Wärmeentwicklung bei der Synthese von ­Hydrosilikaten im Porenbeton

SCHUHOV TECHNICAL STATEUNIVERSITY, BELGOROD, RUSSIAN FEDERATION

Bei der Synthese von 11,3 Å-Tobermorit aus Kalk und Quarz beträgt die Wärmeentwicklung 125 kJ/kg und bei der Synthese von Xenolith 50 kJ/kg, wodurch Druck und Temperatur im Autoklaven ansteigen. Im Folgenden werden Empfehlungen für die Regelung der Hydratzusammensetzung bzw. zur Reduzierung des Dampfverbrauchs bei der Autoklavbehandlung gegeben.

1 Einleitung

Bekanntermaßen laufen die Bildungsreaktionen der Calciumsilikathydrate bei der Autoklavbehandlung aus Calciumhydroxid und feingemahlenem Quarz unter Wärmeentwicklung ab. Exakte Werte zur  Wärmeentwicklung dieses Prozesses sind sehr schwer zu bestimmen, weswegen man sich der Problematik zunächst theoretisch nähert. Die Ergebnisse solcher theoretischen Berechnungen sind bei Babuschkin et al. [1] zu finden. Für die Bildungsreaktion von Tobermorit aus Calciumhydroxid und Quarz ergibt sich bei einer Temperatur von 179 °C eine Reaktionsenthalpie von ΔHP = 30–31 Kcal/Mol. Später wurde von...

1 Einleitung

Bekanntermaßen laufen die Bildungsreaktionen der Calciumsilikathydrate bei der Autoklavbehandlung aus Calciumhydroxid und feingemahlenem Quarz unter Wärmeentwicklung ab. Exakte Werte zur  Wärmeentwicklung dieses Prozesses sind sehr schwer zu bestimmen, weswegen man sich der Problematik zunächst theoretisch nähert. Die Ergebnisse solcher theoretischen Berechnungen sind bei Babuschkin et al. [1] zu finden. Für die Bildungsreaktion von Tobermorit aus Calciumhydroxid und Quarz ergibt sich bei einer Temperatur von 179 °C eine Reaktionsenthalpie von ΔHP = 30–31 Kcal/Mol. Später wurde von Babuschkin für diese Reaktion allerdings auch eine Enthalpie von ΔHP = 20–25 Kcal/Mol bestimmt. Im Folgenden werden noch die Ergebnisse aus der Berechnung für Tobermorit und Xenolith bei einer Temperatur von 180 °C dargelegt.

Folgende Werte werden für die Reaktionsenthalpie und auch die Wärmekapazität von Tobermorit und dessen Zwischenphasen angenommen:

Angaben [1] in:

kcal/Mol kJ/Mol kcal/Mol kJ/Mol
∆H0 298td = 2556 10 684 Cp = 10,6 + 189 ·T·10-3 462,3 + 0,79  ·T
∆H0  SiO2 = 217,7 910 Cp = 11,7 + 8,2 ·T·10-3 52,4 + 34,3·10-3  ·T
∆HC2(or)2 = 235,5 983,5 Cp = 19,0 + 10,8 ·T·10-3 79,4 + 45,1·10-3 ·T

Die molare Standardentropie beträgt in

⇥kcal/Mol (bzw. kJ/Mol)

Bei Tobermorit: 146  (610,3)
Bei Quarz: 10,0  (41,8)
Bei Ca(OH)2: –20  (83,6)

2 Berechnungen

Die Berechnung der Enthalpie erfolgt nach Babuschkin et al. [1] für die Synthesereaktion von Tobermorit und Xenolith bei einer Temperatur von 280 °C:
1. Berechnung der Reaktionsenthalpie H298:
Ca(OH)2 + 1,25 SiO2 + 0,1 H2O = CaO · SiO2 · 1,1 H2O
∆H298= – 2556,3 + 235,3 + 1,2 · 217,7 + 0,1 · 68.3 = 
  5⇥–7.9 kcal/Mol · K
2. Die Änderung der Standardentropie:
S0 298 = 146 – 20 – 1,2 ·10 – 0,1 ·16,7 = 4,47 Kcal/Mol · K
5
3. Die Wärmekapazität vom Tobermorit bei 180 °C ist:
Cr = 110,6 + 189 ·453 ·10-3 = 196,2 Kcal/Mol ·K
4. Molare Masse vom Tobermorit:
MTb = 146,8Da
(Da – Dalton wird als Maßeinheit für die Atom- und molekulare Masse verwendet. Anm. d. Red: 1 Da = 1 g/mol)
5. Berechnung der Änderungen der Wärmekapazität bei der Reaktion:
∆Cr = ∆a + ∆B ·T + ∆c ·T-2
= 67,15 + 158,6 ·10-3 ·T
= 71,9 Kcal/Mol · K

6. Berechnung der Wärmeentwicklung bei einer Reaktionstemperatur von 180 °C:
∆HT = ∆H298+∫ 458              298 ∆Cp · dT =7,9 ·103 +
160  (67,15 + 158,6 ·103 · 453)
= 7,9 ·103 + 160 (67,15 + 71,84)
= 7,9 ·103 + 22,2 ·103
= 30,1 Kcal/Mol · K
= 125,8 KJ/Mol

Somit stimmt das theoretische Ergebnis zur Wärmeentwicklung beim Tobermorit mit den Werten von Babuschkin überein [1].

Nun wird die Temperaturerhöhung im Autoklav ermittelt: Dafür wird die spezifische Wärmekapazität von Tobermorit errechnet:

Crsp = 196,2 = 1,33 kap · K
146,8     kr 
∆HTb = CP ·∆t ·m

Hier ist m = 1 kg, woraus sich eine Temperaturer­höhung von ∆t 30,1    1,33 = 22,6° ergibt. Weil die Wärmekapazität von Tobermorit geringfügig höher ist als die Ausgangskomponenten, wird mit ∆t = 23 °C gerechnet.

Analog wird die Wärmeentwicklung bei der Synthese von Xenolith berechnet:

6 Ca(OH)2 + 6 SiO2 = 6 CaO ·6 SiO2 ·H2O + 5 H2O
∆H0 ks = 2396,7 Kcal/Mol (10018,2 kJ/Mol)
S0 ks  = 121,3/6 = 20,25 kal/Mol · K (84,6 J/Mol · K)
Die anderen Ausgangswerte sind oben angegebenen.
∆H218 = –2396,7 – 5 ·68,3 + 6 ·235,3 + 6 ·217,8 =
⇥–13,6 kJ/Mol
∆Hks= – 13,6     6   = –2,27 kJ/ Mol
∆Sr453 = 20,25 + 0,8 ·16,7 – 20 – 10 = 3,61 kal/Mol · K
Crks = 132,25 + 65,2 – 18,35 ·10-3 = 197,5 kal/Mol · K
∆a = 132,25 – 19 – 11,2 – 0,17 ·12,65 = 180 kal/Mol · K
B = 65,2 – 10,8 – 8,2 – 11,4 = 34,8
∆Ht = ∆H298 +∫ 458           298 ∆Cp · dT = 
⇥–2,27 · 10-3 + 155 (100 + 34,8 ·453 ·10-3) = 2290 kal/Mol
Mks = N«. Cp = 1,74 kal/Mol ·K
∆Hsp = 2290        113   = 20,2 cal/kg
∆t= 20,3         1,74 = 11,7 °C ≈ 12 °C

Somit zeigt sich, dass die Reaktionsenthalpie von ­Xenolith bei der Synthese aus Ca(OH)2 und Quarz um das 1,5-fache geringer ist als bei der Tobermoritbildung.

Rahimbaev [2] zeigt, dass die Änderung der Enthalpie unter isothermen Bedingungen mit einer geringen Änderung der Wärmeentwicklung im Bindungsystem einher geht. Daraus ergibt sich, dass die Wärmeentwicklung bei der Synthese von 11,3Å-Tobermorit, wie sie im Porenbeton bei der autoklavierten Härtung auftritt, viel mehr beiträgt als die des Xenoliths.

Die Wärmeentwicklung bei der Synthese von Tobermorit im Porenbeton, ruft eine lokale Temperaturerhöhung im Inneren des Materials auf 22-23 °C hervor.

3 Graphische Darstellung

Aus den Diagrammen 1 bis 3 (Bilder 1-3) werden die Druck- und Temperaturänderungen im Autoklaven gezeigt. Die Verläufe wurden im Baumaterialienbetrieb in Egorjewsk  aufgenommen (Stadt Egorjewsk, Gebiet Moskau), wo auf einer Produktionslinie (sog. “Masa-Henke”-Linie) Porenbeton produziert wird.

Die Analyse der Verläufe, die den Prozess im Autoklaven charakterisiert, zeigt Folgendes:

Bei der Autoklavbehandlung der Produkte mit der Dichte D 600 hält sich der Dampfdruck nach dem Erreichen des Arbeitspunktes stabil auf 1,1 MPa.

Bei der Autoklavbehandlung der Porenbetonprodukte mit einer Dichte von D 400 und 500, erhöht sich der Dampfdruck nach dem Erreichen des Arbeitspunktes auf 0,025-0,03 MPa. Dies schaltet nun die automatische Regulierung des Dampfdrucks im Autoklav ein, bzw. schaltet die Dampfversorgung aus, wodurch nach einigen Minuten der Druck bis zum eingegebenen Wert von 1,1 MPa absinkt. Danach steigt der Druck im Autoklaven wieder an, bis die automatische Regulierung sich erneut aufschaltet.

Die Anzahl der Ein-Ausschalt-Zyklen der automatischen Regulierung variiert zwischen 2 und 7, während die Intervalle zwischen den Zyklen zwischen 15 und 20, sogar bis 150 Minuten betragen. Ein gesamter Zyklus dauert zwischen 2 und 3,5 Stunden.

Im Laufe der Zeit sinkt die Anzahl der Ein-Ausschalt-Zyklen. Wenn die ersten beiden Abschaltungen nach 15-20 Minuten erfolgen, treten die letzten beiden 40-50 Minuten nach der letzten Abschaltung auf.

Die Frequenz und die Amplitude der Ein- und Ausschaltungen der Dampfversorgung sind abhängig von der Menge an Kalk und dem Aluminiumpulver bzw. von der Aluminiumpaste. Das zeigt indirekt, wie die Erhöhung des Dampfdrucks im Autoklaven nicht nur von der Synthese der Silikathydrate, sondern auch von Aluminathydratphasen bedingt wird. Jedoch ist der Beitrag der Aluminathydratphasen in der gesamten Wärmebilanz offensichtlich relativ klein.

Die Untersuchungen zeigen, dass die Umwandlung von Tobermorit in Xenolith von Wärmeaufnahme und einer Erhöhung der Entropie im System begleitet werden. Nach dem Prinzip von Le-Chatelier folgt, dass eine Erhöhung der Temperatur im Autoklaven einen doppelten Einfluss auf den Umwandlungsprozess Tobermorit ↔ Xenolith ausübt.

Eine steigende Enthalpie verschiebt die Reaktion in Richtung Xenolith und ein steigender Druck bzw. die Entropie in Richtung Tobermoritbildung. Offenbar übt der Faktor Energie einen  vorherrschenden Einfluss aus, weshalb eine Verstärkung der Bedingungen im Autoklaven im System CaO-SiO2-H2O die Bildung von Xenolith begünstigt, aber beim Abkühlen der Betone bei hoher Feuchtigkeit sich wieder in Tobermorit zurück umwandelt [3].

4 Fazit

Die Betone auf Basis von Xenolith sind witterungsbeständiger als die auf Basis von Tobermorit [4, 5], wobei aber die Produktion der Porenbetone auf Xenotlithbasis höhere Energiekosten verursachen. Zusätzlich gibt es auch keine Garantie für eine Stabilität ihrer Phasenzusammensetzung unter normalen Temperaturbedingungen.

Daher wird für die Porenbetonherstellung empfohlen, die Produkte sofort nach der Entladung aus dem Autoklaven bis auf eine Restfeuchte nicht höher als 20 % zu trocknen, was auch zur Stabilisierung der nützlichen Phasenzusammensetzung beiträgt. Aufgrund der oben genannten Ergebnisse aus der Autoklavenbehandlung der Porenbetone mit der Dichte D 400 und D 500 ließe sich für die ersten 3–4 Stunden nach Erreichen des richtigen Arbeitspunktes der Dampfdruck bis auf 0,025-0,03 MPa reduzieren. Zusätzlich senkt die Wärmebildung bei der Synthese von Silizium- und Aluminathydraten Energiekosten um einige Prozente.

tab ZKG KOMBI Test

4,99 € / Woche* (Test!)

Es handelt sich hierbei um ein Testangebot. Es berechtigt zu keinem gültigen Abonnement und steht hier rein für Testläufe. Bitte diesem Prozess nicht folgen.

Es handelt sich hierbei um ein Testangebot. Es berechtigt zu keinem gültigen Abonnement und steht hier rein für Testläufe. Bitte diesem Prozess nicht folgen.

Jetzt wählen

tab ZKG KOMBI Study Test

2,49 € / Woche* (nicht gültig)

Es handelt sich hierbei um ein Testangebot. Es berechtigt zu keinem gültigen Abonnement und steht hier rein für Testläufe. Bitte diesem Prozess nicht folgen.

Es handelt sich hierbei um ein Testangebot. Es berechtigt zu keinem gültigen Abonnement und steht hier rein für Testläufe. Bitte diesem Prozess nicht folgen.

Jetzt wählen

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 7-8/2013

Die Zukunft von Zement und fossilen ­Brennstoffen in den nächsten 100 Jahren

Ünye CIMENTO

Kohle und Strom sind unentbehrliche Energielieferanten in Zementanlagen. Während die Elektroenergie für den Betrieb der Maschinen und Ausrüstungen eingesetzt wird, wird Kohle für die Prozesswärme...

mehr
Ausgabe 12/2009

Einfluss von Calciumsulfat und ­Calciumhydroxid auf die Hydratation von Calciumsulfoaluminat-Klinker

1 Einleitung Die Herstellung von Portlandzementklinker macht ca. 5 % der von Menschen verursachten CO2-Emissionen aus. Eine vielversprechende CO2-freundliche Alternative ist die Herstellung von...

mehr
Ausgabe 10/2012

Bestimmung der Ausgangszusammensetzung ausgehärteter Bindemittel

Institute IGH d.d.

1 Einleitung Im Bauwesen wird man oft mit Fragen zu den Ursachen von Schäden oder Fehlverhalten von Bauteilen konfrontiert, d.?h. zu den Materialien, aus denen sie zusammengesetzt sind. Solche Fragen...

mehr
Ausgabe 02/2013

Bildung von intermediären Phasen bei der ­Hydratation von C3S

BAUHAUS UNIVERSITY Weimar

1 Einleitung Die Erhärtung des Zementes ist ein wichtiger technologischer Prozess. Mittlerweile werden jährlich weltweit über 2 Mrd. t Zement hergestellt und verarbeitet. Neben den technologischen...

mehr
Ausgabe 04/2011

Thermisch bedingte Gefügeveränderungen und deren Auswirkungen auf mechanische Kenngrößen bei Porenbeton

1 Einleitung und Stand der Kenntnis Porenbeton ist ein anorganisch-mineralischer Wandbaustoff, der eine sehr günstige Kombination der Parameter Rohdichte, Druckfestigkeit und Wärmeleitfähigkeit in...

mehr