 kg als Beispiel für ein anhaltendes Wachstum angeführt. Südafrika ist aber gleichfalls ein Beispiel, dass der Zementverbrauch nicht so stark steigt, wie in anderen aufstrebenden Ländern außerhalb Afrikas. In Südafrika ist der Pro-Kopf-Zementverbrauch von 307 kg in 2007 auf 222 kg in 2011 rapide gefallen. Gleichfalls zeichnet sich in Südafrika eine deutliche Überkapazität ab. Wachsende Exporte in angrenzende Länder scheinen dabei immer ­unrealistischer zu werden.

tab ZKG KOMBI Test

4,99 € / Woche* (Test!)

Es handelt sich hierbei um ein Testangebot. Es berechtigt zu keinem gültigen Abonnement und steht hier rein für Testläufe. Bitte diesem Prozess nicht folgen.

Es handelt sich hierbei um ein Testangebot. Es berechtigt zu keinem gültigen Abonnement und steht hier rein für Testläufe. Bitte diesem Prozess nicht folgen.

Jetzt wählen

tab ZKG KOMBI Study Test

2,49 € / Woche* (nicht gültig)

Es handelt sich hierbei um ein Testangebot. Es berechtigt zu keinem gültigen Abonnement und steht hier rein für Testläufe. Bitte diesem Prozess nicht folgen.

Es handelt sich hierbei um ein Testangebot. Es berechtigt zu keinem gültigen Abonnement und steht hier rein für Testläufe. Bitte diesem Prozess nicht folgen.

Jetzt wählen

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 11/2009

Subsahara Zementindustrie im Fokus

1 Einleitung Afrika hat fast eine Milliarde Einwohner. Nur etwa 16 %, hauptsächlich Araber und Berber, leben in 6 nordafrikanischen Ländern und etwa 84??% in den 47 Staaten Afrikas, die man als...

mehr
Ausgabe 04/2012

Indiens Zementkapazitäten stehen unter Druck

Onestone Consulting Group

1 Einleitung Aktuelle Zahlen zur indischen Zementindustrie werden von der indischen Cement Manufacturers Association (CMA) herausgegeben. Seit dem Finanzjahr 2010 (FY10 von April 2009 bis März 2010)...

mehr
Ausgabe 10/2010

Höhen und Tiefen im Mittleren Osten

1 Einleitung Der Nahe und Mittlere Osten werden politisch oftmals auf den israelisch-palästinensischen Konflikt, den Wiederaufbau und Bombenterror im Irak, das iranische Atomprogramm und den...

mehr
Ausgabe 7-8/2010

Äthiopiens Zementindustrie im Höhenflug*

1 Einleitung Mit 82 Millionen Einwohnern ist Äthiopien nach Nigeria der bevölkerungsreichste Staat Afrikas. Das Land hat in den letzten Jahren ein erstaunliches zweistelliges jährliches...

mehr
Ausgabe 12/2010

ASEAN Zementindustrie im Aufwind

1 Einleitung Nach der globalen Weltwirtschaftskrise sind die ASEAN-Staaten neben China und Indien der Wachstumsmotor der ­Weltwirt-schaft. Insbesondere Vietnam, Indonesien und die ­Philippinen, die...

mehr