Market review

Zementindustrie in China im starken Wandel

1   Einleitung
Die Novemberzahlen in China 2008 hatten nichts allzu Gutes für die Zementindustrie verheißen. Gegenüber dem Vorjahr war die akkumulierte Zementproduktion nur um 2,8 % gestiegen. Für manch andere Länder wäre dies ein sattes Plus gewesen, aber die Zementindustrie in China war inzwischen an zweistellige Wachstumsraten gewöhnt. Dass mit den Dezemberzahlen für das Jahr insgesamt noch ein Plus von 5,2 % herauskam, wird einige Enttäuschte etwas beruhigt haben, wobei ein Teil des Zuwachses aber auf höhere Lagerbestände geht. Was aber insgesamt schlimmer wiegt, sind erste...

1   Einleitung
Die Novemberzahlen in China 2008 hatten nichts allzu Gutes für die Zementindustrie verheißen. Gegenüber dem Vorjahr war die akkumulierte Zementproduktion nur um 2,8 % gestiegen. Für manch andere Länder wäre dies ein sattes Plus gewesen, aber die Zementindustrie in China war inzwischen an zweistellige Wachstumsraten gewöhnt. Dass mit den Dezemberzahlen für das Jahr insgesamt noch ein Plus von 5,2 % herauskam, wird einige Enttäuschte etwas beruhigt haben, wobei ein Teil des Zuwachses aber auf höhere Lagerbestände geht. Was aber insgesamt schlimmer wiegt, sind erste Sättigungstendenzen in den Regionen, die bisher auf die höchsten Pro-Kopf-Zementverbräuche gekommen sind. Die Stilllegung von Schachtofenanlagen hatte keinen Einfluss auf die Zementversorgung, weil gleichzeitig moderne Drehofenanlagen mit Vorwärmer und Calzinator einen Wachstumsboom erzielten und sich in manchen Regionen bereits ein deutliches Überangebot an Zementkapazität abzeichnet. Auffällig ist der momentane Konzentra­-tionsprozess in der chinesischen Zementindustrie. Das Ranking der TOP-Unternehmen ist nicht mehr wie es war.


2    Zementproduktion, Exporte und
regionale Entwicklung
Gemäß der amtlichen Statistik der NDRC (National Development Reform Commission) wurden 2008 in China 1388 Mta (Millionen Jahrestonnen) Zement produziert. Die Zementproduktion konnte gegenüber dem Vorjahr damit nur um 68 Mta bzw. 5,15  % gesteigert werden (Bild 1).  Entsprechend sind die Anstiege in den Produktionszahlen seit 2006 rückläufig, und falls die Tendenz anhält, wäre in 2009 ein Negativwachstum zu befürchten. Zum einen war 2008 schon ein ungewöhnliches Jahr mit zahlreichen Naturkatastrophen und Schlechtwetterperioden in China, zum anderen ist ein deutlicher Rückgang bei den Zementexporten zu verzeichnen (Bild 2). Nach einem Peak von 19,4 Mta in 2006 wurden in 2008 nur noch 13,2 Mta
exportiert, was mit den verminderten Importmengen der USA und Spaniens einhergeht. Eine Kompensation der Exportrückgänge war nur teilweise in Afrika und dem Mittleren Osten möglich. Die Ausweitung der Exportmengen nach Zentralasien ist ausgeblieben. Bei den Klinkerexporten ergibt sich ein ähnliches Bild. Die Exportmengen sind von 16,7 Mta in 2006 auf 12,8 Mta in 2008 gefallen.
 
Die Pro-Kopf Verbräuche sind in den Regionen Chinas sehr unterschiedlich. Während gemäß Bild 3 das hochentwickelte Ostchina mit der höchsten Bevölkerungszahl aller Regionen von etwa 375 Millionen auf den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch von etwa 1500 kg kommt, beträgt der Pro-Kopf-Zementverbrauch in der Region Südwest gerade einmal 675 kg. Auf den zweithöchsten Pro-Kopf-Verbrauch kommt die Region Nord mit der Hauptstadt Beijing, gefolgt von der Region Zentral- Südchina. Der gesamte Westen Chinas mit einer Bevölkerungszahl von gerade 270 Millionen Einwohnern bzw. 21 % der Bevölkerung hinkt beim Pro-Kopf Verbrauch hinterher und kommt auf lediglich 14  % des Zementverbrauchs. Bild 4 zeigt für 2008 die Provinzen mit dem größten und niedrigsten Zementwachstum. Die größten Einbrüche im Wachstum wurden mit wenigen Ausnahmen in den Provinzen registriert, die bisher auf den höchsten Pro-Kopf Zementverbrauch kamen. So zählen in der Nordregion Beijing, Shanxi und Hebei und in der Ostregion Shandong, Zheijiang und Shanghai zu den Verlierern. Zu den größten Gewinnern zählen neben Ningxia, der Inneren Mongolei, Guangxi und Shaanxi die drei Provinzen Hubei, Anhui und Henan, die bisher auch bereits zu den
TOP-10-Provinzen in China zählten.
Während aus Kreisen der NDCR aus 2009 ein Zementwachstum von 6,3  % in China für möglich gehalten wird, sind die Prognosen für die mittelfristige Zementmarktentwicklung sehr unterschiedlich. In 2008 hatten sich bereits vor der globalen Banken- und Wirtschaftskrise erste Abschwächungs-tendenzen auf dem Immobilienmarkt abgezeichnet – mit teilweise deutlichen Preisverfällen. So waren trotz erheblicher Neubaumaßnahmen die verkauften Wohnflächen in Beijing und Shanghai gegenüber dem Vorjahr jeweils um über 50  % eingebrochen. In Beijing decken die bereits fertig gestellten Wohnungen den Bedarf für mindestens die nächsten drei Jahre. Mit Infrastruktur- und Wohnungsbauprojekten von
4 Billiarden Yuan (etwa 570 Mrd. US$) will die chinesische Regierung die Bauwirtschaft ankurbeln. Entsprechend bekamen die Aktienkurse der wichtigsten chinesischen Zementunternehmen nach der Ankündigung der Maßnahmen neuen Auftrieb. Man geht davon aus, dass in den nächsten zwei Jahren aus dem Investitionspaket allein der Ausbau von Autobahnen und des Schienennetzes mit den erforderlichen Tunneln und Brücken einen zusätzlichen Zementabsatz von jeweils etwa
120 Mta bringt.
 
Fraglich ist, ob die Investitionspakete bereits mit der neuen Bauperiode im März greifen und wie sich insbesondere neben den staatlichen Hilfsprogrammen die Investitionen auf dem Wohnungsmarkt als der zuletzt treibenden Kraft für den Zementmarkt entwickeln. Da der Wohnungsbausektor keine grundlegende Besserung verspricht, geht OneStone von einem verhaltenen Wachstum des Zementmarktes von 2,6  % in 2009 und 2,2  % in 2010 aus. Ab 2010 wird erwartet, dass sich ein negatives Marktwachstum einstellt, sich der negative Trend aus 2008 fortsetzt und sich der Pro-Kopf-Zementverbrauch für China rückläufig entwickelt.
 
3    Investitionsboom in neue Technologie und
Wandel der Ofentechnologie
Der Anteil der Zementproduktion aus neuen, modernen Klinkerproduktionslinien mit Vorwärmer und Kalzinator (NSP = New Suspension Preheater) ist auf 63  % gestiegen (Bild 5). So wurden in 2008 eine Zementmenge von 878 Mta aus Klinker nach der NSP-Technologie produziert und 510 Mta aus Klinker von veralteten Schacht- und Nassdrehofenanlagen. Zu dem überproportionalen Rückgang bei den veralteten Anlagen haben drei Dinge geführt:
    1.    die Stilllegung von Anlagenkapazität in Höhe von 60 Mta,
    2.    die nur moderat gestiegenen Zementpreise und
    3.    die deutlich gestiegenen Preise für Kohle und andere Rohstoffe, die die Altanlagen aufgrund ihres schlechten Wirkungsgrades und des geringen Durchsatzes noch unwirtschaftlicher gegenüber den modernen Ofenanlagen gemacht haben.
 
Gemäß dem 11. Fünfjahresplan sollen bis 2010 insgesamt 250 Mta
an veralteter Ofen- und Mahltechnologie stillgelegt werden. So wurden Schachtanlagen bereits komplett in Zheijiang, Beijing und Shanghai außer Betrieb genommen. Bis 2010 sollen weitere Provinzen und z.  B. die gesamte Region des Pearl-River-Deltas folgen.
 
Bereits in 2009, und damit ein Jahr früher als geplant, wird ein NSP- Anteil von 70  % an der Zementproduktion erwartet. Allein in 2008 wurden 120 neue NSP-Linien mit einer Klinkerkapazität von 143 Mta sowie eine neue Zementkapazität von 200 Mta in Betrieb genommen (Bild 6). Die NSP Zementkapazität ist auf 980 Mta gestiegen, während die Kapazität an veralteter Technologie auf 610 Mta gefallen ist, was insgesamt einer Zementproduktionstechnologie von 1590 Mta entspricht. Dies macht mit den dargestellten Zementproduktionsmengen bei der NSP-Technologie eine Auslastung von 90,0  % und bei der veralteten Technologie eine Auslastung von 83,5  % aus. Für das Jahr 2009 wird erwartet, dass weitere 50 Mta Kapazität stillgelegt werden und 140 Mta neue Kapazität hinzukommen. In 2009 werden damit etwa 1010 NSP-Linien mit einer Klinkerkapazität von 850 Mta und einer Zementkapazität von
1140 Mta existieren. Der größte Anteil an veralteter Zementkapazität existiert in den Provinzen Sichuan, Hunan und ­Guizhou. Die größten Kapazitätsstilllegungen werden in den Provinzen Shandong, Guangdong und Hebei erfolgen.
 
Die Ankündigung der Stilllegung veralteter Kapazität hatte in China einen regelrechten Investitionsboom der Zementunternehmen ausgelöst. In 2008 betrugen die Zementinvestitionen 105,1 Mrd. Yuan (15,3 Mrd. US$), was einem Anstieg von
fast 61 % gegenüber den Investitionen von 65,4 Mrd. Yuan in 2007 entspricht. Dies ist vor dem Hintergrund zu betrachten, dass bereits in 2003 vor dem bisherigen Boomjahr 2004 mit Investitionen in Höhe von 43,3 Mrd. Yuan von der NDRC vor einem exzessiven Ausbau der Zementkapazitäten in ­China gewarnt wurde [1]. Auf die größten Investitionen bei den ­Regionen kommt die Region Zentral-Süd mit 34 Mrd. Yuan, gefolgt von der Region Ostchina (21,5) und Südwest (20,3). Auf die größten Investitionen bei den Provinzen kommen ­
Sichuan (9,0), Henan (8,6), Hunan (7,3) und Guangxi (7,2). Guangxi ist reich an Kalksteinvorkommen und ein Beispiel dafür, wie ein Teil der Zementproduktion auf dem Flusswege ­(Xijiang-Fluss) zu den wichtigen Märkten (z.  B. nach ­Guandong) gelangt.
 
Während bei den kleinen und mittleren Zementfirmen Ofenleistungen von 2000 und 2500 Tagestonnen (t/d) im Vordergrund stehen, ist bei den größeren Zementunternehmen ein deutlicher Trend hin zu 4500 und 5000-t/d-Linien zu erkennen. Typische Planungsgrößen gehen bei einer Ofenleistung von 4500 t/d und 330 Betriebstagen von einer Klinkerleistung von 1,5 Mta und einer maximalen Zementleistung von 2,2 Mta
(Klinkerfaktor von 0,68) aus. Für eine solche Zementlinie werden in China etwa 600 Mio. Yuan (90 Mio. US$) bzw. etwa
40 US$/t investiert. Die oben genannten Investitionen von 105,1 Milliarden Yuan wurden allerdings nicht nur für neue Zementkapazität getätigt. Ein nicht unerheblicher Anteil floss in den Ausbau der Elektrizitätsgewinnung aus Abwärme (Waste Heat Recovery) sowie die Nutzung von alternativen Brennstoffen und die Verwendung von Schlacke und Flugasche für Mischzemente. Daneben ist nicht bekannt, welcher Anteil auf die Übernahme von Zementfirmen bzw. einen technologischen Upgrade entfällt.
 
4    Konsolidierung der Zementunternehmen
Derzeit gibt es in China noch etwa 5000 Zementanlagen, die gemäß dem 11. Fünfjahresplan der NDRC auf 2000 reduziert werden. Die Anzahl der Zementunternehmen beläuft sich auf ungefähr 5000, davon verfügen 90  % über weniger als 0,6 Mta Produktionskapazität. Ein Großteil dieser Unternehmen wird in 2010 nicht mehr existieren; entweder werden die Unternehmen geschlossen oder von den TOP-Zementfirmen übernommen. Gerade das Jahr 2008 hat nach einer Fülle von Übernahmen gezeigt, wie sich das Zementanbieterspektrum verändern wird. Dabei sind selbst die TOP-12-Zementfirmen, die von der NDRC den Status von National Champions erhalten haben, von Übernahmen betroffen. Als erstes Unternehmen hat es Zhejiang Leomax getroffen, die in 2007 von der CNBM-Gruppe mehrheitlich übernommen wurden. Daneben wurde Xinjiang Tianshan von Sinoma Cement gekauft.
 
Eine Übersicht der aktuellen TOP-12-Unternehmen mit einem Ranking für das Jahr 2007 ist in Tabelle 1 dargestellt. Sollten sich die geplanten Kapazitätserweiterungen der TOP 12 realisieren lassen, dann würde die Kapazität von etwa 500 Mta in 2008 (31 % der Gesamtkapazität) auf etwa 870 Mta (48  % der Gesamtkapazität) in 2010 ansteigen. Das Ranking von 2007 wird sich in den kommenden Jahren kräftig verschieben. Anhui Conch hat in 2008 bereits die führende Position an die CNBM Gruppe verloren, die ein sehr ambitioniertes Akquisitions- und Expansionsbestreben zeigt. Allein im ersten halben Jahr 2008 wurden 17 Akquisitionen getätigt. Dies hat allerdings auch die Verschuldung des Unternehmens enorm vergrößert, sodass jetzt ein Verkauf von Unternehmensanteilen zur Diskussion steht und sich zumindest für die kommenden beiden Jahre die Expansion verlangsamen könnte. Ein starkes Expansionsbestreben hat auch Sinoma Cement. Bereits in 2007 wurde ein Deal mit Tangshan Jidong eingefädelt, der bisher aber noch nicht zum Abschluss gekommen ist. Sollte die Übernahme von ­Jidong durch Sinoma gelingen, würde neben Anhui Conch und CNBM mit Sinoma ein drittes Unternehmen in China in die TOP 5 weltweit aufsteigen.
 
Anhui Conch Cement (Conch) hatte über 10 Jahre die führende Position in Chinas Zementindustrie inne. Das Unternehmen wurde erst 1997 gegründet und ging aus den Assets von Ningguo Cement (Bild 7) und Baimashan Cement hervor. Außerhalb Chinas wurde man mit der so genannten T-Strategie bekannt. Dabei werden Mahlwerke in den wichtigen Zementmärkten im Osten über eigene Klinkerproduktions­linien in der Nähe der Rohstoffvorkommen beliefert. Die Klinkerproduktionskapazität betrug Ende 2008 etwa 81 Mta und die Zementproduktionskapazität 96 Mta. Man verfügt über 21 Klinkerproduktionsanlagen mit 50 Produktionslinien und
25 separate Mahlanlagen. Wuhu Conch (Bild 8) mit 4 Produktionslinien zählt zu einer der größten Anlagen von Conch. In 2008 wurden 5 Milliarden Yuan investiert. Acht neue 5000-t/dKlinkerproduktionsanlagen wurden errichtet und 20 neue Mahlanlagen wurden installiert. Bisher wurden 28 Abwärmenutzungsanlagen in Betrieb genommen, die durchschnittlich über 360 MW an elektrischer Energie erzeugen können. In 2009 will Conch seine Investitionen um 30  % auf 7 Mrd. Yuan kürzen.
 
CNBM (China National Building Material Company) ist ­bereits in 2007 auf den zweiten Platz im Kapazitätsranking ­aufgestiegen und hat inzwischen durch eine Reihe von ­Akquisitionen den ersten Platz übernommen. Zur Jahresmitte wurden von den beiden angeschlossenen Unternehmen China United (CUCC) über 33 Mta Kapazität und South Cement über
69 Mta Kapazität. Allein zu der CUCC zählen über 30 Zementunternehmen, aber auch neue Werke wie die 6000-t/d-Anlage in Qingzhou (Bild 9) wurden errichtet. South Cement wurde erst im September 2007 gegründet und ist durch die Integration von Zhejiang Leomax und Jiangxi Wannianqing am schnellsten gewachsen. Bis zum Ende 2008 wurde die Zementkapazität von CNBM durch neue Zementproduktions­linien und Akquisitionen wie z.  B. Wulan Cement um weitere 18 Mta
auf 120 Mta erweitert. Im März 2009 wurde von CNBM ­Northcement als weitere wichtige Unternehmensgruppe etabliert. Die Strategie, sowohl als wichtiger ­Zementproduzent als auch wichtiges Zement-Engineering- und -Anlagenbauunternehmen erfolgreich zu sein, ist in der nächsten Zeit erst zu beweisen.
 
Momentan den 3. Platz im Ranking nimmt das Zement­unternehmen Shanshui Cement Group (Sunnsy) mit einer aktuellen Zementkapazität von fast 40 Mta ein. Bis 2010 will man über 50 Mta Klinker- und 80 Mta Zementkapazität verfügen. Shandong Cement, das Vorläuferunternehmen, wurde 1977 gegründet, bis 1989 wurden jährlich nicht mehr als 0,1 Mta produziert. 1993 betrug die Zementproduktion 0,6 Mta. Von da an wuchs das Unternehmen stetig. Die Gruppe ist auf die Shandong-Provinz und Nordost-China fokussiert. Ende 2007 wurden 5 Zementunternehmen in der Shandong- und Liaoning-Province übernommen. In 2008 betrug die Klinkerkapazität 24,8 Mta und die Zementkapazität 39,8 Mta. Man verfügt über 18 Klinkerproduktionsanlagen (Bild 10) und
82 Mahlanlagen (Bild 11), wobei in den letzten Jahren die Mahlkapazität deutlich ausgebaut wurde. Das Unternehmen konnte seine Zementumsätze im ersten Halbjahr 2008 um fast 100  % steigern. Die Zementumsätze machen etwa 78  % des Unternehmensumsatzes aus.
 
Huaxin Cement Co. (HCC) ist der strategische Partner von Holcim. Das Unternehmen hat seine Zementkapazität von
31,4 Mta in 2007 durch neue Linien auf etwa 38 Mta ausgebaut. Man besitzt nur moderne Zementwerke mit Vorkalzinieranlagen (Bild 12) und bedient im Wesentlichen die Zementmärkte in der zentralchinesischen Provinz Hubei sowie benachbarte südliche und östliche Provinzen. Holcim hat in 2008 seine Anteile an Huaxin durch eine Kapitalaufstockung von 26,1 % auf
39,9  % erhöht, womit man der größte einzelne Shareholder am Unternehmen wurde. Eine Minderheitsbeteiligung an Huaxin
besitzt Anhui Conch. In den ersten 3 Quartalen konnte ­Huaxin seinen Umsatz um 39  % auf 4,5 Mrd. Yuan steigern. Die Investitionen in den ersten 9 Monaten belaufen sich auf
1,5 Milliarden Yuan, was gegenüber dem Vorjahreszeitraum einem Anstieg von 255  % entspricht. Die Ausgaben betreffen in erster Linie den Ausbau der Kapazitäten und Investitionen für WHR-Anlagen. Ob allerdings die angepeilte Kapazität von 80 Mta in 2010 realisierbar ist, wird wohl in erster Linie davon abhängen, inwieweit neben Shaoyang Cement weitere Akquisitionen getätigt werden.
 
Die 5., 6. und 7. Plätze im Kapazitätsranking werden momentan von Jidong, Sinoma und Lafarge Shui On eingenommen. Bei Jidong Cement hat es den Anschein, dass man dem Werben durch Sinoma entrinnen möchte, um selbst von 38 Mta auf
60 Mta in 2010 zu wachsen. Derzeit wird die Produktionskapazität verstärkt in den Provinzen Shaanxi, Chongqing
und Sichuan ausgebaut. Darunter befinden sich auch die Gemeinschaftsunternehmen Fufeng (Bild 13) und Jingyang mit HeidelbergCement.

Sinoma hat das in 2007 begonnene Projekt, eine Mehrheitsbeteiligung bei Tangshan Jidong zu erzielen, nicht aufgegeben und rechnet für dieses Jahr mit einem Vollzug, um dann selbst in 2010 eine Zementkapazität von 100 Mta oder darüber zu erzielen. Bereits in 2008 wurden Yixing Henglai, Zhengda ­Cement sowie Ningxia Building Materials erfolgreich akquiriert.

Lafarge Shui On Cement (LSOC) plant seine Zementkapazitäten in Anbetracht von weltweiten Investitionskürzungen von 24 Mta in 2007 nur auf 39 Mta bis 2010 zu erweitern. Derzeit ­verfügt man über 18 Produktionslinien. Nach Dujiangyan 2 (Bild 14) wird als nächstes Werk Yong Chuan in Betrieb gehen. Eine weitere Anlage wird in der Yunnan-Provinz errichtet. Eventuell folgen nach der Akquisition von Sichuan Shuangma auch weitere Übernahmen.
 
Auf den weiteren Plätzen folgen Henan Tianrui, Hongshi, BBMG, Jilin Yatai und die Taiwan Cement Corp. Tianrui ist der größte Zementhersteller in der Henan-Provinz. Seit 2003 wurden 6 neue Anlagen errichtet, darunter 2 neue Linien im Werk Dalian (Bild 15). 2010 will man über 45 Mta verfügen. Das amerikanische Private Equity Unternehmen KKR (Kohlberg
Kravis Roberts) ist wesentlicher Kapitalgeber. Bei Hongshi Holding (Red Lion Cement) hat Goldmann Sachs eine 25  %-Beteiligung erworben. Das Zementunternehmen wurde erst in 2002 gegründet, ist Marktführer in Zhejiang und beabsichtigt, die Produktionskapazität bis 2010 auf 50 Mta auszubauen.

Die BBMG Group (Beijing Golden Corner) wurde erst in 2005 gegründet und ist schnell durch die Übernahme von Hebei ­Taihang Cement gewachsen. Inzwischen kommt BBMG auf eine Kapazität von 15 Mta, die bis 2010 auf 32 Mta wachsen soll. Man ist der größte Zementhersteller in der Bohai-Golfregion und hat mit seinen Werken (Bild 16) etwa 90  % des Zementes für die Bauprojekte zu den Olympischen Spielen geliefert. An ­Jilin Yatai ist die irische CRH Gruppe seit 2009 mit 26  % beteiligt. Jilin Yatai verfügt über 4 integrierte Zementwerke und
4 separate Mahlwerke mit 14 Mta Kapazität. Den letzten Platz im 2007er Ranking der TOP 12 nimmt die Taiwan Cement Corp. ein. Nach der Übernahme con Chia Hsin Cement verfügt man in 2008 aber bereits über eine Kapazität von 24,6 Mta, die bis 2011 auf 42,1 Mta ausgebaut wird.
 
Mit jeweils zweistelligen Zementkapazitäten folgen eine ganze Reihe weiterer Unternehmen. Dazu zählen HeidelbergCement mit 5 Zementwerken bzw. Beteiligungen an Zementwerken in China sowie Prosperity Minerals, die an 5 Zementwerken beteiligt sind, darunter auch Yingde Dragon Mountain
(5,9 Mta) von Anhui Conch. Zu den weiteren größeren lokalen Unternehmen zählen Henan Tongli, Huarun (China Resources Cement), JYSN (Gold Circle) und Jiangsu Jinfeng ­Cement. Neben Holcim, Lafarge, HeidelbergCement, CRH und ­Taiwan Cement sind verschiedene andere ausländische Zement­unternehmen in China vertreten. Dies sind Asia ­Cement ­China ­(Yadong Cement), Taiheiyo (Qinhuangdano Asano, Dalian Onoda, Jiangnan Onoda), Italcementi (Fuping, Zhejiang Gunangyu) und Cimpor (Shandong Liuyuan).
 
5    Wandel im Anlagenbau in China
Die NSP-Ofentechnologie hat sich in China rasant entwickelt. Waren es 1997 gerade etwas über 80 Öfen mit Vorkalziniertechik und einer Klinkerkapazität von knapp 35 Mta, so lag die Anzahl der NSP-Öfen Ende des letzten Jahres bei über 920 und die Klinkerkapazität bei über 750 Mta. Anfänglich wurden NSP-Ofenlinien praktisch ausschließlich mit ausländischer Technologie gebaut. Heute sind Projekte ausländischer Anlagenbauer (Bild 17) in China eher selten. Das „Ofen­design“ wurde von den chinesischen Designinstituten wie dem TCDRI (Tianjin Cement Industry Design & Research Institute), dem NCDRI (Nanjing Cement Design & Research Institute) oder dem HCRDI (Hefei Cement Research & Design Institute) studiert, absorbiert und umgesetzt. Heute zählen das TCDRI und NCDRI wie auch das CDRI (Chengdu Design & Research Institute) zur Sinoma-Gruppe und das HCRDI zur CNBM-Gruppe. Sinoma und CNBM sind inzwischen in der Lage, schlüsselfertige Zementwerke mit 100  % chinesischer Technologie zuliefern. Bis Mitte der 1990er-Jahre beschränkte sich die Liefermöglichkeit der chinesischen Unternehmen ­nahezu auf Anlagenleistungen von 1000 bis 2000 t/d. Heute werden genauso Anlagen von 4500 und 5000 t/d bis hin zu 10 000 t/d gebaut. Dies wird durch zahlreiche Projekte im In- und Ausland deutlich.
 
Sinoma lässt seit einiger Zeit verlauten, dass das Unternehmen bei 90  % der größeren Zementprojekte in China involviert ist [2]. So hat man federführend bisher nahezu über
500 große Zementlinien in China gebaut. In 2008, dem bisherigen Boomjahr bei den Investitionen in China, wurden in der
1. Hälfte ­Engineering-Aufträge in Höhe von 6,179 Mrd. Yuan (882 Mio. US$) entgegengenommen. Dies macht nur einen Bruchteil (5,9  %) der Investitionen der chinesischen Investitionen von 105 Milliarden Yuan aus. So entspricht der Halbjahres-Auftragseingang von Sinoma etwa gerade den Investitionen für 10 große Klinkerlinien von 4500 t/d. Dabei ist nicht bekannt, in welcher Höhe Equipment-Lieferungen von CEMTECK und Tangshan Sinoma Heavy Machinery, der beiden ­wichtigsten Maschinenbaufirmen von Sinoma, in den oben genannten Auftragseingängen enthalten sind. Es ist aber zu vermuten, dass neben Sinoma eine Vielzahl weiterer Zementanlagenanbieter einen Großteil des Vergabepotenzials erhalten. Zu den weiteren Anlagenanbietern zählen u.  a. CNBM, CITIC Heavy ­Machinery, Jiangsu Pengfei und China Sky ­Cement (Shanyang Heavy Machinery). So hat Jiangsu ­Pengfei (Bild 18) in 2007 auf dem nationalen Markt einen Umsatz von 1,07 Milliarden Yuan erzielt. Jährlich ist man in der Lage,
250 Kugelmühlen zu bauen.
 
Neben den genannten Anlagenbauern verfügen eine Reihe von Zementproduzenten wie Anhui Conch, Huaxin und Jidong über eigene Design-Institute und Anlagenbaufirmen. Dies lässt darauf schließen, dass den Zementproduzenten an einer hohen Unabhängigkeit bei den Anlagenlieferungen gelegen ist und evtl. der Wettbewerb durch Sinoma und CNBM auf dem Zementsektor nicht nur positiv gesehen wird.
 
Anhui Conch ist interessanterweise in einer Kooperation mit Kawasaki in den Bau von WHR-Anlagen eingestiegen. Nach Markterfolgen innerhalb der Conch-Gruppe und auch außerhalb werden von dem Gemeinschaftsunternehmen Conch Kawasaki inzwischen auch Vertikalmühlen gebaut und vermarktet. Die weiteren wichtigen Lieferfirmen für WHR-Anlagen für die Zementindustrie in China sind Sinoma, CNBM und ­
Chinacables.
 
6    Schlussbetrachtung
In der Zementindustrie in China ist nichts mehr wie es war. Das Zementwachstum ist deutlich gebremst und nach dem Ausklingen von staatlichen Infrastrukturprogrammen ist mit einem Absinken des Pro-Kopf-Verbrauchs zu rechnen. Die Konsolidierung der Zementindustrie ist so gewaltig, dass die TOP-Unternehmen bald über 50  % der Kapazitäten verfügen. Im internationalen Ranking werden 3 Unternehmen unter die TOP 5 gelangen. Nach dem Investitionsboom in 2008 ist mit einem Abklingen der Anlageninvestitionen zu rechnen, weil das Ersatzpotenzial für veraltete Ofenanlagen sinkt und in einigen Regionen bereits Überkapazitäten entstehen. Auf dem Anlagenbausektor in China haben sich etliche Unternehmen etabliert und der Wettbewerb hat sich deutlich verstärkt.

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