Die Prüfverfahren der EN 459
Zusammenfassung: Zusammen mit der europäischen Baukalknorm EN 459-1 ist im September 2010 auch die EN 459-2 veröffentlicht worden. Dieser Normteil beschreibt die chemischen und physikalischen Prüfverfahren für Baukalk und wurde vollständig überarbeitet. Die Bestimmungen dieser Norm basieren auf umfangreichen Untersuchungen und orientieren sich an den bestehenden und neuen Produktklassen.
1 Einleitung
Produktanforderungen bedingen Prüfverfahren, deren Leistungsmerkmale so gestaltet sein müssen, dass die zu prüfenden Eigenschaften mit Werten belegt sind, die zweifelsfrei den Nachweis der Konformität von Produkten mit den Bestimmungen der zugrunde liegenden technischen Regel erlauben. Daher sind Prüfverfahren auf die entsprechenden Produkte auszulegen und es ist nicht immer möglich, bereits genormte Analysen- oder Prüfverfahren für eine bestimmte Produktgruppe auf eine andere zu übertragen.
Als in den 1990er Jahren die Baukalknorm EN 459-1 erarbeitet wurde, richtete sich bei der...
1 Einleitung
Produktanforderungen bedingen Prüfverfahren, deren Leistungsmerkmale so gestaltet sein müssen, dass die zu prüfenden Eigenschaften mit Werten belegt sind, die zweifelsfrei den Nachweis der Konformität von Produkten mit den Bestimmungen der zugrunde liegenden technischen Regel erlauben. Daher sind Prüfverfahren auf die entsprechenden Produkte auszulegen und es ist nicht immer möglich, bereits genormte Analysen- oder Prüfverfahren für eine bestimmte Produktgruppe auf eine andere zu übertragen.
Als in den 1990er Jahren die Baukalknorm EN 459-1 erarbeitet wurde, richtete sich bei der Frage der Prüfverfahren für Baukalk der Blick auf die in der Reihe der EN 196 zu normenden Verfahren. In der 1995 schließlich verabschiedeten Fassung der EN 459-2 wurde bei den chemischen Analysenverfahren und bei den physikalischen Prüfungen vielfach auf diese Normenreihe verwiesen.
Bei der Überarbeitung der EN 459-1 (siehe Teil 1 dieser Veröffentlichung in ZKG 5/2011, S. 76) hat die Arbeitsgruppe CEN TC 51/WG 11 die Task Group TG 1 mit der Aufgabe betraut, die Prüfverfahren entsprechend den Neuerungen im Teil 1 zu überarbeiten. Die Arbeit dieser Gruppe wurde durch weitere Experten aus Industrie und Forschung unterstützt.
Folgende Aufgaben sind dabei hervorzuheben:
– die Norm sollte eine neue Struktur erhalten,
– neue Prüfverfahren waren zu entwickeln,
– alle Prüfverfahren sollten in der Norm beschrieben werden und schließlich
– sollten die Verfahren durch Ringversuche statistisch abgesichert werden.
Die Ringversuche wurden vom europäischen Kalkverband EuLA in Brüssel finanziert, die Vorbereitung sowie die Auswertung erfolgten im IKM (Institut für Kalk- und Mörtelforschung e.V.) in Köln. Die Ergebnisse hatten maßgeblichen Anteil an der Erarbeitung der Baukalknorm EN 459-1. Der Verfasser möchte sich an dieser Stelle bei allen Beteiligten herzlich für ihren Einsatz und ihre Beteiligung bedanken und ganz besonders den damaligen Vorsitzenden des Standardisation Committee bei der EuLA, Willem Berbers, hervorheben, der diese Zeilen leider nicht mehr lesen kann.
2 Analysen- oder Prüfverfahren?
Bei Analysenverfahren handelt es sich im Allgemeinen um die quantitative Bestimmung eines chemischen Parameters. Dabei wird bei chemischen Analysenverfahren die zu untersuchende Probe in Lösung gebracht und die zu bestimmenden Parameter werden durch klassische Verfahren, wie z.B. Fällung oder Titration, oder mittels moderner Analysentechniken, wie z.B. die Atomabsorption oder Atomemission, quantifiziert. Daneben hat sich in den Laboren der Industrie vornehmlich die Röntgenfluoreszenztechnik (XRF) etabliert, mittels derer ein Pulverpressling oder eine Schmelztablette mit zuvor erstellten Kalibriergeraden verglichen wird.
Der Begriff „Prüfverfahren“ wird zum einen ganz allgemein verwendet und subsummiert chemische und physikalische Methoden, er beinhaltet aber ganz speziell die Prüfung einer „Eigenschaft“, die spezifischer Festlegungen hinsichtlich der Prüfbedingungen bedarf. Insofern ist die Bestimmung des verfügbaren Kalkanteils in Kalkprodukten zwar ein chemisches Verfahren, der Parameter ist jedoch als eine Eigenschaft zu betrachten, die unter Beachtung der Bedingungen des Prüfverfahrens zu bewerten ist.
Unter ähnlichen Gesichtspunkten sind physikalische Prüfverfahren zu betrachten. Bezogen auf Kalkprodukte sind hier insbesondere die Verfahren zur Bestimmung der Reaktivität sowie die Prüfung der Druckfestigkeit zu nennen. Die Reaktivität eines gebrannten Kalkes mit Wasser hängt neben den stoffspezifischen Eigenschaften von der Feinheit, den zur Prüfung eingesetzten Mengen und dem Reaktionsgefäß ab. Die Druckfestigkeitsprüfung wird vornehmlich von den stoffspezifischen Eigenschaften, dem Wasser-Bindemittelwert und der Lagerung der Prismen beeinflusst.
Die zuvor genannten Faktoren sowie die Verfahren selbst wirken zum einen auf das Prüfergebnis ein und bedingen zum anderen dessen statistische Bewertung. Diese Bewertung wurde für die meisten Verfahren in europäischen Ringversuchen vorgenommen, an denen sowohl die Mitglieder der TG 1 als auch eine Vielzahl von weiteren Laboren der Kalkindustrie teilgenommen haben.
3 Die neue Struktur der EN 459-2
Bei Beginn der Überarbeitung der EN 459-2 wurde festgelegt, dass diese Norm insbesondere bei den physikalischen Methoden neu gestaltet werden sollte und alle Verfahren in diesem Normteil beschrieben werden, so dass nur die Verweisung auf die EN 196-1 bei der Druckfestigkeitsprüfung (Bild 1) hinsichtlich der verwendeten Geräte erhalten bleibt. Die chemischen Analysenverfahren wurden um die Bestimmung von CaO, MgO, CO2 gravimetrisch, Glühverlust und verfügbarer Kalk erweitert. Für einige Verfahren bildete die EN 12485 die Grundlage. Diese europäische Norm ist 2001 eingeführt worden und beschreibt die Prüfverfahren für Kalkprodukte, die in der Trinkwasseraufbereitung Anwendung finden.
Bei den physikalischen Prüfungen wurden die Siebmethoden und die Bestimmung der Erstarrungszeiten ergänzt sowie die Prüfung der Druckfestigkeit hinsichtlich der unterschiedlichen Kalkprodukte erweitert. Die Struktur bei den physikalischen Prüfverfahren ist in Tabelle 1 erläutert.
4 Die Prüfverfahren
Bekanntlich unterliegt ein Prüfergebnis verschiedenen Einflussfaktoren. Die Prüfung beginnt bereits bei der Probenahme, setzt sich über die Probenbehandlung und Probenvorbereitung fort, wird dann einem Messverfahren unterworfen, welches in der Regel einen Zahlenwert liefert und endet schließlich in der Bewertung dieser Zahl. Die Bewertung an sich hat wiederum zwei Aspekte: die Plausibilitätskontrolle und den Vergleich mit dem entsprechenden Anforderungswert in der EN 459-1.
Die Handhabung der Proben vor der Messung sind in Abschnitt 3 der Norm beschrieben, die in diesem Abschnitt enthaltene Tabelle beschreibt zusätzlich die Probenvorbereitung für jede einzelne Prüfung. Weitere allgemeine Prüfanforderungen sind in Abschnitt 4 enthalten.
Entsprechend den Festlegungen im Anwendungsbereich beschreibt die EN 459-2 Referenzprüfverfahren und in einigen Fällen Alternativprüfverfahren, die als gleichwertig angesehen werden können, wobei im Streitfall das Referenzverfahren maßgebend ist. Kommen in der täglichen Laborpraxis andere Verfahren zur Anwendung, so sind diese gegen die Referenzverfahren oder gegen international anerkannte Referenzmaterialien zu kalibrieren, um ihre Eignung nachzuweisen. Diese Eignung ist bei den chemischen Methoden für alle klassischen und spektrometrischen Analysentechniken in Ringversuchen überprüft worden. In der TG 1 bestand von Anfang an Einigkeit darüber, dass in der Norm die klassischen Verfahren beschrieben werden sollten, da diese in jedem Falle Anwendung finden können.
Für die chemischen Analyse von Calcium und Magnesium stehen mehrere Verfahren und Verfahrensvarianten zur Verfügung. Die gebräuchlichsten sind dabei die komplexometrische Bestimmung, die spektrometrischen Verfahren AAS und ICP-OES sowie die Röntgenfluoreszenzmethode XRF. Bei der komplexometrischen Methode kommen Komplexbildner wie EDTA, EGTA und DCTA zum Einsatz, die Endpunktsbestimmung der Titration erfolgt mit Hilfe von Farbindikatoren oder potentiometrisch. Alle diese aufgeführten Verfahren gelten als gleichwertig, da ihre Eignung in Ringversuchen nachgewiesen wurde.
Die EN 459-2 beschreibt die komplexometrische Bestimmung von Calcium und Magnesium mittels EDTA. Dabei wird zunächst Calcium bestimmt und anschließend die Summe aus Calcium und Magnesium. Der Magnesiumgehalt wird als Differenz beider Messwerte ausgegeben. Die zu untersuchende Probe wird zuvor mit Salzsäure in Lösung gebracht (Aufmacherbild). Der Schmelzaufschluss mit Lithiumtetraborat ist ein weiteres gebräuchliches Verfahren.
Die bisherigen Normverfahren bleiben erhalten. Die gravimetrische Bestimmung nach EN 196‑2 wird jetzt in der EN 459-2 beschrieben und behält den Status des Referenzverfahrens. Bei dieser Methode wird das CO2 mittels Säure freigesetzt und in einem Gasstrom durch hintereinander geschaltete Absorptionsrohre geleitet. Der Gehalt an CO2 wird durch Wägung bestimmt.
Beim volumetrischen Verfahren wird CO2 ebenfalls mittels Säure freigesetzt und in eine Messbürette mit Sperrflüssigkeit eingeleitet. Aus dem durch das Gas verdrängten Volumen der Flüssigkeit kann der Gehalt an CO2 in der Probe unter Einbeziehung von Luftdruck und Temperatur berechnet werden.
Die Gleichwertigkeit beider Verfahren ist im Zuge der ersten Erarbeitung der Baukalknorm bereits 1989 in umfangreichen Untersuchungen im IKM nachgewiesen worden. Als nichtgenormtes Alternativverfahren ist die Bestimmung mittels Infrarotspektroskopie nach Vorbehandlung der Probe in einem Verbrennungsofen zulässig.
Die in einer Kalkprobe vorliegenden Sulfatverbindungen werden in Salzsäure gelöst. Bei einem pH-Wert von 1 bis 1,5 wird der Sulfatgehalt gravimetrisch nach Fällung von schwerlöslichem Bariumsulfat mit einer Bariumchloridlösung in der Siedehitze ermittelt. Diese Bestimmung kann alternativ mit der ICP-OES oder mit der XRF erfolgen.
Mit dem Glühverlust bei 1050 °C (Bild 2) wird die Summe aus freiem Wasser (nicht bei gebrannten Produkten), CO2-Gehalt und Hydratwasser bestimmt. Dieser Wert ist bei Hydraten und Kalken mit hydraulischen Eigenschaften für die Umrechnung der gemessenen Werte von CaO, MgO, SO3 und CO2 auf die wasser- und hydratwasserfreie Substanz erforderlich, um die Werte mit den in EN 459-1 enthaltenen Anforderungswerten vergleichen zu können (siehe 4.6 in EN 459-2). Bei Kalkmilch und Kalkteig ist vor der Bestimmung des Glühverlustes der Massenanteil an freiem Wasser in der Suspension zu bestimmen.
Beim Erhitzen einer Probe von Kalkhydrat oder Kalk mit hydraulischen Eigenschaften auf (105 ± 5) °C oder von Kalkmilch oder Kalkteig auf (150 ± 5) °C wird das freie Wasser ausgetrieben. Bei Suspensionen ist vor der der Entnahme einer Messprobe durch Schütteln des Probengefäßes zu homogenisieren. Als Laborgeräte können ein Trockenschrank oder eine automatische Feuchtewaage dienen. Es ist bei allen Arbeitsschritten darauf zu achten, eine Aufnahme von Kohlenstoffdioxid und Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft zu verhindern.
Die Einführung des neuen Parameters „verfügbarer Kalk“ in der EN 459-1 machte ein abgestimmtes Prüfverfahren für diesen Parameter erforderlich. Die EN 459-2:2001 beschrieb ein Prüfverfahren für die Bestimmung des Anteils an freiem Kalk von Luftkalk und ein Verfahren für die Bestimmung des Anteils an freiem Kalk von hydraulischem Kalk. Bei ersterem Verfahren wird der freie (nicht gebundene) Kalk (Calciumoxid und Calciumhydroxid) in einer Saccharoselösung gelöst und nach Filtration mit Salzsäure gegen Phenolphthalein titriert. Bei zweiterem wird der nicht gebundene freie Kalk (Calciumoxid und Calciumhydroxid) mit Ethylacetoacetat extrahiert und im Extrakt mit Salzsäure gegen Bromphenolblau titriert. Dieses Verfahren weist zwei wesentliche Nachteile auf: die Verwendung von organischen Lösungsmitteln und es ist auf Weißkalk nicht anwendbar. Somit wurde in der TG 1 die Idee verfolgt, ein Verfahren für alle Kalke, in denen der Anteil an verfügbarem Kalk nachzuweisen ist, zu beschreiben. In zwei europäischen Ringversuchen wurden daher alle Kalktypen den bis dahin gängigen Verfahren für den verfügbaren oder freien Kalkanteil unterworfen (siehe Abschnitt 5).
Das jetzt in der EN 459-2:2010 beschriebene Verfahren umfasst alle Erkenntnisse aus diesen Arbeiten und dient zur Bestimmung des verfügbaren Kalkanteils
– in Weißkalk in Form von ungelöschtem Kalk und Kalkhydrat;
– in Weißkalk in Form von Kalkmilch und Kalkteig (in der Trockensubstanz) und
– in allen Arten von Kalk mit hydraulischen Eigenschaften.
Mit diesem Verfahren wird ein Massenanteil des Kalkes beschrieben, der in einer wässrigen Suspension mit Zucker eine Säure-/Base-Reaktion zu einem Calciumsaccharatkomplex eingeht, der anschließend unter definierten Bedingungen mit Salzsäure titriert werden kann. Dieses Verfahren erfasst diejenigen Bestandteile der Kalkprobe, die unter den Bedingungen dieses spezifischen Verfahrens die Reaktion eingehen. Dementsprechend ist die Auswertung der mit diesem Verfahren erzielten Ergebnisse vorzunehmen.
Das Verfahren ist in folgende Schritte gegliedert:
– Ungelöschter Kalk wird in Wasser eingelöscht und dispergiert. Um ein Vergrießen des Calciumoxids beim Ablöschen zu vermeiden, das zu unvollständigem Suspendieren einer Probe ungelöschten Kalks führen kann, müssen solche Kalke erhitzt werden.
– Alle anderen Kalke werden bei Raumtemperatur in Wasser eingerührt und mit Zucker versetzt.
– Die suspendierten Proben von Kalk mit hydraulischen Eigenschaften sind vor der Titration zu filtrieren.
– Die Bestimmung erfolgt durch Titration mit Salzsäure gegen Phenolphthalein als Indikator. Die Titriergeschwindigkeit ist vorgegeben. Dies und der pH-Wert von ca. 9,6 am Umschlagspunkt stellen sicher, dass keine weiteren Bestandteile die Reaktion eingehen.
Bei Hydraten und Kalken mit hydraulischen Eigenschaften wird wie bisher die Luftstrahlsiebung zur Bestimmung der Siebrückstände auf den Siebböden 0,2 mm und 0,09 mm angewendet. Bei ungelöschtem Kalk ist nun zusätzlich die Bestimmung der Korngrößenverteilung auf 5 Sieben erforderlich. Die Siebe mit den Öffnungsweiten 10 mm, 5 mm und 2 mm sind von Hand oder mechanisch zu schütteln, das Material in der Auffangschale wird durch Luftstrahlsiebung gesiebt. Das Ergebnis der Prüfung ist dabei als Siebdurchgang anzugeben. In Anhang A der EN 459-2 findet sich ein Beispiel für ein Datenblatt zur Eintragung der einzelnen Werte und zur Ermittlung der Ergebnisse.
Aufgrund der unterschiedlichen chemischen und physikalischen Eigenschaften von Baukalken ist es nicht möglich, die Raumbeständigkeit mit einem Verfahren allein zu bestimmen. Daher kommen folgende Verfahren zur Anwendung:
– Die Tablettenmethode als Referenzverfahren und das Verfahren nach LeChatelier für Kalkhydrat und Kalk mit hydraulischen Eigenschaften.
– Die Lagerung im Wärmeschrank für ungelöschten Kalk und Dolomitkalk sowie für Dolomitkalkhydrat.
– Die Kaltwasserlagerung für HL mit einem Massenanteil an SO3 bis zu 7 %.
– Der Wasserdampftest im Gipsbett für die zusätzliche Prüfung auf hartgebrannte Spritzkörner.
Das Verfahren nach Vicat erfordert zunächst die Herstellung eines Baukalkleims von Normsteife aus Bindemittel und Wasser. Ein Baukalkleim von Normsteife weist einen bestimmten Widerstand gegen das Eindringen eines Normtauchstabes auf. Die Ermittlung der zur Erzielung der Normsteife erforderlichen Wassermenge erfolgt anhand mehrerer Eindringversuche an Baukalkleimen mit unterschiedlich hohem Wassergehalt. Als Erstarrungszeit gilt der Zeitraum, nach dem eine Nadel bis zu einer bestimmten Tiefe in einen Baukalkleim von Normsteife eingedrungen ist.
Ungelöschter Kalk ist auf Reaktionsfähigkeit beim Löschen durch Messung der bei ihrer Umsetzung mit Wasser einsetzenden Temperaturerhöhung in Abhängigkeit von der Reaktionsdauer (Nasslöschkurve) zu prüfen. Die Prüfung ist an Material mit einer Feinheit von ≤ 0,2 mm durchzuführen. Wenn 100 % des zu prüfenden Materials durch das 5 mm Sieb durchgehen, kann das Produkt alternativ im Anlieferungszustand geprüft werden. Die Prüfapparatur, die Durchführung der Messung sowie Beispiele für die Auswertung sind ausführlich beschrieben.
Das beim Löschprozess mit einem möglichst kleinen Wasserüberschuss erzielbare Breivolumen eines Kalkteiges wird nach definierter Einsumpfdauer in einem ausführlich beschriebenen Löschgefäß bestimmt. Die verbrauchte Wassermenge, angegeben in Litern je 10 kg Kalk, entspricht der Ergiebigkeit.
Diese Prüfungen umfassen das Ausbreitmaß, das Eindringmaß, den Luftgehalt sowie das Wasserrückhaltevermögen. Die gerätetechnischen Voraussetzungen sind die gleichen wie schon in der EN 459-2:2001. Es ist ein Normmörtel aus einem Teil Kalk und drei Teilen CEN-Normensand nach dem in EN 196-1 beschriebenen Verfahren zu mischen, mit der Ausnahme, dass sich der Wassergehalt nach der erforderlichen Konsistenz, wie in Tabelle 2 beschrieben, richten muss. Wenn das geforderte Ausbreitmaß (Bild 3 a-f) mit der gewählten Menge Wasser nicht erreicht wird, ist mit einem neuen Ansatz mit veränderter Wassermenge die richtige Wassermenge zu bestimmen.
Der Wert für das Ausbreitmaß wurde entsprechend der Tabelle 2 für einige Kalkprodukte dahingehend modifiziert, dass diese Prüfung an einem Mörtel mit einer praxisgerechten Konsistenz erfolgt. Weitergehende Untersuchungen haben gezeigt, dass das geänderte Ausbreitmaß keinen wesentlichen Einfluss auf die übrigen mit diesem Mörtel zu prüfenden Parameter hat.
Nach Herstellung des Normmörtels wird das Eindringmaß mit dem Steifemessgerät ermittelt. Als Wasserrückhaltevermögen wird der Wasseranteil definiert, der nach kurzzeitigem Wasserentzug durch ein Filterpapier im Frischmörtel verbleibt. Der Luftgehalt des Frischmörtels wird nach dem Druckausgleichsverfahren ermittelt.
Die Druckfestigkeit ist an Kalken mit hydraulischen Eigenschaften nach dem Verfahren in EN 196-1 zu prüfen. Unterschiedliche Schüttdichten verbunden mit unterschiedlichen Gehalten an Ca(OH)2 bedingen diese entsprechenden Anpassungen, die in der EN 459-2:2001 für die damals genormten Produkte bereits vorgenommen wurden. In der EN 459-1:2010 sind mit der Gruppe der formulierten Kalke (FL) jedoch Produkte genormt, die sich durch einen höheren Gehalt an Calciumhydroxid auszeichnen und somit sind bei der Druckfestigkeitsprüfung weitergehende Anpassungen hinsichtlich der Lagerungsbedingungen der Prismen erforderlich geworden. Bis zur Prüfung der Druckfestigkeit können die entformten Prüfkörper der Produkte NHL 2, FL 2 und FL 3,5 mit den Zeittoleranzen nach EN 196‑1 bei einer gleichbleibenden Temperatur von (20 ± 1) °C und einer relativen Luftfeuchte von nicht weniger als 60 % gelagert werden. Dies steht in Einklang mit der EN 1015-11, die für Luftkalkmörtel eine Erhärtung durch Carbonatisierung vorsieht. Diese Lagerungsvariante, für die eine Anreicherung des atmosphärischem Kohlenstoffdioxids selbstverständlich nicht erlaubt ist, ist als Alternativverfahren zu verstehen. Die Lagerung kann auch, wie für alle anderen Kalke mit hydraulischen Eigenschaften, bei einer relativen Luftfeuchte von mindestens 90 % erfolgen.
5 Ringversuche
Die TG 1 hat im Laufe der Überarbeitung der EN 459-2 folgende europäische Ringversuche durchgeführt:
– Überprüfung von Verfahren zur Bestimmung des verfügbaren Kalkanteils in allen Baukalktypen
– Überprüfung des festgelegten Verfahrens zur Bestimmung des verfügbaren Kalkanteils in ungelöschten Kalken
– Reaktionsfähigkeit und Luftstrahlsiebung von verschiedenen ungelöschten Kalken
– Chemische Parameter in ungelöschtem Kalk und in Kalkhydraten
– Physikalische Prüfverfahren mit FL und NHL
Für die einzelnen Ringversuche wurden Probenmaterialien von den Herstellern an das IKM in Köln geschickt, das die Probenteilung, den Versand und die Auswertung der Ergebnisse vornahm. Die statistische Bewertung erfolgte nach den Vorgaben der Norm ISO 5725. Die statistischen Parameter sind in den Tabellen B.1 und B.2 im Anhang B der Norm aufgeführt.
Der erste Ringversuch zur Bestimmung des verfügbaren Kalkes wurde mit drei Prüfmethoden durchgeführt:
– Zuckermethode nach EN 459-2:2001
– Titrationsmethode nach EN 12485:2001 und
– „available lime index“ nach ASTM C25.
Alle drei Methoden differieren beträchtlich in ihrem jeweiligen Zweck und ihrer jeweiligen Durchführung. Infolge der Ergebnisse dieses Ringversuchs wurde die zu normende Methode festgelegt und in einem weiteren Ringversuch geprüft. Es wurden zusätzlich Vergleichsversuche für Kalk mit hydraulischen Eigenschaften durchgeführt, um die Vergleichbarkeit der in EN 459-2:2001 festgelegten Methode für den verfügbaren Kalk mit der neuen Methode zu überprüfen.
Ein weiterer Ringversuch hatte zum Ziel, für die bereits in der EN 459-2:2001 festgelegten Prüfmethoden für die Reaktionsfähigkeit an unterschiedlichen Feinkalktypen sowie für die Luftstrahlsiebung die statistischen Kennzahlen zu ermitteln.
Der Ringversuch „chemische Parameter“ hatte zum Ziel, alle gängigen Prüfverfahren zur Anwendung zu bringen und die Ergebnisse miteinander zu vergleichen. Dabei wurde deutlich, dass die modernen Analysentechniken AAS, ICP-OES oder XRF untereinander und mit klassischen Methoden sehr gut übereinstimmen.
Während der Überarbeitung der EN 459-1 wurde deutlich, dass insbesondere mit der Aufnahme der neuen Produktgruppe formulierte Kalke in die Norm sowie einem größerem Umfang an NHL-Produkten den physikalischen Prüfverfahren größere Aufmerksamkeit zu schenken ist. Die Prüfverfahren der EN 459-2:2001-10 basierten vielfach auf den Prüfmethoden für Zement nach der EN 196-er Reihe. Die TG 1 hat daher jedes Verfahren hinsichtlich seiner Anwendbarkeit auf die einzelnen Produkte geprüft und entsprechend modifiziert. In einem weiteren europäischen Ringversuch wurden die Prüfmethoden statistisch erfasst und beurteilt. Die Ergebnisse sind in die Methodenbeschreibungen eingegangen.
6 Ausblick
Der Zweck von Prüfverfahren liegt darin, Anforderungswerte nachweisen, aber auch darin, Eigenschaften beschreiben zu können. Vielleicht ist es in Zukunft möglich, zahlenbasierte Anforderungen durch eigenschaftsbasierte zu ersetzen. Zudem gibt es für verschiedene Anwendungsbereiche von Kalk Prüfverfahren, die noch nicht in ein Normenwerk eingeführt sind. In den nächsten Jahren werden auch weitere Untersuchungen zu Baukalken durchgeführt werden, deren Ergebnisse sicherlich die weitere Entwicklung der Prüfverfahren beeinflussen werden.
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