Smarte Feuerfestlösung für spannungsbelastete Drehöfen

Refratechnik cement gmbh

In einer Vielzahl von Einsätzen hat sich das Konzept eines chromerzfreien PERILEX® bestätigt, so dass ein neues, innovatives und zukunftssicheres basisches Produkt für die Zustellung von Zementdrehöfen zur Verfügung steht.

1 Einleitung

Die Verlängerung der Laufzeit eines feuerfesten Steines trägt wesentlich zur Effektivität von Zementofenanlagen und zum Schutz der Umwelt bei, da weniger feuerfestes Material produziert werden muss und zusätzlich Ofenstillstände im Zementwerk vermieden oder zumindest reduziert werden können mit entsprechender Senkung der spezifischen Energieverbräuche und auch der Emissionen [1].

So sank der spezifische basische Feuerfestverbrauch von 1,2kg/t Klinker im Jahr 1970 auf einen Wert von derzeit 0,72kg/t Klinker (Bild 1). Zu diesem sehr positiven Wert, selbst mit zunehmender Verwendung...

1 Einleitung

Die Verlängerung der Laufzeit eines feuerfesten Steines trägt wesentlich zur Effektivität von Zementofenanlagen und zum Schutz der Umwelt bei, da weniger feuerfestes Material produziert werden muss und zusätzlich Ofenstillstände im Zementwerk vermieden oder zumindest reduziert werden können mit entsprechender Senkung der spezifischen Energieverbräuche und auch der Emissionen [1].

So sank der spezifische basische Feuerfestverbrauch von 1,2kg/t Klinker im Jahr 1970 auf einen Wert von derzeit 0,72kg/t Klinker (Bild 1). Zu diesem sehr positiven Wert, selbst mit zunehmender Verwendung alternativer Brenn- und Rohstoffe, hat sicherlich in neuerer Zeit auch die Entwicklung der AF-Technologie durch die ­Refratechnik Cement GmbH beigetragen.

2 Einsatz therm­omechanisch

unempfindlicher Magnesiachromitsteine

Einen bereits in der Vergangenheit nicht unwesentlichen Anteil an diesem Trend hatte die Einführung der Steinsorte PERILEX®80 im Jahr 1967. Schon zu dieser Zeit war der Grundgedanke des Umweltschutzes derart verankert, dass man den bis dahin festgeschriebenen Gehalt an Chromoxid im Stein auf ca. 4 % halbierte. Die bis zu diesem Zeitpunkt verwendeten, sogenannten direktgebundenen Steine, deren Einsatzgebiet vornehmlich in der Stahlindustrie liegt, erwiesen sich für die dynamischen, durch die Ofendrehung hervorgerufenen mechanischen Spannungen als zu spröde. Dies äußerte sich in kürzeren Laufzeiten und einem vorzeitigen Abplatzen.

Der damals neu entwickelte PERILEX® 80 baut dagegen auf einem europäischen Magnesiasinter auf, dem durch ausgefeilte Brenntechnik und Einsatz speziell ausgesuchter Chromerze eine besonders elastische Art der direkten Brückenbindung zwischen Chromerz und Magnesiamatrix verliehen wurde (Bild 2).

Zusätzlich besitzt die verwendete Sintermagnesia eine effektive Kristallplastizität, so dass auftretende thermomechanische Spannungen durch das Drehofenmauerwerk nicht nur elastisch, sondern auch plastisch rissfrei abgebaut werden können. Die Ein­bindung grobkristalliner Periklase in eine Periklas-Magnesioferrit-Spinellmatrix zusammen mit der minimierten Menge an elastifizierendem Chromerz verleiht dem Stein ein ausgewogenes Gebrauchsverhältnis zwischen Temperaturwechselbeständigkeit, spannungsabbauendem Kriechverhalten und chemischer Resistenz. Diese herausragenden Eigenschaften [2] sorgten dafür, dass PERILEX® 80 häufig unter mechanischer und/oder thermomechanischer Belastung ein besseres Ergebnis als Magnesiaspinellsteinsorten erzielte.

Aufgrund seiner hervorragenden Eigenschaften wurden von PERILEX® 80 seit dem Jahr 1967 weit mehr als 2Mio. t hergestellt (>200MillionenSteine). In den Dimensionen der Zementindustrie ist das eine Ausmauerungsstrecke von 208km in einem Ofen mit 4,50m Durchmesser.

3 Grundlagen des

thermomechanischen Spannungsabbaus

Technisch ist ein Maß für den thermomechanischen Spannungsabbau der sogenannte Spannungsempfindlichkeitsindex SEI (stress sensitivity index SSI), der den Einfluss des Elastizitätsmoduls, der Wärmedehnung, der Zementofenovalitätsspannungen und der mechanischen Steinfestigkeit beschreibt (Bild 3) [3]. Je kleiner dieser Wert, desto höher ist das Spannungsaufnahmevermögen des Steines und damit der feuerfesten Ausmauerung. Bild 4 zeigt, dass die Steinsorte PERILEX® 80 aufgrund der speziellen Zusammensetzung und Herstellungstechnologie bereits einen ausgezeichneten Wert aufweist, der ansonsten nur von hochgezüchteten Magnesiaspinellsteinen erreicht werden kann.

Ein weiterer Faktor des zerstörungsfreien, thermomechanischen Spannungsabbaus ist das Fließen, im Labor simuliert durch die Methode des Druckfließens nach [4] (Bild 5). Dieses Verfahren dient zur Beurteilung der zeitlichen Verformung bei konstantem Druck und konstanter Temperatur über einen definierten Zeitraum, meist 25Stunden. Generell ist ein ausgewogenes Verhalten anzustreben, da ein zu geringes Druckfließen die thermomechanischen Spannungen nicht mindert und zu Abplatzungen führen kann, wenn die Steinelastizität nicht ausreichend ist. Ein zu hohes Druckfließen bei gleichzeitig niedriger Druckfeuerbeständigkeit (Druckerweichen) hält höheren thermischen Beanspruchungen nicht ausreichend stand. Generell ist ein hoher ta-Wert von ≥1550 °C der Druckfeuerbeständigkeit für den Einsatz basischer Steine in Zementdrehöfen notwendig.

Bild5 zeigt typische Kurven von Steinen mit niedrigem und mit erhöhtem Druckfließen. Für den thermomechanischen Spannungsabbau kennzeichnende Größen sind Dmax als maximale Dehnung des Steines und verantwortlich für die Höhe der sich ausbildenden Spannung, und Dmax-Z (25h) als Maß für den thermomechanischen Spannungsabbau.

4 Entwicklung und Eigenschaften

spannungsminimierender, chromerzfreier Steine

Die Gesamtheit der Eigenschaften zeigt das hervorragende Einsatzverhalten von PERILEX® 80. Obwohl dieser Stein bereits auch unter umwelttechnischen Gesichtspunkten durch Minimierung des Chromerzgehaltes entwickelt worden war, konnte ein chromerzfreier Stein auf derselben europäischen Rohstoffbasis wegen nicht ausreichender Feuerfestigkeit bis jetzt nicht umgesetzt werden.

Aufgrund neuer Rohstoffentwicklungen [5] [6] konnte das Konzept eines pleonastischen Spinells als Elastifizierer auch auf ein Produkt auf Basis eines eisenreichen Rohstoffes übertragen werden. Pleonastischer Spinell, also ein Spinell aus dem System MgO-Al2O3-FeOx, ist in seiner Zusammensetzung einem Chromerz verwandter als beispielsweise Magnesiumaluminiumspinell (Tab. 1). Das Chromoxid des Chromerzes wird durch die Oxide Al2O3, MgO und im geringeren Umfang auch durch Fe2O3 ersetzt.

Unter Anwendung der bewährten AF-Technologie konnte aus dem vom PERILEX® 80 bekannten verfügbaren eisenoxidhaltigen Magnesiasinter und dem synthetischen Rohstoff pleonastischer Schmelzspinell der thermomechanisch unempfindliche Stein PERILEX® CF entwickelt werden, der außergewöhnliche physika­lische Eigenschaften und eine hervorragende Temperaturwechselbeständigkeit aufweist. Gegenüber einem ­PE­RILEX® 80, mit seinen besonderen Einsatzeigenschaften, konnte die mechanische Festigkeit unter Beibehaltung der bewährten Feuerfestigkeit um mehr als 20 % erhöht werden (Bild 6).

Aufgrund einer signifikant niedrigeren Porosität von ca.13–15 % gegenüber einem Wert von 17–19 % bei Magnesiac­hromitsteinen wird, in Verbindung mit einer Senkung der Gasdurchlässigkeit von ca.4nPm auf 3nPm, sogar eine deutliche Erhöhung des Infiltrationswiderstandes um 25 % erreicht, ohne dass andere Eigenschaften beeinflusst werden.

Der Spannungsempfindlichkeitsindex und die Elastizität entsprechen denen des PERILEX® 80. Die für den thermomechanischen Spannungsabbau entscheidende Größe des Druckfließens bleibt erhalten, daher ist auch PERILEX® CF spannungsreduzierend und thermoplastisch (Bild 7). Die thermochemischen Vorteile des pleonastischen Spinells resultieren auch aus dem Gefügedesign (Bild 8).

Ein (MgO-freier) Hercynit kann mit der ihn umgebenden Matrix durch Diffusion von MgO und Eisenoxid interagieren [7], woraus lokale Porositäten und Gefügeinhomogenitäten resultieren, die einem Angriff durch Zementklinkerschmelze weniger Widerstand entgegensetzen. Im Gegensatz dazu werden derartige aktive Reaktionen mit dem MgO-haltigen, pleonastischen Spinell nicht beobachtet, so dass eine Korrosionsbeständigkeit auf hohem Niveau gegeben ist. Der pleonastische Spinell verhält sich dabei ähnlich wie der Magnesiumaluminiumspinell, der ebenfalls nicht signifikant mit seiner Umgebung interagiert.

Obwohl Magnesiachromitsteine technisch unbestritten nach wie vor Standarderzeugnisse für Zementöfen sind, hat ihre Bedeutung gegenüber spinellhaltigen Magnesiast­einen aus Umweltgründen signifikant abgenommen. In oxidierender Atmosphäre und in Gegenwart von Alkalioxiden, also Bedingungen, wie sie in Zementöfen vorherrschen können, kann es zu einer Zersetzung des Chromerzes unter Bildung von toxischem Alkalichromat kommen [8]. Neben der Umweltbelastung wird auch der Elastifizierer korrodiert, so dass die Steine zusätzlich verspröden können. Dieses Verhalten lässt sich gut im sogenannten Alkalitiegeltest nach [9] bei einer Temperatur von 1350 °C mit Kaliumcarbonat als Reagenz simulieren (Bild 9). Der Tiegel eines Magnesiachromitsteines zeigt an den Stellen, an denen das Chromerz vorlag, deutliche Löcher, bedingt durch den Abbau dieses Minerales. Die Folgen sind der Verlust der Steinelastizität und die Bildung von Chromat. Bei einem Tiegel aus dem chromerzfreien PERILEX® CF ist eine derartige Reaktion naturgemäß nicht zu beobachten, da er keine durch Alkalien korrodierbaren Minerale enthält.

Neben dem Vorteil des thermochemisch beständigen Pleonastes, der gegenüber Zementklinkerangriff stabiler als ein Hercynit ist [10], kommt zusätzlich der Nutzen eines eisenreichen Magnesiasinters zum Tragen, der eine größere Ansatzfreudigkeit als ein eisenarmer natürlicher oder synthetischer Magnesiasinter zeigt (Bild 10).

Das Ansatzverhalten von Magnesiapleonaststeinen auf Basis dieser Rohstoffe ist aufgrund der Gegenwart von pleonastischem Spinell, Magnesioferrit und auch Belit demjenigen von Magnesiahercynitsteinen oder sogar Magnesiachromitsteinen überlegen. Die Gegenwart hochviskoser Calciumferrit- und Calciumaluminatverbindungen aus Reaktionen zwischen Brenngut und Steinkomponenten fördert die Bildung von Ze­mentklin-keransatz auf der Feuerfestzustellung [6].

5 Zustellungsempfehlungen

Mit der Entwicklung von PERILEX® CF ist es gelungen, einen chromerzfreien Magnesia­stein auf Basis europäischer Rohstoffe herzustellen, der den Eigenschaften hochwertiger Magnesiachromit- und auch Magnesiaspinellsteinen nicht nur entspricht, sondern in thermomechanischer Sicht sogar überlegen ist (Bilder 7, 11).

PERILEX® CF zeigt eine hohe Beständigkeit gegenüber Alkalispalling, einen hohen Infiltrationswiderstand, eine niedrige Porosität, reduzierte Gasdurchlässigkeit, eine ausgezeichnete Gefügeelastizität und eine ausgeprägte Thermoplastizität, aus der eine niedrige mechanische Spannungsempfindlichkeit resultiert. PERILEX® CF eignet sich aufgrund dieser Eigenschaftskombination vornehmlich für die Zustellung der zentralen Brennzone und thermisch normal sowie thermomechanisch hoch belasteten oberen Übergangszonen (Bild 12).

6 Zusammenfassung

Magnesiachromitsteine des PERILEX® 80-Typs ­haben neue Maßstäbe hinsichtlich des Einsatzverhaltens – speziell unter thermomechanischer Belastung – in Zementdreh­öfen gesetzt. Obwohl diese Steinsorte bereits chromerzreduziert ist, ist die Bildung von Chromaten unter entsprechenden Bedingungen nicht auszuschließen. Mit PERILEX® CF steht nun ein Produkt zur Verfügung, das dieselben positiven thermomechanischen Eigenschaften wie PERILEX® 80 aufweist, jedoch ohne Einsatz von Chromerz. Zusätzliche Verbesserungen konnten durch die Erhöhung des Infiltrationswiderstandes, der Ansatzbildung und sogar des thermoplastischen Spannungsabbaus erzielt werden.

In einer Vielzahl von Einsätzen hat sich das Konzept des chromerzfreien PERILEX® bestätigt, so dass ein neues, innovatives und zukunftssicheres basisches Produkt für die Zustellung von Zementdrehöfen zur Verfügung steht.

tab ZKG KOMBI Test

4,99 € / Woche* (Test!)

Es handelt sich hierbei um ein Testangebot. Es berechtigt zu keinem gültigen Abonnement und steht hier rein für Testläufe. Bitte diesem Prozess nicht folgen.

Es handelt sich hierbei um ein Testangebot. Es berechtigt zu keinem gültigen Abonnement und steht hier rein für Testläufe. Bitte diesem Prozess nicht folgen.

Jetzt wählen

tab ZKG KOMBI Study Test

2,49 € / Woche* (nicht gültig)

Es handelt sich hierbei um ein Testangebot. Es berechtigt zu keinem gültigen Abonnement und steht hier rein für Testläufe. Bitte diesem Prozess nicht folgen.

Es handelt sich hierbei um ein Testangebot. Es berechtigt zu keinem gültigen Abonnement und steht hier rein für Testläufe. Bitte diesem Prozess nicht folgen.

Jetzt wählen

Thematisch passende Artikel:

Ausgabe 08/2012

Treffen der Zementindustrie

REFRA-Kolloquium 2012, Berlin/Germany (05.–08.06.2012)

Unter dem Motto „Treffpunkt der Zementindustrie“ versammelte sich vom 05.-08.06.2012 die Zementwelt zum REFRA-Kolloquium 2012 im Hotel Estrel in Berlin/Deutschland (Bild 1). Mit ca. 800...

mehr
Ausgabe 11/2012

Optimierung der Leistungsfähigkeit von ­basischen Feuerfeststeinen für Zementdrehöfen

Magnesita Refractories GmbH

1 Einleitung Die Zementindustrie der Welt befindet sich an einem Wende­punkt. Der Grad ihres Erfolges bei ihrer Anpassung an sich verändernde Zeiten wird ihre Zukunft bestimmen. Zu den...

mehr
Ausgabe 11/2012

Feuerfestzustellungen für verschiedene ­Einsatzbereiche

ANH Refractories

Zuverlässige Feuerfestlösungen spielen eine wichtige ­Rolle für eine höhere Effizienz im Zementherstellungsprozess. Leistungseinbußen der Ausmauerung können zu einem nicht geplanten...

mehr
Ausgabe 10/2011

Ersatzbrennstoffe in der Zementindustrie

Im Folgenden werden Konzepte vorgestellt, die auf der mechanischen, physischen und der thermischen Aufbereitung von Ersatzbrennstoffen beruhen. Mit zunehmendem internationalen Kostenwettbewerb steigt...

mehr
Ausgabe 7/8/2011

Kluger Energieeinsatz im Zementwerk

1?Einleitung Energieversorgung und Klimawandel sind zwei der wesentlichen Punkte, die unser tägliches Leben und unsere Zeit prägen. Wissenschaftler sind der Meinung, dass die zunehmende Nachfrage...

mehr