Bestimmung der Ausgangszusammensetzung ausgehärteter Bindemittel

Institute IGH d.d.

Mit einem neuen basierend auf der Bestimmung des Verhältnisses der Kohlenstoffisotope 14C/12C Verfahren kann der Bindemittelgehalt in ausgehärteten Massen charakterisiert werden.

1 Einleitung

Im Bauwesen wird man oft mit Fragen zu den Ursachen von Schäden oder Fehlverhalten von Bauteilen konfrontiert, d. h. zu den Materialien, aus denen sie zusammengesetzt sind. Solche Fragen kommen nicht nur von Investoren, sondern auch von anderen am Baugeschehen und an der Wartung beteiligten. Die Hauptsorge gilt der Qualität und Quantität der Materialien, die für bestimmte ausgefallene Bauteile verwendet wurden sowie dem damit verbundenen Aufwand an Zeit, Arbeitskräften und Material für die Wiederherstellung der vollen Funktionalität. Die Antwort ist schwierig und es gibt einen...

1 Einleitung

Im Bauwesen wird man oft mit Fragen zu den Ursachen von Schäden oder Fehlverhalten von Bauteilen konfrontiert, d. h. zu den Materialien, aus denen sie zusammengesetzt sind. Solche Fragen kommen nicht nur von Investoren, sondern auch von anderen am Baugeschehen und an der Wartung beteiligten. Die Hauptsorge gilt der Qualität und Quantität der Materialien, die für bestimmte ausgefallene Bauteile verwendet wurden sowie dem damit verbundenen Aufwand an Zeit, Arbeitskräften und Material für die Wiederherstellung der vollen Funktionalität. Die Antwort ist schwierig und es gibt einen Bedarf an geeigneten Methoden und Verfahren zur Materialcharakterisierung von ausgehärteten anorganischen Bindemitteln. Im Folgenden werden einige gängige Praktiken zur Analyse von ausgehärteten Bindemitteln vorgestellt, die das Ziel haben, die Anfangszusammensetzung des für die Bau­arbeiten verwendeten Bindemittels zu bestimmen.

Zementbasierte Materialien haben einen großen Marktanteil bei Bindemitteln. Das Abbinden und Aushärten zementbasierter Materialien ist allerdings zu komplex um eine erste Überprüfung einer Hypothese, z.B. ob das Kohlenstoffisotopenverhältnis von CaCO3 für die Bestimmung der Anfangszusammensetzung des ausgehärteten Zementmörtels verwendet werden kann, möglich wäre. Daher befasst sich ein erster, vereinfachter Ansatz mit Materialien auf der Basis von Kalk als Modellsystem.

Beispiele zur Verwendung des Isotopenverhältnisses von Kohlenstoff (und Sauerstoff) [1-3] stehen meistens im Zusammenhang mit der Radiokohlenstoffdatierung von historischen Mörteln. Die Problematik der genauen, unverfälschten Datierung alter Kalkbindemittel beruht meistens auf dem Vorhandensein von Einschlüssen unverbrannter Kohle im ursprünglichen Kalk und der inhärenten Schwierigkeit, zwischen Calciumcarbonat, das als Zuschlagstoff verwendet wurde, und Calciumcarbonat, das durch das Abbinden von Kalk gebildet wurde, zu unterscheiden.

Lanas und Alvarez [4] und besonders Lawrence et al. [5] wendeten die thermogravimetrische Analyse (TGA) für die Bestimmung der Menge von nicht in Reaktion getretenem Löschkalk und von Calciumcarbonat in Kalkmörtelproben an. Die TGA von Kalkproben ist weit verbreitet und beruht auf mehr oder weniger gut getrennten Prozessen des Masseverlusts von Wasser aus Portlandit und von CO2 aus CaCO3.

Standardmethoden für die Bestimmung der Zusammensetzung von Bindemitteln aus alten/ausgehärteten Bauteilen sind nicht sehr genau (ASTM C-1084-97). Die vorgeschlagene Forschung möchte die gängigen Methoden der Bestimmung der Zusammensetzung von ausgehärteten Bindemitteln ergänzen. Soviel wir wissen, ist die Bestimmung der Anfangszusammensetzung von ausgehärteten Bindemitteln mit Hilfe des Kohlenstoffisotops 14C neu und wird daher zuerst einmal mit dem einfachsten anorganischen Bindemittel, d.h. Kalkmörtel, getestet. Die Anwendung der gleichen Methodologie für die Analyse von Materialien auf der Basis von ausgehärtetem Zement ist in Vorbereitung.

2 Theoretische Betrachtungen

Kalkmörtel erhalten ihre Festigkeit aus der Reaktion von Ca(OH)2 mit CO2 aus der Luft nach folgender Gleichung (Gl. 1)

 

Ca(OH)2 (s) + CO2 (g) → CaCO3 (s)+ H2O (l)(1)

 

Das Hauptreaktionsprodukt, das die Zunahme der Festigkeit und die Abnahme der Porosität verursacht, ist CaCO3. Es ist meistens als Calcit vorhanden. Es wurden jedoch auch andere polymorphe Formen von CaCO3 entdeckt (Aragonit, Vaterit, und sogar amorphes CaCO3) [6]. Das aus dem Kalkbindemittel gebildete CaCO3 ist schwer von CaCO3 aus Zuschlagstoffen zu unterscheiden, die Bestandteil der Kalkmörtel sind. Zum Beispiel untersuchten ­Thiery et al. [7] und Villain et al. [8] die Zersetzung von CaCO3 aus Zementproben mit Hilfe der TGA und der gleichzeitigen Gasanalyse mit Massenspektrometer (MS-EGA). Ihre Ergebnisse zeigen, dass unter einem geringen Partialdruck von CO2, der charakteristisch für TGA Messungen mit Gasspülung der Probe ist, die Zersetzung bereits bei etwa 600 °C beginnt. Es ist unklar, wie man die Kurven der TGA oder DTG (Differential-Thermogravimetrie) interpretieren soll, um CaCO3 aus der Kalkcarbonatisierung und CaCO3 aus Zuschlagstoffen zu trennen.

Um CaCO3 aus Zuschlagstoffen und CaCO3 aus der Reaktion von Ca(OH)2 mit CO2 aus der Luft während des Aushärtens von Kalkmörtel zu unterscheiden wird die Methode zur Bestimmung des 14C Isotops in der Versuchsprobe eingeführt.

3 Experimenteller Teil

Es wurden Testproben aus Löschkalk, Zuschlagstoffen und vollentsalztem Wasser in verschiedenen Verhältnissen aufbereitet (Tabelle 1). Die erhaltenen frischen Kalkmörtel hatten eine für die Arbeit geeignete Konsistenz. Die physikalischen und chemischen Eigenschaften des Löschkalks, der für die Aufbereitung der Probenkörper verwendet wurde, sind in Tabelle 2 enthalten. Tabelle 3 zeigt die physikalischen und chemischen Eigenschaften des für die Aufbereitung der Probenkörper verwendeten Zuschlagstoffs. Die Untersuchungsproben wurden in einem Mischer nach HRN EN 196-1 gemischt. Die Umgebungsbedingungen für das Mischen der Proben und ihre Lagerung bis zur Untersuchung waren 20 °C ± 2 °C und min. 50 % rel. Feuchtigkeit. Die ca. 150 Tage gelagerten Kalkmörtelproben wurden der 14C-Analyse unterzogen. Die für die 14C-Analyse verwendete Probe wurde mit verdünnter Salzsäure behandelt, um das CaCO3 zu zersetzen. Das eingefangene CO2 wird weiter zu Benzen, C6H6, umgewandelt, was sich für Messungen eignet. Die Proben wurden mit Hilfe der Flüssigszintillationszählung (Bild 1) gemessen (LSC Quantulus 1220, PerkinElmer) [9].

Die Radiokohlenstoffaktivität der Proben wurde als ­relatives Maß der modernen Kohlenstoffaktivität pMC ausgedrückt. Oxalsäure wurde aktiver Standard eingesetzt, während Anthrazit und Marmor als Hintergrundproben verwendet wurden. Die Ergebnisse wurden für die Isotopenfraktionierung korrigiert [10]. Das ist die normale Art, die Ergebnisse von Messungen der 14C-Aktivität auszudrücken und hat die folgende einfache Interpretation. Die Bestimmung einer Aktivität von 0 pMC würde bedeuten, dass das gesamte eingefangene CO2 (aus der untersuchten Probe freigesetzt) so alt ist, dass es keine messbare Aktivität mehr besitzt. Andererseits würde die Bestimmung der Aktivität von 100 pMC bedeuten, dass das gesamte gemessene CO2 (aus der untersuchten Probe freigesetzt) vom heutigen Tag stammt, nämlich das moderne CO2, das wir atmen. Zuschlagstoffe haben eine pMC Aktivität von effektiv null, weil sie älter als 50 000 Jahre sind. Sie trägt nicht zur Aktivität von 14C bei, sondern verdünnt die Aktivität des CO2, das durch das Kalklöschen gebunden wird (Gl. 1).

Die Zusammensetzung der Proben und Materialien von Kalkmörtel wurde durch Röntgenbeugung des Pulvers untersucht. Dazu wurde ein Diffraktometer vom Typ ­Shimadzu H-6000 mit einer Cu Ka Strahlung eingesetzt (der Abtastschritt betrug 0,02 ° bei einer Integrationszeit von 1 s). Die Hydratation wurde blockiert und freies Wasser durch die Zugabe von Aceton (2-Propanon) entfernt. Das wurde erreicht durch das Mahlen der Probe mit drei Dosen Aceton in einem Achatmörser. Die TGA der Kalkmörtel wurde auf einer Thermoanalyseanlage ­Perkin Elmer­ TGS‑2 bei einer Aufheizgeschwindigkeit von 10 K/min und einem Spülstrom der synthetischen Luft von 15 cm³/min durchgeführt.

 

4 Ergebnisse und Diskussion

Tabelle 4 zeigt die Masse von Portlandit (Ca(OH)2) und Calcit (CaCO3) in Prozent in den Kalkmörtelproben, die durch die TGA bestimmt wurde, sowie pMC aus den 14C-Analysen der Testproben. Die ersten beiden Spalten zeigen den Verlust an Masseprozent der Probe auf Grund der Entfernung von H2O und CO2 aus der Probe. Die Masseprozente von Portlandit und Calcit in der Probe wurden aus den entsprechenden Masseverlusten errechnet. Durch die Berücksichtigung der pMC (relative Aktivität des 14C Kohlenstoffisotops) wurde die Anfangszusammensetzung des Kalkmörtels bestimmt (s. Anhang). Es sollte erwähnt werden, dass die Summe der Anfangsmasse von Ca(OH)2 und CaCO3 kleiner ist als die der teilweise carbonisierten Probe.

Kalkmörtel enthalten etwas nicht umgesetztes Ca(OH)2, da sich die Carbonisationsreaktion (Gl. 1) verlangsamt, weil das nicht umgesetzte Ca(OH)2 mehr und mehr durch die geringe Permeabilitätsschicht des vorher gebildeten CaCO3 behindert wird. Kalkmörtel sind normalerweise durch zwei Hauptprozesse gekennzeichnet, die mit dem Masseverlust einhergehen. Der erste Prozess entspricht der chemischen Zersetzung von Portlandit in einem Temperaturintervall von 380–500 °C, während der zweite Prozess der Zersetzung von CaCO3 entspricht und zwischen 580 und 910 °C stattfindet (Gl. 2 bzw. 3).

 

Ca(OH)2 (s) → CaO (s) + H2O (g)(2)
CaCO3 (s) → CaO (s) + CO2 (g)(3)

 

Ein Mol Wasser (18,015 g) wird von einem Mol Portlandit (74,093 g) freigesetzt, und der beobachtete Masse­verlust (%) wird neu für die vorhandene Menge von Ca(OH)2 berechnet, indem man mit 4,1128 multipliziert. Analog wird der Masseverlust entsprechend dem CO2 Verlust (44,011 g/Mol) neu für den Gehalt von CaCO3 (100,089 g/Mol) in der Probe berechnet, indem man mit 2,2742 multipliziert.

Die Berechnung der Anfangszusammensetzung des Kalkmörtels (Massenverhältnis von Masseprozent von Portlandit (Bindemittel) zu Calcit  (Zuschlagstoff), die in Tabelle 4 dargestellt ist, wird wie folgt durchgeführt:

1. Aus dem gemessenen Masseverlust im Temperaturbereich von 380–500 °C (2. Spalte) wird die Massefraktion von nicht umgesetzten Ca(OH)2 (4. Spalte) durch Multiplikation mit 4,1128 bestimmt.
2. Aus dem gemessenen Masseverlust im Temperaturbereich von 580–910 °C (3. Spalte) wird die Massefraktion von CaCO3 (5. Spalte) durch Multiplikation mit 2,2742 bestimmt.
3. Aus den radiometrischen Messungen wird die Aktivität des Kohlenstoffisotops 14C bestimmt und als Prozent moderner Kohlenstoffaktivität, pMC, ausgedrückt (6. Spalte).
4. Die Fraktion von CaCO3 aus der Carbonisation von Kalk wird durch Multiplikation des gesamten CaCO3 (5. Spalte) mit der pMC (6. Spalte) bestimmt. Diese Menge wird umgerechnet auf Ca(OH)2 und zur nicht umgesetzten Menge von Ca(OH)2 (4. Spalte) hinzugefügt. So erhält man die Masse von Ca(OH)2 in 100 g analysiertem, ausgehärteten Kalkmörtel (neben der letzten Spalte).
5. Die Masse von CaCO3 (letzte Spalte) in 100 g analysiertem, ausgehärteten Kalkmörtel wird durch Multiplikation von CaCO3 (5. Spalte) mit 1-pMC bestimmt.
6. Aus den letzten zwei Spalten wird das Masseverhältnis von Kalk zu Calcit berechnet, da die Wassermenge nicht bestimmt wird.

 

Eine schematische Darstellung der Bestimmung der idealisierten Anfangszusammensetzung des Bindemittels Kalk wird auf der Grundlage der Ergebnisse der TGA und der Aktivität des Kohlenstoffisotops 14C im Anhang gezeigt.

Bild 2 zeigt ein typisches Ergebnis der TGA von Kalkmörtel. Das gleiche Bild zeigt auch das Ergebnis der DTG (1. Ableitung der Massenverlustkurve). Es konnten zwei gut getrennte Prozesse des Masseverlusts beobachtet werden, was mit anderen Untersuchungen übereinstimmt [4-6]. Bild 3 zeigt einen Vergleich der Anfangszusammensetzung von Kalkmörtel, die aus den TGA Resultaten mit Korrektur zur Isotopenaktivität von 14C bestimmt wurden (Tabelle 4), zu der bekannten Kalkmörtelzusammensetzung (Tabelle 1). 85 % des „echten“ Bindemittels können dem Zuschlagstoff zugewiesen werden. d. h. dem Verhältnis von Kalk zu Kalksteinzuschlagstoff in den untersuchten Kalkmörteln. Es gibt allerdings verschiedene mögliche Gründe für eine Unterbewertung.

Wenn das CaCO3 im Kalk, das für die Probenaufbereitung des Kalkmörtels verwendet wird, aus ungelöschtem Kalkstein stammt, senkt es die Aktivität des Kohlenstoffisotops 14C, während die Menge an CaCO3, die durch die TGA bestimmt wird, zunimmt. Wenn wir annehmen, dass 99 % reines Ca(OH)2 nur 1 % Calcit enthält, dann ergibt sich für die kalkmörtelreiche Zusammensetzung, wie bei Probe Nr. 7, 495 g Ca(OH)2 und 505 g CaCO3, d. h. das Verhältnis von Ca(OH)2 zu CaCO3 ändert sich um -2 %. Wenn andererseits das CaCO3 im Kalk, der für die Aufbereitung der Kalkmörtelprobe verwendet wird, vom teilweise carbonisierten Kalk kommt, dann nimmt die ideale pMC Aktivität um etwa 1,6 % ab für 10 M.-% im teilweise carbonisierten Kalk. Das berechnete Anfangsmasseverhältnis von Ca(OH)2 zu CaCO3 nimmt um ca. 2,6 % ab. Die Ergebnisse der Röntgenkristallstrukturanalyse des Kalks, der für die Experimente verwendet wurde, bestätigen, dass er hauptsächlich aus Portlandit (Ca(OH)2) mit etwas Calcit (CaCO3) besteht, wie aus der chemischen Analyse des Rohmaterials vermutet wurde.

Der Einfluss von im Kalk vorhandenem Periklas, MgO, oder Brucit, Mg(OH)2, wurde nicht berücksichtigt, da diese Stoffe weder durch die TGA noch durch die Röntgenbeugung sowohl im Branntkalk (Bild 5) als auch im Löschkalk nachgewiesen werden konnten. Aus Gründen der Einfachheit könnte MgO als „inerte Verunreinigung“ zusammen mit anderen Oxiden, wie Fe2O3, Al2O3, SiO2, Alkalien und SO3 betrachtet werden, die von der chemischen Analyse bestimmt wurden. Wenn man einfach den tatsächlichen Masseanteil von Portlandit im Löschkalk p zuordnet und das tatsächliche Gewichtsprozent von CaCO3 im Zuschlagstoff c zuordnet, folgt, dass man (idealerweise) tatsächlich das wahre Verhältnis von Ca(OH)2 zu CaCO3 findet. Das Anfangsmassenverhältnis von Kalk zu Zuschlagstoff kann man erhalten, wenn die tatsächliche Reinheit bekannt ist und experimentell m(Ca(OH)2)/m(CaCO3) multipliziert mit c/p gefunden wird. In einem Fall wie dem unseren, in dem Kalkstein eine größere Reinheit aufweist als der daraus gewonnene Branntkalk, ist es wahrscheinlich, dass das experimentell gefundene Anfangsmassenverhältnis von Kalk zu Zuschlagstoff im Kalkmörtel mit einigen Prozent unterbewertet wird. Das Vorhandensein von organischen Verunreinigungen oder Zusätzen in den untersuchten Proben sollte nicht zu der gemessenen pMC Aktivität beitragen, denn das aus der Probe erhaltene CO2 ist nicht auf das Brennen der Probe, sondern auf Säureaufschluss zurückzuführen.

Die Fraktionierung des Kohlenstoffisotops in Kalkmörteln wurde von Pachiaudi et al. [3] untersucht. Die beobachtete Fraktionierung von Kohlenstoffisotopen unterschied sich bei Kalkproben und Quarzzuschlagstoffproben sowie bei Proben mit zahlreichen Rissen. Dennoch ist die Isotopenfraktionierung im Verlaufe der Diffusion von Spezies, die Kohlenstoff enthalten, durch den porösen Kalkmörtel theoretisch möglich. Da keine anderen Studien verfügbar sind, konnten wir jetzt das Ausmaß ihrer Bedeutung noch nicht bestimmen, oder ob sie überhaupt bedeutend ist (auf Grund der Genauigkeit der Bestimmung der Aktivität von 14C). Auch wenn es wahrscheinlich ist, dass es einen messbaren Effekt der Isotopenfraktionierung gibt, hängt das auch von der Rissbildung in Proben ab [3]. Das Verhältnis der Kohlenstoffisotope 14C/12C des Kalkmörtels könnte sich auch auf Grund periodischen Befeuchtens und Trocknens ändern (Regen, der aufgelöstes aggressives CO2 enthält). Ein weiteres Detail, das erwähnt werden sollte, ist die jahreszeitliche Veränderung des Verhältnisses der Kohlenstoffisotopen 14C/12C. In einer neueren Arbeit von Southon [11] werden Fragen zu Korrekturen der isotopischen Fraktionierung aufgeworfen. Auch die pMC Aktivität könnten sich wesentlich ändern, wenn die Carbonisation des Kalks beträchtlich beschleunigt wird durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe, wodurch die Luft mit 12CO2 angereichert wird.

 

5 Schlussfolgerungen

In der vorliegenden Arbeit wurden Kalkmörtel mit einer bekannten Zusammensetzung ca. 150 Tage gelagert und dann mit Hilfe der Röntgenkristallstrukturanalyse, der thermogravimetrischen Analyse und Aktivitätsmessungen des Kohlenstoffisotops 14C untersucht. Ziel war es, die Nützlichkeit der Analysen mit 14C zur Unterscheidung zwischen CaCO3 aus dem Zuschlagstoff und CaCO3 aus der Löschkalkcarbonisation zu klären. Die Ergebnisse der TGA konnten auf das Anfangsmasseverhältnis von Ca(OH)2 zu CaCO3 umgerechnet werden. Nur wenn man die tatsächliche Reinheit des Kalks und Zuschlagstoffs kennt, ist es möglich, das Anfangsmasseverhältnis von Löschkalk zu Zuschlagstoff entsprechend der „echten“ Anfangszusammensetzung zu berechnen. Weitere Einflüsse auf die Bestimmung der Anfangszusammensetzung von Kalkmörtel, wie das Vorhandensein von ungebranntem Kalkstein, die teilweise Kalkcarbonisation sowie das Vorhandensein von Magnesia und weiteren geringfügigen Oxiden, tragen dazu bei, das tatsächliche Verhältnis von Kalk zu Zuschlagstoff zu unterbewerten. Auf Besonderheiten der Fraktionierung von Kohlenstoffisotopen und der Austausch derselben wird hierbei nur kurz eingegangen, da dieses Thema noch weit mehr Untersuchungen benötigt. Wenn man die chemische Zusammensetzung der verwendeten Materialien zusammen mit dem Vorhandensein von CaCO3 im Löschkalk betrachtet, erscheint es sinnvoll, die vorgeschlagene Methode zur Bestimmung der Anfangszusammensetzung von Kalkmörtel den anderen Methoden der Untersuchungen von ausgehärteten Bindemitteln zur Seite zu stellen.

 

Danksagung

Die Autoren bedanken sich für die finanzielle Unterstützung durch das kroatische Ministerium für Wissenschaft, Bildung und Sport unter der Projekt Nr. 125-1252970‑2983 „Entwicklung eines Prozessmodells für die Hydratation“. Die Autoren danken auch J. Macan  für ihre sprachlichen Ratschläge sowie N. Ukrainczyk und I. Krajcar Bronic´ für die Diskussionen.

tab ZKG KOMBI Test

4,99 € / Woche* (Test!)

Es handelt sich hierbei um ein Testangebot. Es berechtigt zu keinem gültigen Abonnement und steht hier rein für Testläufe. Bitte diesem Prozess nicht folgen.

Es handelt sich hierbei um ein Testangebot. Es berechtigt zu keinem gültigen Abonnement und steht hier rein für Testläufe. Bitte diesem Prozess nicht folgen.

Jetzt wählen

tab ZKG KOMBI Study Test

2,49 € / Woche* (nicht gültig)

Es handelt sich hierbei um ein Testangebot. Es berechtigt zu keinem gültigen Abonnement und steht hier rein für Testläufe. Bitte diesem Prozess nicht folgen.

Es handelt sich hierbei um ein Testangebot. Es berechtigt zu keinem gültigen Abonnement und steht hier rein für Testläufe. Bitte diesem Prozess nicht folgen.

Jetzt wählen

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 05/2013

Bewertung von Rohstoffen für die industrielle Herstellung von Kalk

CIMPROGETTI S.p.A.

1 Einleitung Die in diesem Artikel aufgeführten Fallstudien bieten einen repräsentativen Überblick über die technischen Aktivitäten, die Cimprogetti S.p.A. weltweit in den letzten zehn Jahren...

mehr
Ausgabe 06-07/2009

Auswirkung des Kalksteingefüges auf die Gefügeentwicklung in Branntkalk

1 Einleitung Die Zeit für die Calcination eines Kalksteinstücks hängt von der Art des Kalksteins, den Abmessungen und den thermodynamischen Bedingungen der Calcination ab [1]. Verschiedene Werte...

mehr
Ausgabe 11/2011

Lösungskinetik chemisch reinen Branntkalks in Anwesenheit verschiedener Anionen

1 Einleitung Reiner Branntkalk (CaO) ist bei Raumtemperatur ein weißes, festes Material, das durch die thermische Zersetzung von Kalkstein (CaCO3) entsteht. Hinsichtlich der Menge von in der...

mehr
Ausgabe 09/2011

Wägetechnik in Europas größtem Kalkwerk

August Thyssen gründete im Jahr 1903 die Rheinische Kalksteinwerke GmbH. Seit 1999 gehört die Rheinkalk GmbH zu der belgischen Lhoist-Gruppe, die mehr als 90 Anlagen besitzt und der führende...

mehr
Ausgabe 06/2011

Erweiterung der Nasslöschkurven­auswertung zur Ermittlung reaktionsverzögerter Anteile im Branntkalk

1?Einleitung Die heutigen industriellen Anwendungen von Branntkalk verteilen sich auf eine Vielzahl von Prozessen und Einsatzgebieten, die eine Vielfalt von Produktanforderungen an die Qualität des...

mehr