Staubförmige Güter mit Druckluft lockern,
mischen und transportieren

AERZENER MASCHINENFABRIK GMBH

Die Produktion staubförmiger Güter ist in der Regel ohne den Einsatz von Druckluft nicht möglich, da dieses Medium für wichtige Transport-, Auflockerungs- und/oder Homogenisierungsaufgaben unverzichtbar ist. Das gilt auch für die Herstellung von Zement.

1 Druckluft in der Zementindustrie

Ein gutes Beispiel für den vielfältigen Einsatz von Druckluft in der Zementindustrie bietet das Zementwerk in Karsdorf bei Leipzig, ein Unternehmen der weltweit tätigen Lafarge-Gruppe, wo Druckluft u. a. zum Lockern, Mischen und Transportieren staubförmiger Güter eingesetzt wird. In diesen Einsatzbereichen garantieren in Karsdorf über 50 Schraubenverdichter (Bild 1) und Drehkolbengebläse (Bild 2) der Aerzener Maschinenfabrik (Aerzen/Südniedersachsen) eine störungsfreie Produktion. Je vier große Schraubenverdichter und vier Drehkolbengebläse arbeiten in einer...

1 Druckluft in der Zementindustrie

Ein gutes Beispiel für den vielfältigen Einsatz von Druckluft in der Zementindustrie bietet das Zementwerk in Karsdorf bei Leipzig, ein Unternehmen der weltweit tätigen Lafarge-Gruppe, wo Druckluft u. a. zum Lockern, Mischen und Transportieren staubförmiger Güter eingesetzt wird. In diesen Einsatzbereichen garantieren in Karsdorf über 50 Schraubenverdichter (Bild 1) und Drehkolbengebläse (Bild 2) der Aerzener Maschinenfabrik (Aerzen/Südniedersachsen) eine störungsfreie Produktion. Je vier große Schraubenverdichter und vier Drehkolbengebläse arbeiten in einer großen Halle als zentrale Station (Bild 3). Die übrigen Anlagen wurden dezentral installiert.

Eines der Gebläse in der zentralen Station entstammt der neuen Baureihe „Delta Hybrid“ (Bild 4). In dieser Typenserie wurden erstmalig die Vorteile eines Drehkolbengebläses und eines Schraubenkompressors in einem neuen, überzeugenden Druckluftkonzept verbunden. Deshalb hat Aerzener für diesen neuen Typ den neuen Begriff „Drehkolbenverdichter“ geschaffen. Herausragende Eigenschaft aller Aggregate der neuen Baureihe „Delta Hybrid“ ist der erstmalig im Dauerbetrieb mögliche Höchstdruck bis 1,5bar.

2 Zementproduktion in Karsdorf

Die 1833 gegründete französische Lafarge-Gruppe belegt heute Spitzenpositionen in den drei Geschäftsbereichen Zement, Beton plus Zuschlagstoffe sowie Gips. Der Umsatz lag 2009 weltweit bei 15,9Mrd.€. In Deutschland zählt Lafarge mit einer jährlichen Produktionskapazität von 3,5Mio.t Zement zu den führenden Herstellern. In den neuen Bundesländern ist das Unternehmen mit seinem größten Werk in Karsdorf sogar Marktführer. Dieser Standort wurde in den 1990er Jahren von der Lafarge-Gruppe übernommen und für mehrere 100Mio.DM komplett modernisiert. Heute zählt das Werk zu den größten und modernsten Zementwerken von Lafarge in Mitteleuropa. In Karsdorf produzieren 230 Mitarbeiter eine umfangreiche Palette an Portland-, Portlandkomposit- und Hochofen-Zementen sowie Spezialbindemitteln. Die jährliche Produktionskapazität liegt bei 2,3Mio.t Zement.

Der für die Produktion von Zement erforderliche Rohstoff Kalk wird in Karsdorf im werkseigenen Tagebau in unmittelbarer Nachbarschaft zum Zementwerk gewonnen, im Kalksteinsilo zwischengelagert und zusammen mit weiteren Zuschlägen in der Rohmühle vermahlen. Anschließend gelangt das Material mit Hilfe von Druckluft in die Brennöfen. Diese werden u. a. mit Braunkohlenstaub befeuert, der mit Förderluft aus Aerzener Schraubenverdichtern transportiert wird, während Aerzener Drehkolbengebläse zur Erzeugung der Verbrennungsluft in den Öfen eingesetzt werden. Der herunter gekühlte Klinker wird anschließend je nach Einsatzzweck mit weiteren Zuschlägen vermischt und nach der Feinmahlung zu Zement überwiegend per Silo-Lkw abgefahren.

3 Lockern, mischen und transportieren

Nichts läuft in Karsdorf ohne Druckluft: Druckluft für den pneumatischen Rohmehltransport, aber auch zum Lockern und Mischen (Homogenisieren) in Silo-Anlagen. Diese Druckluft wird bedarfsabhängig entweder durch ölfrei verdichtende, luftgekühlte Aerzener Schraubenkompressoren (einsatzabhängiger Druckbereich 2,6 bis 3,3bar) oder durch ölfrei verdichtende, luftgekühlte ­Aerzener Drehkolbengebläse (Höchstdrücke 0,6 bis 0,8bar) erzeugt.

Bis zu einem Höchstdruck von 1bar waren in der Vergangenheit Drehkolbengebläse die idealen Druckluft-Erzeuger. Sie haben sich in diesem Druckbereich und in den unterschiedlichsten Einsatzbereichen – auch im Dauerlauf unter Extrembedingungen – seit Jahrzehnten in vielen Branchen als Erzeuger absolut ölfreier Druckluft hervorragend bewährt. Jedoch galt 1bar Höchstdruck für Drehkolbengebläse bisher als „Ende der Fahnenstange“. Im vielfach verlangten Druckbereich von 1bar bis 1,5bar musste man deshalb bisher notgedrungen ölfrei verdichtende Schraubenkompressoren einsetzen. Deshalb hat die Aerzener Maschinenfabrik, ein erfahrener Hersteller von Drehkolbengebläsen (seit 1868) und von Schraubenverdichtern (seit 1943), hier erfolgreich den Hebel angesetzt. Mit der Entwicklung der neuen Baureihe Delta Hybrid haben die Aerzener Konstrukteure ein völlig neues Druckluft-Erzeugungskonzept geschaffen. Mit den neuen Aggregaten der Baureihe kann Druckluft nicht nur für den bisher schon möglichen Bereich bis 1,0bar Höchstdruck, sondern erstmalig auch für den bisher schwierig abzudeckenden Druckbereich von 1,0 bis 1,5bar mit höchster Zuverlässigkeit und noch wirtschaftlicher erzeugt werden. Diese Anlagen wurden seit mehreren Jahren unter echten Praxisbedingungen getestet und zur Serienreife entwickelt. Ein Aggregat aus der Baureihe Delta Hybrid arbeitet seit Februar 2007 im Dauerbetrieb rund um die Uhr auch im Zementwerk in Karsdorf und hat sich dort auch unter den harten Bedingungen der Zementindustrie hervorragend bewährt.

Das Zementwerk in Karsdorf verfügt über drei Ofenlinien, wovon die werksintern mit Linie 3 und Linie 4 (Bild 5) bezeichneten Drehöfen z. Zt. aktiv sind. In dieser Produktionskette übernimmt die Druckluft zwei zentrale Aufgaben: Das Rohmehl wird in den Silo-Anlagen durch Druckluft pneumatisch aufgelockert und gleichmäßig verteilt (homogenisiert), über Dosieranlagen in Fördersysteme eingetragen und – ebenfalls pneumatisch – über Rohrleitungssysteme zu den Brennöfen transportiert. Die in allen Arbeitsbereichen erforderliche Druckluft wird durch luftgekühlte Anlagen der Aerzener Maschinenfabrik erzeugt, die in einer großen Halle gemeinsam aufgestellt sind:

Die Druckluft zur Auflockerung des Rohmehls im Vorratssilo und zur Homogenisierung wird von zwei im Dauerbetrieb arbeitenden Aerzener-Aggregaten geliefert – einem Drehkolbengebläse und einem Aggregat aus der neuen Baureihe „Delta Hybrid“. Ein drittes Gebläse steht als Redundanz, ein viertes Aggregat für andere Aufgaben zur Verfügung. Alle vier Aggregate arbeiten im Druckbereich von 0,6 bis 0,8bar.

Die Druckluft für den Rohmehl-Transport und eine erneute Homogenisierung produzieren vier große ölfrei verdichtende, luftgekühlte Aerzener Schraubenkompressoren des Typs VM 537 (Liefermenge je 96m3/min; bedarfsabhängiger Druckbereich 2,6 bis 3,3bar). Einer dieser Kompressoren liefert die Druckluft für den Transport, zwei Anlagen produzieren die Druckluft für die gleichmäßige Vermischung der Materialien (Homogenisierung), und ein vierter Kompressor wird als Redundanz vorgehalten. Die Geräte haben seit ihrer Inbetriebnahme 114 900 Betriebsstunden (Bh), 117 800Bh, 34 500Bh bzw. 38 400Bh gearbeitet (Stand Juni 2010).

4 Höhere Effizienz durch Drehzahlregelung

Alle Drehkolbengebläse und Schraubenverdichter arbeiten mit konstanter Drehzahl, dem aktuellen Stand der Technik bei der seinerzeitigen Inbetriebnahme. Inzwischen haben sich in vielen Bereichen drehzahlgeregelte Anlagen durchgesetzt, weil sie immer nur so viel Druckluft produzieren, wie aktuell benötigt wird. Deshalb arbeiten diese über Frequenzumrichter bedarfsabhängig geregelten Anlagen in vielen Einsatzfällen mit einer noch höheren Energieeffizienz als Anlagen mit fester Drehzahl. Für Günther Schlimm (Bild 6), Gruppenleiter Technische Versorgungsanlagen im Werk Karsdorf, steht fest, „dass wir deshalb bei einer Investitionsentscheidung für neue Aerzener Gebläse und Verdichter in jedem Einzelfall sehr sorgfältig prüfen werden, ob wir einer drehzahlgeregelten Anlage oder einer Anlage mit konstanter Drehzahl den Vorzug geben sollen.“

Zuerst bot die Aerzener Maschinenfabrik dem Zementwerk in Karsdorf ein Aggregat aus der neu entwickelten Baureihe „Delta Hybrid“ zu Testzwecken an. Für eine möglichst hohe Auslastung wurde dieses Gerät sofort in eine Ofenlinie integriert, wo im Havariefall die Versorgung auf ein Redundanz-Aggregat umgerüstet werden konnte. „Dieses neue Versuchsgebläse ist seit seiner Inbetriebnahme vor mehr als drei Jahren absolut problemlos im Dauerbetrieb aktiv und liefert Druckluft mit einem Höchstdruck von 0,8bar“, berichtet Günther Schlimm. Bis zu diesem Zeitpunkt arbeiteten drei der vier vorhandenen Aerzener Drehkolbengebläse zur Auflockerung und Homogenisierung des im Silo befindlichen Rohmehls nach folgendem Schema:

Jeweils ein Gebläse war einer der zwei Ofenlinien fest zugeordnet und lieferte die in diesem Bereich benötigte Druckluft zur Auflockerung und Homogenisierung des im Silo befindlichen Zementmehls. Das dritte Aggregat wurde als Reserve vorgehalten und konnte bei Bedarf sowohl die Ofenlinie 3 als auch die Ofenlinie 4 versorgen. Dieses Konzept gilt zwar im Prinzip noch heute, allerdings wurde mit der Inbetriebnahme des neuen „Delta Hybrid“-Gebläses im Februar 2007 das alte Hauptaggregat einer Ofenlinie sofort vom Netz genommen.

5 Neue Baureihe für verschiedene Leistungsbereiche

Bei den „Delta Hybrid“-Aggregaten (Bild 3) handelt es sich um eine weltweit einmalige Neukonzeption der ­Aerzener Maschinenfabrik. Mit herkömmlichen Drehkolbengebläsen ließen sich bisher nur Drücke bis 1bar erzielen. Darüber mussten Schraubenkompressoren eingesetzt werden, die einstufig aber für deutlich höhere Drücke von 2 bzw. 3,5bar ausgelegt sind. Sie sind damit für sehr niedrige Drücke bauartbedingt „viel zu schade“ und deshalb in der Investition zu teuer. Alle Feldtest-Anlagen wurden über die Aerzener Fernüberwachung RAT detailliert und kontinuierlich überwacht.

Die neuen „Delta Hybrid“-Anlagen stehen in folgenden Leistungsbereichen zur Verfügung:

Volumenströme: 10 bis 70m3/min (600 bis 4200m3/h)

Einsatzbereiche: für Luft- Über- und Unterdruck

Druckbereich: 0 bis 1,5bar

Saugbereich: bis minus 0,7bar

Die neue Baureihe ist vergleichbar mit Turboverdichtern, bietet aber durch ihr maßgeschneidertes Konstruktionsprinzip gegenüber der Turbo-Technik die gravierenden Vorteile einer Drehkolbenmaschine:

besonders günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis deutlich unter den Investitions-, Energie- und Wartungskosten für einen vergleichbaren Turbo- oder Schraubenkompressor

gegenüber einem Turboverdichter nur unwesentliche Leistungsschwankungen auch bei unterschiedlichen Eingangstemperaturen (Sommer-/Winterbetrieb) oder bei Druckschwankungen

signifikant verbesserte Energieeffizienz durch Einsparungen bis zu 15 % gegenüber herkömmlichen Anlagen

niedrige Wartungs- und Servicekosten

robuste Lagerkonstruktion (Lebensdauer 60 000Bh auch bei maximaler Belastung)

niedrige Druckluft-Austrittstemperaturen dank her­vorragender thermischer Haushalte, kompakte Bauweise, Riemenantrieb, Riemenspannung durch Motorwippe, Side-by-Side-Aufstellung, Frontseitenbedienung, Ölkontrolle und Nachfüllen im Betrieb, niedriger Schallpegel, optionale Steuerung AS300 AERtronic, für Außenaufstellung geeignet

sehr hoher Regelbereich (25–100 %), einfach zu be­dienen und zu warten

Ein Wartungsvertrag wurde für die im Zementwerk Karsdorf installierten Aerzener Schraubenverdichter und Drehkolbengebläse nicht abgeschlossen. Laufende Wartungsarbeiten werden durch eigenes Personal durchgeführt. Lediglich umfangreichere Revisionen und Instandhaltungsarbeiten werden durch Mitarbeiter der Aerzener Service-Abteilung erledigt.

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