Charakterisierung und technische Eigenschaften von CSA-Hochleistungsklinker

BUZZI UNICEM

Die im vorliegenden Artikel dargelegten Ergebnisse sind ein wesentlicher Teil der Forschungsarbeiten, die es Buzzi Unicem erlaubten, die Kommerzialisierung eines industriell hergestellten CSA-Zements zu erreichen.

Die Erkenntnis, dass Umweltschutz eine steigende gesellschaftliche Bedeutung hat, hat auch zur intensivierten Untersuchung innovativer und nachhaltigerer Baustoffe geführt. Die Erforschung von Aspekten der Nachhaltigkeit in der Bauindustrie ist gleichzeitig auch der Schlüssel zur Entwicklung innovativer Bindemittel. Ziel ist es, das Wissen und den Einsatz zementartiger Zusatzstoffe sowie alternativer Brennstoffe für den Brennprozess zu mehren. Die Entwicklung eines innovativen zementartigen Materials erfordert umfangreiche experimentelle Arbeiten, da alle Aspekte der industriellen Herstellung...
Die Erkenntnis, dass Umweltschutz eine steigende gesellschaftliche Bedeutung hat, hat auch zur intensivierten Untersuchung innovativer und nachhaltigerer Baustoffe geführt. Die Erforschung von Aspekten der Nachhaltigkeit in der Bauindustrie ist gleichzeitig auch der Schlüssel zur Entwicklung innovativer Bindemittel. Ziel ist es, das Wissen und den Einsatz zementartiger Zusatzstoffe sowie alternativer Brennstoffe für den Brennprozess zu mehren. Die Entwicklung eines innovativen zementartigen Materials erfordert umfangreiche experimentelle Arbeiten, da alle Aspekte der industriellen Herstellung des Bindemittels, die Charakterisierung seiner Hydratationsmerkmale, die Bewertung seiner physikalischen und mechanischen Leistungsfähigkeit, sein Langzeitverhalten sowie Fragen seiner Haltbarkeit berücksichtigt werden müssen. Dank einer Entwicklung, die schon vor einigen Jahren begonnen hatte, kommen jetzt neue Arten von Bindemitteln auf den Markt. Die meisten von ihnen sind noch wegen der Anforderungen der europäischen Standards auf Nischenanwendungen begrenzt. Es handelt sich dabei jedoch um einen fortlaufenden Prozess, der in den nächsten Jahrzehnten mit Sicherheit einen wichtigen Beitrag zu Innovationen in der Zement- und Betontechnik liefern wird.

1 Innovative Bindemittel auf CSA-Basis

Vor ein paar Jahren führte Buzzi Unicem offiziell ein innovatives anorganisches Bindemittel auf der Grundlage von Calciumsulfataluminat-Zement (CSA) auf dem Markt ein. Diese neue Kategorie von Bindemitteln [1, 2, 3] zeichnet sich durch herausragende mechanische Eigenschaften und auch sehr interessante Umweltaspekte aus.

Im vorliegenden Beitrag werden einige der interessantesten Aspekte der Forschungsarbeiten, die in den Forschungs- und Entwicklungslabors von Buzzi Unicem während der Entwicklung eines neuen Bindemittels auf der Basis von Calciumsulfataluminat durchgeführt wurden, vorgestellt. Insbesondere wird ein zweistufiger Ansatz beschrieben (Tabelle 1), der aus einer ersten Entwicklung im Labormaßstab und der folgenden Erprobung in einer Pilotanlage besteht. Dabei wird die Relevanz und Komplexität der gesamten Bewertung während der Entwicklung von innovativen Baustoffen demonstriert.

Für die anfänglichen Laboruntersuchungen wurden verschiedene Geräte, wie ein thermogravimetrisches Analysegerät (TG), ein Analysegerät mit Differentialscanning (DSC) und ein Röntgendiffraktometer (XRD), eingesetzt. Dann folgte eine Reihe von Produktionsversuchen in einem Pilotofen, wobei jeweils 50 kg eines halbindustriellen Klinkers eingesetzt wurden. Im vorliegenden Artikel werden die technischen Eigenschaften von sieben ausgewählten CSA-Klinkern beschrieben, die in dem Pilotofen bei unterschiedlichen Brenntemperaturen, SO3-Gehalten im Rohmehl und im Zement produziert wurden. Außerdem wurde die Beigabe von Zusatzstoffen untersucht. Für jede Probe folgte nach der Auswertung des Brennverhaltens eine TG/DSC-Analyse. Außerdem wurde das hergestellte Material einer XRD-Analyse unterzogen und die Druckfestigkeit der Mörtel wurde getestet.

Alle Proben von CSA-Klinker enthielten Calciumsulfat­aluminat (C4A3Sˉ) als Hauptkomponente zusammen mit Calciumsulfaten, Dicalciumsilikat (C2S), Tetracalcium­eisenaluminat (C4AF), Calciumsulfosilikat (C5S2Sˉ), Calciumaluminaten (C3A, CA, C12A7) und Calciumsilicium-aluminaten (C2AS, CAS2), CaO und MgO als Nebenphasen.

C4A3Sˉ ist die “hydraulische” Hauptphase von CSA-Zement und Hydraten, die mit Calciumsulfat reagiert, um Ettringit (Bild 1) nach folgender Reaktion [4] zu ergeben:

C4A3Sˉ + 2CSˉ + 38 H ➝ C6ASˉ3H32 + 2 AH3*⇥(1)

Alle Proben von CSA-Zement wurden durch Zugabe einer festgelegten Menge von Calciumsulfat zum gemahlenen Klinker aufbereitet, um die erforderliche Menge von SO3 zu erhalten, die zur Erzeugung von Ettringit (C6ASˉ3H32) nach Reaktion (1) benötigt wird.

2 Experimenteller Ansatz

Die Vorbrennversuche wurden mit der Zielstellung durchgeführt, die korrekte Rohmehlzusammensetzung, die thermodynamischen Eigenschaften und die richtigen Brenntemperaturen zu überprüfen. Das Rohmehl wurde dosiert, mit Wasser granuliert und in einem Laborofen bei 110 °C getrocknet. Die erzeugten Pellets wurden dann zerkleinert und in einem Ofen eines Analysengeräts vom Typ Mettler Toledo TGA/DSC-1 gebrannt. Um die Brannt­atmosphäre der des Pilotofens so nahe wie möglich anzugleichen, wurden alle TG-Versuche in einem Luftstrom durchgeführt (80 ml/min). Das Brennverfahren bestand aus einer ersten Aufheizphase von 20 °C/min bis zur gewünschten Endtemperatur. Dann folgte eine 10-minütige isotherme Hochtemperaturbehandlung. Der Klinker wurde in einem Luftstrom gekühlt.

Der zweite Versuchsansatz begann erst, nachdem die Versuche im Labor erfolgreich waren. Eine größere Menge von Rohmehl (wenigstens 50 kg) wurde in einer ­Pilotkugelmühle aufbereitet, um eine kleinere Teilchengröße (d95 < 120µm) zu erreichen. Das Rohmehlgemisch wurde dann in den Trichter des Pilotofens (Bild 2) aus­getragen und mit einer Schnecke zum Granulierteller (Ø = 0.7 m) (Bild 3) transportiert. Auf dem mit einem Wasserverteiler versehenen Granulierteller wurden etwa 15 % Wasser (auf das Rohmehlpulver bezogen) hinzugegeben, wodurch runde Pellets produziert wurden. Wenn die Pellets die ­gewünschte Teilchengröße erreicht hatten (Ø = 3–8 cm), fielen sie in den oberen Teil des Drehofens. Der Pilotdreh­ofen, der ursprünglich für die Produktion von Blähton konstruiert wurde, besteht aus einem Rohr (Länge = 6 m, Ø = 0.6 m), das mit feuerfestem Mate­rial ausgekleidet ist und eine Drehzahl von 1,5 U/min hat. Der Gasbrenner arbeitete mit CH4 als Hauptbrennstoff bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 15 m³/h. Damit konnte eine Brenntemperatur von ca. 1300 °C erreicht (Bild 4) und gehalten werden. Der Ofen war mit einem Luftkühlrost ausgestattet, womit der Klinker schnell gekühlt werden konnte und in etwa 5 Minuten eine Temperatur von 200 °C erreicht wurde. Die Rohmehlaufgabe war mit ca. 35 kg/h festgelegt worden. Die Klinkerpellets brauchten fast 70 Minuten, um durch den Ofen zu laufen und zum Kühlsystem zu gelangen. Die Qualitätskontrolle des im Pilotofen produzierten Klinkers wurde sorgfältig mit gepressten Pulverproben durchgeführt, die mit einem automatischen Granulierapparat vom Typ Polab APM (Polysius) hergestellt wurden. Sie wurden mit Hilfe einer Röntgenbeugung analysiert. Die Röntgenkristallstrukturanalyse (XRD-Analyse) wurde ca. alle 20 Minuten mit einem Bruker-D4 Endeavour mit einer Geometrie von u:u durchgeführt. Dieses Gerät war mit einer keramischen Röntgenröhre KFF (Strahlung Cu Ka) und einem LinxEye-Detektor ausgerüstet. Für den Nachweis der mineralischen Hauptphasen wurde das Programm EVA eingesetzt. Die halbquantitativen Analysen wurden nach der Rietveld-Methode verfeinert [5]. Dazu wurde das Paket Topas 2.0 verwendet (beide Programme sind kommerziell erhältlich bei Bruker AXS). Der Fokus der XRD-Analyse lag auf der Bewertung des Gehalts an freiem Kalk und C4A3Sˉ jeder einzelnen Probe. Die Eignung der Rietveld-Methode für die Charakterisierung von CSA-Zement wurde gut von Aranda et al. [6] nachgewiesen. Eine thermometrische Analyse gestattete die Temperaturkontrolle des Ofens und die Einstellung der Brennstoffzuführung, wenn erforderlich.

Für alle Arten von CSA-Rohmehl wurden Kalkstein, Bauxit, Ton und Gips als Rohmaterialien verwendet. In einigen Fällen wurde eine kleine Menge von Bauxit durch Ton ersetzt, um die Qualität der Granulierung zu verbessern. Wenn erforderlich, wurde auch eine kleine Menge Sand eingesetzt, um den Gehalt an SiO2 zu erhöhen.

Die chemischen Analysen der Rohmaterialien wurde mit Hilfe der Dispersionsröntgenfluoreszenz (XRF) durchgeführt. Dazu wurde ein Axios-Spektrometer von Panalytical mit Schmelztabletten verwendet. Die Proben wurden mit einem Breithländer Autofluxer aufbereitet, der 0,9 g der kalzinierten Probe (950 °C) mit Li-Tetraborat in einer Verdünnung von 1:10 mischte. Die Zusammensetzung wird in Tabelle 2 zusammengefasst.

Einige Formulierungen des Rohmehls (Tabelle 3) wurden mit dem Ziel entwickelt zu untersuchen, wie die Brenntemperatur, der Einsatz von Zusatzmitteln und der SO3-Gehalt sowohl die mineralogische Zusammensetzung des CSA-Klinkers als auch die mechanischen Eigenschaften des CSA-Zements beeinflussen können.

Dann wurde jede einzelne produzierte Klinkercharge in einer Labormühle 30 Minuten lang gemahlen. Eine Cilas-Lasergranulometer wurde für die Bewertung der Korngrößenverteilung eingesetzt. Alle Klinker hatten eine Größe von d95 < 90 µm. Zu jedem gemahlenen Klinker wurde Gips (5 %) hinzugefügt.

Die Wirkung der Menge des während des Klinkermahlens zugegebenen Gipses wurde ebenfalls bei zwei Klinkern (Klinker S3 und S5 mit hohem bzw. geringem SO3-Gehalt) durch den Zusatz einer größeren Menge von Gips bewertet. Die Mörteltests wurden nach EN 196-6 durchgeführt, während die Abbindezeit nach EN 196-3 mit Hilfe eines automatischen Vicat-Nadelgeräts gemessen wurde.

3 Ergebnisse

3.1 Wirkung der Brenntemperatur
Die Brenntemperatur ist einer der wichtigsten Faktoren, der während der Herstellung von CSA-Klinker zu berücksichtigen ist. Die optimalen Brennbedingungen werden normalerweise in einem sehr engen Temperaturbereich zwischen 1300 und 1330 °C erreicht. Eine Temperaturverlagerung von diesem Bereich zu höheren oder niedrigeren Temperaturen hin kann zur Bildung von C12A7 bzw. C5S2Sˉ führen. Außerdem kann eine falsche Dosierung der Rohmaterialien zusammen mit einer Temperaturabweichung zur Bildung von unerwünschtem C2AS zusammen mit einer Abreicherung von C4A3Sˉ nach folgenden Reaktionen führen:

6C4A3Sˉ ➝ 2C12A7 + 4A +6Sˉ⇥(2)
C4A3Sˉ + 2C2S ➝ C5S2Sˉ + C3A +2A⇥(3)
C4A3Sˉ + 3C2S ➝ 3C2AS + Sˉ +4C⇥(4)
Das TG/DSC-Diagramm in Bild 5 zeigt die Hauptübergänge während des Brennens eines typischen CSA-Mehls. Der Gewichtsverlust unterhalb von 200 °C ist auf zwei gesonderte endotherme Phänomene zurückzuführen, nämlich die Verdampfung des für die Granulierung des Mehls verwendeten Wassers und die Dehydratisierung von Gips. Die anderen beiden Gewichtsverluste bei ca. 320 °C und 850 °C entsprechen der Dehydratisierung von Bauxitaluminiumhydroxid bzw. der Kalzinierung von Calcit aus dem Kalkstein. Der Anstieg der Temperatur führte zum teilweisen Schmelzen der Probe, beginnend bei 1200 °C, was durch die breite endotherme Wirkung im DSC-Diagramm aufgezeigt wird. Das Schmelzen erlaubt einen besseren Kontakt zwischen den Mineralphasen und begünstigt die Reaktionen der Klinkerbildung. Andererseits beginnt bei der gleichen Temperatur die Entschwefelung der Sulfat­phasen, wie es im TG-Diagramm durch den Gewichtsverlust demonstriert wird. Eine geringere Menge von Sulfat führt zu einem geringeren Gehalt an C4A3Sˉ im Klinker.

Aus den obengenannten Gründen wird klar, dass die Brenntemperatur richtig kalibriert werden muss, um die Bildung der Schmelzphase bei einem minimalen Verlust von Sulfat zu ermöglichen. Die vorläufigen Beobachtungen aus der TG-Analyse wurden durch die Brennversuche im Pilotofen bestätigt. Bei einer niedrigen Temperatur war der Pilotofen sehr pulvrig und staubig, während die Pellets klebrig wurden, als die Temperatur 1200 °C bis 1250 °C ­erreichte. Bei 1270 °C erschienen die ersten geschmolzenen Materialien. Wenn die Temperatur 1300 °C überschritten hatte, bemerkte man einen beißenden Geruch von SO2 (aus dem Abbau von C4A3Sˉ). In Tabelle 4 ist die Veränderungen der mineralogischen Zusammensetzung des CSA-Klinkers bei unterschiedlichen Brenntempera­turen zusammengestellt.

Die Zusammensetzung von CSA-Klinker ändert sich komplett, wenn die Brenntemperatur von 1170 °C auf 1350 °C steigt. Bei einer niedrigen Temperatur ist neben dem dominanten Vorkommen von C4A3Sˉ und CSˉ das Auftreten von C5S2Sˉ deutlich sichtbar, das mit zunehmender Temperatur verschwindet, was dann zur Bildung von C2S und CSˉ führt. Bei einer höheren Temperatur beginnt die Bildung von C12A7 als Ergebnis des Abbaus von C4A3Sˉ.

Die Untersuchung der Schüttdichte des Klinkers nach UNI 7549 (Schüttdichte von Leichtzuschlagstoffen) liefert wichtige Informationen, die für die Klassifizierung des CSA-Klinkers nützlich sind. Bei einer niedrigen Temperatur werden die Proben durch eine geringe ­Schüttdichte charakterisiert und danach durch eine hohe Porosität infolge der unvollständigen Klinkerbildung. Andererseits führt der Abbau von C4A3Sˉ bei einer hohen  Temperatur zur Bildung von Hohlräumen auf Grund der Verdampfung von SO3.

Die Brenntemperatur des Klinkers hat auch einen starken Einfluss auf die mechanische Leistungsfähigkeit des entsprechenden Zements. Tabelle 5 zeigt die Ergebnisse der Tests, die mit Mörteln nach der EN 196-1 durchgeführt wurden. Dabei wurde jeder CSA-Klinker mit einer festgelegten Menge an Gips gemischt. Wenn man berücksichtigt, dass alle Proben beachtliche Mengen an restlichem Anhydrit aus dem Brennprozess enthalten, werden 5% Gips als ausreichend für die komplette Hydratation von C4A3Sˉ eingeschätzt [6]. Die Ergebnisse der Mörteltests zeigen, dass der bei einer geringeren Temperatur (1170 °C) gebrannte Klinker eine kürzere Zeit der Bearbeitbarkeit und eine schnellere Festigkeitsentwicklung aufweist als der bei einer hohen Temperatur gebrannte Klinker, d.h. der Letztere ist durch eine langsamere Geschwindigkeit der Festigkeitsentwicklung gekennzeichnet.

3.2 Wirkung des Sulfatgehalts
Der SO3-Gehalt des Rohgemisches ist ebenfalls ein relevanter Parameter, der berücksichtigt werden muss, wenn man die Dosierung des Rohmehls für die Produktion von CSA-Klinker festlegt. Der SO3-Gehalt kann den Prozess der Produktion von CSA-Klinker beeinträchtigen, wie auch die mineralogische Zusammensetzung des Klinkers und die mechanische Leistungsfähigkeit des CSA-Zements.

Die Röntgenbeugungsdiagramme zeigen, dass CSA-Klinker mit einem hohen SO3-Gehalt durch einen Überschuss an Anhydrit charakterisiert ist, der als signifikante Spitze auf der rechten Seite der Hauptspitze von C4A3Sˉ erscheint (Bild 6). Die TG/DSC Untersuchungen (Bilder 7 und 8) zeigten, dass die Menge von SO3 den Klinkerbildungsprozess und die Schmelztemperatur nicht wesentlich beeinträchtigt. Die thermogravimetrischen Kurven sind bezüglich der Wärmeentwicklung bei unterschiedlichen Temperaturen sehr ähnlich.

Hinsichtlich der mechanischen Leistungsfähigkeit ist der CSA-Klinker mit einem geringen SO3-Gehalt in einem frühen Stadium reaktionsfreudiger (Tabelle 6). Er ent­wickelt jedoch keine langfristige hohe Festigkeit, wenn nicht eine größere Menge an Sulfat dem gemahlenen Klinker hinzugefügt wird, d.h. CSA-Klinker mit einem hohen SO3-Gehalt weist in einem späten Stadium eine hohe Festigkeitsentwicklung auf, da die benötigten Mengen an Sulfat komplett verfügbar sind, die eine vollständige Reaktion von C4A3Sˉ ermöglichen. Weiterhin zeigen sowohl CSA-Klinker mit einem hohen SO3-Gehalt als auch CSA-Zemente mit einer großen Menge an Gips eine verzögerte Hydratation und eine sehr langsame Festigkeitsentwicklung in einer frühen Phase. Rohmehl mit einem hohen SO3-Gehalt ist definitiv empfindlicher, da während des Brennprozesses ein höheres Risiko der unerwünschten Ringbildung im Pilotofen besteht.

3.3 Wirkung von Zusatzmitteln
Es ist gut bekannt, dass verschiedene Mineralisatoren, wie z. B. B2O3 und CaF2, eingesetzt werden können, um die Bedingungen des Klinkerbrennens zu verbessern [6, 8]. Außerdem wurde der Zusatz geringer Mengen von Zusatzmitteln, wie P2O5, CaF2 und andere Substanzen, von verschiedenen Forschern vorgeschlagen, um die hydraulische Aktivität von C2S and C4A3Sˉ zu verstärken [9].

P2O5 und CaF2 führen zu beachtlichen Veränderungen der mineralogischen Eigenschaften von CSA-Klinker, speziell hinsichtlich der Stabilisierung von C2S und der Bildung von Fluorspezies, wie z.B. Fluorellestadit (C9S3S3CFˉ) und Fluoroaluminat (C11A7CFˉ).

Bild 9 zeigt die Hauptunterschiede im Röntgenbeugungsdiagramm eines Referenz-CSA und von zwei CSA-Klinkern, die mit dem Zusatz von 0,6 % P2O5 und 0,9 % CaF2 zum Rohmehl (S6 bzw. S7) produziert wurden. Die Bildung der kristallographischen Modifikation a’-C2S anstelle des üblicheren ß-C2S wird in der Probe des CSA-Klinkers beobachtet, dem P2O5 zugefügt wurde, während Fluorellestadit als Folge folgender Reaktion im Beisein von CaF2 gebildet wird.

3C2S + CFˉ + 3CSˉ ➝ C9S33CFˉ⇥(5)

Bei einem Vergleich der TG/DSC Diagramme eines CSA-Rohmehls als Referenz und der zwei Rohmehlsorten mit Zusätzen wird sichtbar, dass die Gegenwart von Fremdionen zur frühen Bildung der Schmelzphase führen. Das wird besonders deutlich für die Fluor enthaltende Formulierung, wobei die endotherme Wirkung zusammen mit dem Schmelzen bereits unterhalb von 1150 °C beginnt. Andererseits beginnt sogar der Sulfatverlust bei einer niedrigeren Temperatur.

Der gleiche Effekt wurde während des Brennversuchs im Pilotofen beobachtet. Der Schmelzpunkt des CSA-Klinkers mit dem Zusatzstoff CaF2 trat bei einer geringeren Temperatur ein als beim Referenzklinker.

Trotz der Bildung eines Klinkers mit beachtlich unterschiedlichen mineralogischen Phasen im Vergleich zum Referenzklinker zeigten die mechanischen Festigkeiten und der Test zur Abbindezeit (Tabelle 7), dass die Zugabe von Zusatzmitteln keine wesentlichen Vorteile mit sich bringt. Das ist wahrscheinlich auf die zwei modifizierten Phasen a’-C2S und Fluorellestadit zurückzuführen, die in keinem Hydratationsprozess eingebunden sind.

4 Schlussfolgerungen

Der vorliegende Artikel präsentiert einige Ergebnisse bezüglich der Entwicklung eines Bindemittels auf der Basis von CSA-Zement in einem Pilotdrehofen. Die Brennbedingungen des Klinkers, die Zusammensetzung des Rohgemischs und die Verwendung von Zusatzmitteln sind Größen, die den Prozess der Klinkerproduktion sowie die Reaktivität des hergestellten Klinkers stark beeinflussen können. Die niedrige Brenntemperatur im Ofen ermöglicht die Herstellung eines hochreaktiven CSA-Klinkers. Es ist jedoch schwierig, wegen einer sehr staubigen Umgebung diese Bedingungen dauerhaft im Produktionsprozess aufrechtzuerhalten. Bei einer hohen Brenntemperatur im Ofen wird ein weniger reaktiver CSA-Klinker erzeugt. Die Betriebsbedingungen hinsichtlich der Stabilität des Produktionsprozesses sind jedoch erschwinglicher. Bei einer hohen Brenntemperatur muss auch das potentielle Risiko eines SO3-Verlusts auf Grund des Abbaus von C4A3Sˉ berücksichtigt werden. Das kann zur Änderung der SO3-Bilanz des Klinkers führen und erfordert offensichtlich den Einsatz eines SO3-Auffangsystems.

Die Produktion von CSA-Klinker mit dem Zusatz von Fremdionen, wie F und P, scheint die Entwicklung der mechanischen Festigkeit und die Reaktivität des CSA-Zements nicht zu beeinträchtigen. Es sind jedoch einige vorteilhafte Wirkungen während des Produk­tionsprozesses zu bemerken, wenn CaF2 verwendet wird: die Klebrigkeit im Ofen wird reduziert, und der Mineralisierungseffekt gestattet die Absenkung der optimalen Brenntemperatur.

Als Abschlussbemerkung seien die Ergebnisse einer Langzeituntersuchung zur Zusammensetzung S1 gezeigt, die während der ersten Brennversuchsreihe als reaktivste und interessanteste bezüglich der mineralogischen Zusammensetzung erschien. Die Druckfestigkeit des Klinkers S1 wurde bis zu einem Alter von 8 Jahren verlängert bei einer Formulierung, die auch mit einem Wasserreduktionsmittel arbeitete. Der Test wurde durchgeführt, um die Stabilität dieses besonderen Klinkers im Wasser nachzuweisen, der durch eine ungewöhnliche Mineralogie und eine sehr niedrige Brenntemperatur (1170 °C) charakterisiert wird. Die Ergebnisse sind in Tabelle 8 enthalten, die eine hervorragende Leistungsstärke und lange Stabilität zeigt.

Der Einsatz des Pilotofens ist ein außergewöhnliches Werkzeug für die Erprobung und Entwicklung von innovativen Baustoffen im vorindustriellen Maßstab. Die im vorliegenden Artikel dargelegten Ergebnisse sind ein wesentlicher Teil der Forschungsarbeiten, die es Buzzi Unicem erlaubten, die Kommerzialisierung eines industriell hergestellten CSA-Zements zu erreichen. Jetzt geht der Schwerpunkt der Forschung bei CSA-Bindemitteln mehr in Richtung der Hydratationseigenschaften [10] und der Dauerhaftigkeit der Leistung [11] solcher Binde­mittel.

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