Untersuchung von Gast-Ionen-Aufnahme
in Portlandzement – Teil 2
instrument centre for solid-state nmr spectroscopy, aarhus university/denmark
Mittels Festkörper-NMR-Spektroskopie lässt sich die Aufnahme von Gast-Ionen bei Nebenbestandteilen in den Klinkerphasen von Portlandzementen identifizieren. Teil 2 des Artikels zeigt weitere Beispiele möglicher Element-Charakterisierungen.
4 Aluminium- und Schwefel-Gast-Ionen in Alit und Belit
4 Aluminium- und Schwefel-Gast-Ionen in Alit und Belit
Ein mögliches Vorgehen zur Erhöhung des Reaktionsgrades des Kalksteins – wodurch ein größerer Anteil des Zementes effektiv ausgetauscht werden kann – ist die Erhöhung des für die Reaktion mit dem Kalkstein verfügbaren Aluminiumanteils. Aluminium, welches in Calciumsilikat-Phasen als Gast-Ion vorliegt, wird langsam während der Hydratation gelöst und erfordert keine zusätzliche Gipszugabe – im Gegensatz zu einer Erhöhung des anfänglichen Tricalciumaluminatgehaltes (Ca3Al2O6). Die Aufnahme von Aluminium in den Calciumsilikat-Phasen kann durch die Zugabe von Calciumsulfat gefördert werden, entsprechend dem Austauschmechanismus von Si4+-Ionen durch Al3+ und S6+ (3Si4+ → S6+ + 2Al3+) in den Tetraederlücken. Herfort hat gezeigt, dass der SO3-Gehalt in den Calciumsilikat Phasen mit ansteigendem SO3/K2O-Verhältnis zunimmt und dass oberhalb des notwendigen Bildungsverhältnisses für Anhydrit (CaSO4) der SO3-Gehalt in den Calciumsilikat-Phasen konstant ist [24].
Eine Reihe Portlandzementklinker wurde mit konstanten Al2O3- (4,74 Gew %) und SO3- (4,0 Gew. %) -Gehalten bei variierenden SO3/K2O-Verhältnissen durch Variation der zugegebenen CaSO4- und K2SO4-Anteile hergestellt. Die 27Al-MAS-NMR-Spektren (14,1 T) dieser Klinker werden von den Zentralübergangs-Resonanzen bei 80 und 86 ppm dominiert, welche jeweils den Resonanzen für die Al3+-Gast-Ionen-Aufnahme in Alit und Belit entsprechen [10]. Für niedrige K2O-Gehalte, welche molaren Verhältnissen von 90 und 100 mol % CaSO4/(CaSO4 + K2SO4) entsprechen, wurde eine zusätzliche Resonanz bei ~72 ppm gemessen (Bild 7a).
Normalerweise sind 27Al-MAS-NMR-Spektren durch die Verbreiterung der Zentralübergangs-Resonanz, aufgrund der Quadrupolwechselwirkungen zweiter Ordnung, welche nur teilweise durch „magic-angle-spinning“ (MAS) reduziert werden, komplizierter zu interpretieren. Diese Linienverbreiterung kann in zweidimensionalen Mehrfach-Quanten-(MQ)-MAS-NMR-Experimenten, die eine isotrope Dimension (F1) beinhalten, in der die Quadrupol-Wechselwirkungen zweiter Ordnung nicht vorkommen, stark reduziert werden. Ein 27Al-MQ-MAS-NMR-Spektrum des Klinkers mit dem niedrigsten K2O-Gehalt, gemessen mit einer Triple-pulse-z-Filter-MQ-MAS-Radiofrequenz-(rf)-Puls-Sequenz [25], ist in Bild 8 dargestellt und zeigt deutlich die verschiedenen Resonanzen für Aluminium in tetragonaler Anordnung in der isotropen Dimension. Die einzelnen Peaks in der F1-Dimension werden durch Aufsummierung in der F2-Dimension weiter untersucht und sind als aufsummierte Teilspektren für die einzelnen Peaks in Bild 9 dargestellt.
Der Peak mit der höchsten Intensität bei d3Q ≈ -45 ppm in der isotropen Dimension des MQ-MAS-Spektrums zeigt eine relativ schmale Resonanz in der anisotropen F2-Dimension (Bild 9b) mit dem Schwerpunkt bei 82 ppm, was in Übereinstimmung ist mit berichteten Daten für die mittlere 27Al-chemische Verschiebung und Quadrupol-Kopplungsparameter für die Al3+-Gast-Ionen-Aufnahme in synthetischem Alit [10]. Darüber hinaus kann der deutliche Peak bei d3Q ≈ -54 ppm eindeutig den Al3+-Gast-Ionen im Belit zugeordnet werden. Diese Zuordnung ist durch die simulierte quadrupolare Spektrallinie gerechtfertigt (Bild 9e); simuliert unter Verwendung der 27Al-chemischen Verschiebung und der Quadrupol-Kopplungsparameter für die einzige tetragonale Anordnungen in b-Ca2SiO4 [10], welche starke Ähnlichkeit mit der gemessenen Linienform des Spektrums für diesen Peak in der F2-Dimension aufweist (Bild 9d).
Das MQ-MAS-Spektrum enthält außerdem einen kleinen Peak bei d3Q ≈ -50 ppm der dem F2-Spektrum in Bild 9c entspricht. Die Änderung in der isotropen Dimension (d3Q) stimmt überein mit den isotropen Dreifach-Quanten-Verschiebungen bei d3Q iso = -49,8 ppm und d3Q iso = -50,4 ppm. Diese wurden für Al(1)O4- und Al(2)O4-Anordnungen in Kristallgittern von Tricalciumaluminat (Ca3Al2O6) unter Verwendung von berichteten Daten für die 27Al-chemische Verschiebung und Quadrupolkopplungsparameter für synthetisches Tricalciumaluminat [26] berechnet. Deshalb schreiben wir die d3Q ≈ -50 ppm-Resonanz und das Teilspektrum aus Bild 9c der Anwesenheit einer kleinen Menge von Tricalciumaluminat in dem modifizierten Portlandzement zu.
Die isotrope Dimension in Bild 8 zeigt eine Anzahl sich überlagernder Peaks im Bereich d3Q ≈ -40 bis -45 ppm. Dieser Bereich entspricht dem F2-Teilspektrum in Bild 9a. Dieses Teilspektrum gibt die Zentralübergangs-Resonanz bei 72 ppm im Single-pulse-27Al-MAS-NMR-Spektrum (Bild 7a) wieder und kann als die sulfathaltige Calciumaluminatphase Ye’elimit (Ca4Al6O16S, Klein’s Phase [27]) identifiziert werden – durch Vergleich des 27Al-MAS-NMR-Spektrums mit einem ähnlichen Spektrum einer synthetischen Klein’s Phase (Bild 7b).
Die Kristallstruktur der Klein’s Phase [28] zeigt das Vorkommen von acht ausgeprägten tetragonalen Anordnungen für Aluminium im Kristallgitter. Vier dieser Anordnungen können im Bereich zwischen d3Q ≈ -40 und -45 ppm im 27Al-MQ-MAS-NMR-Spektrum der synthetischen Klein’s Phase nachgewiesen werden (ohne Bild). Aus diesem Grund werden die Peaks in diesem Bereich der F1-Dimension der MQ-MAS-Spektren (Bild 8) und in den dazugehörigen Summen (Bild 9a) auf überlagerte Resonanzen der acht AlO4-Anordnung in der Klein’s Phase zurückgeführt.
5 Phosphor in Portlandzementen
Die schmale Resonanz bei d(31P) = 1,0 ppm ist (PO4)3--Ionen zugeordnet, welche eindeutig an der (SiO4)4--Position in der Belit-Kristallstruktur (b-Ca2SiO4) aufgenommen werden, während die Resonanzen im Hintergrund des Bereiches zwischen 10 und -2 ppm den (PO4)3--Ionen zugeordnet werden, die in verschiedenen Si-Positionen des monoklinen MIII-Alits vorliegen. Diese Zuordnungen werden unterstützt durch die Ähnlichkeit der Spektrallinien des 31P-MAS-NMR-Spektrums und des 29Si-MAS-NMR-Spektrums für denselben Zement, der in einer früheren Untersuchung verwendet wurde [9]. Ergänzende Informationen können aus der Bestimmung der Spin-Gitter Relaxationszeiten (T1) in Inversion-Recovery (IR) 31P-MAS-NMR-Experimenten für die zwei Komponenten abgeleitet werden.
31P-IR-MAS-NMR-Spektren des weißen Portlandzementes sind in Bild 10b dargestellt und zeigen, dass der 31P-Peak bei 1,0 ppm signifikant längere Spin-Gitter-Relaxationszeiten aufweist ( = 2,0 s) als die Resonanzen (= 0,26 s), die den breiten Peak zwischen 10 und -2 ppm erzeugen. Diese Beobachtung unterstützt zusätzlich die Festlegung der 31P-Resonanzen als Phosphor-Gast-Ionen-Aufnahme in Belit und Alit, zumal ein ähnliches Verhalten für die 29Si-Spin-Gitter-Relaxationszeiten für Belit (= 8,2 s) und Alit (= 0,24 s) für IR-29Si-MAS-NMR-[9]-Experimente berichtet wurde. Zusätzlich wurde festgestellt, dass die 31P- (und 29Si-) Spin-Gitter-Relaxation einem „gestreckt exponentiellen“ Verhältnis folgt (anstelle eines einfachen exponentiellen Verhältnisses), was ein typisches Zeichen für die Spin-Relaxation durch paramagnetische Ionen ist (z. B. Fe3+-Gast-Ionen in Alit und Belit).
6 Bor Gast-Ionen in Belit
11B-MAS-NMR erlaubt die eindeutige Unterscheidung von trigonal und tetragonal angeordnetem Bor durch die chemische Verschiebung in den Bereichen zwischen 25-15 ppm und 8-0 ppm für BO3 und BO4-Einheiten. Die 11B-MAS-NMR-Spektren zeigen, dass ein Großteil der Bor-Ionen als trigonal-planare BO3-Einheiten (8–25 ppm) und nur ein sehr kleiner Anteil des Bors als tetragonale BO4-Einheiten (5,0 ppm) vorliegt. In den Belitproben kommen zwei verschiedene BO3-Anordnungen vor, von denen die relative Intensität der Resonanz für die niedrigere Frequenz mit höheren Borgehalten zunimmt. Die Simulationen der sich überlagernden quadrupolaren Resonanzlinien der zweiten Ordnung ergeben fast identische Quadrupolkopplungsparameter (CQ und hQ, Bild 11) und 11B-isotropische chemische Verschiebungen (diso) für die beiden BO3-Anordnungen. Dies zeigt, dass diese Positionen sehr ähnliche mikrostrukturelle Umgebungen aufweisen. B-O-Bindungslängen in Boraten sind etwas kleiner als Si-O-Bindungen in Silikaten, was – in Kombination mit der Beobachtung, das Bor hauptsächlich in trigonaler Anordnung vorliegt – darauf hinweist, dass B3+-Ionen die Si4+-Tetraederlücken nicht aufrechterhalten können und sich statt dessen BO3-Einheiten bilden. Diese Interpretation des Vorliegens trigonaler BO3-Anordnungen wird zusätzlich durch Berechnungen gemäß der Dichtefunktionaltheorie für Bor-substituiertes Belit in unserem Labor unterstützt [30].
7 Schlussfolgerungen und Ausblick
Zusätzlich zu den Kernspins, die in der vorgelegten Arbeit vorgestellt wurden, könnten sich zukünftige Arbeiten – unter Verwendung moderner NMR-Technologien und Kernspinresonanz-Spektrometern mit sehr hohen Feldstärken – mit 23Na, 25Mg, 33S und 39K-Gast-Ionen beschäftigen.
Danksagungen
tab ZKG KOMBI Test
Es handelt sich hierbei um ein Testangebot. Es berechtigt zu keinem gültigen Abonnement und steht hier rein für Testläufe. Bitte diesem Prozess nicht folgen.
Es handelt sich hierbei um ein Testangebot. Es berechtigt zu keinem gültigen Abonnement und steht hier rein für Testläufe. Bitte diesem Prozess nicht folgen.
tab ZKG KOMBI Study Test
Es handelt sich hierbei um ein Testangebot. Es berechtigt zu keinem gültigen Abonnement und steht hier rein für Testläufe. Bitte diesem Prozess nicht folgen.
Es handelt sich hierbei um ein Testangebot. Es berechtigt zu keinem gültigen Abonnement und steht hier rein für Testläufe. Bitte diesem Prozess nicht folgen.
