Einfluss einer Feuchte- und CO2-­ bedingten Zementalterung auf die Wirkung ­bauchemischer Zusatzmittel

technische Universität münchen

Zement kann während längerer Lagerung in feuchter Atmosphäre veränderte Eigenschaften zeigen. Es wird angenommen, dass diese Effekte auf die Aufnahme von Luftfeuchtigkeit sowie Carbonatisierung an der Zementkornoberfläche zurückzuführen sind.

1 Einleitung

Zement kann unter dem Einfluss von Feuchtigkeit sowohl während der Herstellung als auch dem Transport und der anschließenden Lagerung in Kontakt mit Luftfeuchtigkeit kommen und an der Oberfläche infolge Wassersorption geringfügig hydratisieren [1 – 4]. Dabei reagieren Wasser­dampf und ggfs. auch CO2 mit der Zementkornoberfläche. Die Oberflächenhydratation kann bereits bei der Herstellung im Zementwerk beginnen, z. B. als Folge der Entwässerung von Gips während des Mahlvorganges in der Zementmühle. Außerdem sprühen einige Zementhersteller bis zu 2 % Wasser in die Klinkermühle, um...

1 Einleitung

Zement kann unter dem Einfluss von Feuchtigkeit sowohl während der Herstellung als auch dem Transport und der anschließenden Lagerung in Kontakt mit Luftfeuchtigkeit kommen und an der Oberfläche infolge Wassersorption geringfügig hydratisieren [1 – 4]. Dabei reagieren Wasser­dampf und ggfs. auch CO2 mit der Zementkornoberfläche. Die Oberflächenhydratation kann bereits bei der Herstellung im Zementwerk beginnen, z. B. als Folge der Entwässerung von Gips während des Mahlvorganges in der Zementmühle. Außerdem sprühen einige Zementhersteller bis zu 2 % Wasser in die Klinkermühle, um die Temperatur des Mahlgutes unter 115 °C zu halten. Die Wasseraufnahme kann sich während der Lagerung eines frisch hergestellten Zements im Silo fortsetzen, da Gips bei erhöhter Temperatur (> 42 °C) weiter Kristallwasser freisetzt und somit für die Oberflächenhydratation zur Verfügung stellt. Bei Trockenmörteln besteht zudem die Möglichkeit, dass pulverförmige Zusatzmittel, die in der Regel eine Restfeuchte von bis zu 5 Gew. % aufweisen, Wasser an den Zement abgeben. In diesem Fall bildet sich eine lokale ringförmige Schicht von partiell hydratisiertem Zement um das Zusatzmittelkorn.

Frühere Untersuchungen zeigten, dass Oberflächenhydratation die Eigenschaften eines Zements bezüglich seines Rücksteifverhaltens und der Festigkeitsentwicklung erheblich verändern kann [5]. Dies gab Anlass, das Verhalten einzelner Zementbestandteile gegenüber Luftfeuchtigkeit zu studieren. Mit Hilfe einer Wasserdampfsorptionswaage wurden die Schwellenwerte an Luftfeuchtigkeit, ab denen Wassersorption auftritt, für alle Klinkerphasen, Sulfatträger sowie für Freikalk bestimmt [6]. Es zeigte sich, dass im Multikomponentensystem Zement die einzelnen Bestandteile sehr unterschiedliche Mengen an Wasserdampf sorbieren. Besonders hygroskopisch sind Freikalk und orthorhombisches C3A, welche bereits ab 14 % bzw. 55 % relativer Luftfeuchte Wasser aufnehmen. Bei kubischem C3A beginnt die Wasseraufnahme bei 80 % rel. Feuchte, während die Silikate (C3S, C2S) ab 63 und 64 % rel. Luftfeuchte sehr geringe Wassermengen sorbieren. Das Wasser wird von den Phasen sowohl chemisch als auch physikalisch aufgenommen. Mittels Photoelektronenspektroskopie konnte nachgewiesen werden, dass die chemische Sorption zur Bildung einer nur wenige Nanometer dicken Schicht an Hydratationsprodukten auf der Oberfläche dieser Phasen führt.

Somit wird deutlich, dass Zemente je nach Phasenzusammensetzung unterschiedliche Wasserdampfsorption erwarten lassen. Zemente mit hohen Gehalten an Freikalk, orthorhombischem C3A und b-CaSO4 · ½ H2O reagieren besonders empfindlich auf Feuchtigkeit. Während ihrer Lagerung ist erhöhte Sorgfalt anzuwenden.

Die Veränderungen auf der Zementkornoberfläche können die Wirkung von Zusatzmitteln beeinflussen. So stellte Winnefeld anhand rheologischer Messungen an Zementsuspensionen erhebliche Unterschiede in der Wirkung von Fließmitteln in frischem und gealtertem Zement fest [7].

Aufbauend auf diesen Einzelerkenntnissen sollte in dieser Studie ein breiteres Bild über den Einfluss der Vorhydratation auf die Wechselwirkung von Zement mit bauchemischen Zusatzmitteln erlangt werden. Als Expositionsbedingungen wurden 35 °C und 90 % rel. Luftfeuchtigkeit gewählt. Diese Bedingungen entsprechen zwar nicht einem mitteleuropäischen Klima, sie simulieren aber die Aufnahme beträchtlicher Feuchtemengen sowie die Einwirkung von CO2 über einen längeren Zeitraum und erlauben so eine Untersuchung im Zeitraffertempo. Als Zusatzmittel wurden drei Fließmittel (NSF, PCE und Casein), ein Wasserretentionsmittel (MHEC) und zwei Beschleuniger (Ca-Formiat sowie amorphes Al2O3) untersucht. Um Praxisrelevanz zu gewährleisten, wurden als Zusatzmittel ausschließlich kommerzielle Produkte eingesetzt.

 

2 Materialien und Methoden

2.1 Zement
Für die Untersuchungen wurde ein Portlandzement CEM I 52,5 N (Milke®, HeidelbergCement AG, Werk Geseke) der laufenden Produktion unmittelbar nach der Mühle entnommen. Die mineralogische Charakterisierung erfolgte mittels Röntgendiffraktometrie (Bruker D8 advance) und nachfolgender Rietveld-Quantifizierung (Topas 4.0 Software). Der Freikalkgehalt wurde nach Franke bestimmt. Die Messung der spezifischen Oberfläche erfolgte mittels N2-Adsorption (BET-Methode, NOVA 4000e, Quantachrome) und nach Blaine (EN 196-6). Die Ergebnisse sind in Tabelle 1 dargestellt. Eine rasterelektronenmikroskopische Betrachtung des frischen Zements zeigte keinerlei Hydratationsprodukte auf der Oberfläche.

Die Vorhydratation des Zements erfolgte in einer Klimakammer bei 35 ± 2 °C und 90 ± 3 % relativer Feuchtigkeit (r. F.) über 1 bzw. 3 Tage. Dazu wurde der Zement in einer 1 mm dicken Schicht auf einer Plexiglasplatte aufgetragen. Bei vorhydratisierten Zementproben wurden mittels Röntgenbeugung, Infrarotspektroskopie (FTIR-ATR, Vertex 70, Bruker Optics, Karlsruhe) und Thermogravimetrie (STA 409, Netsch Gerätebau, Selb; Temperaturintervall 30 – 900 °C, Aufheizrate 20 K/min unter synth. Luft) analysiert.

2.2 Zusatzmittel
Als Fließmittel wurden folgende drei kommerzielle Produkte eingesetzt: ein pulverförmiger Polycarboxylatether (PCE, Melflux® 2651 F) der Fa. BASF Construction Polymers GmbH, Trostberg; ein Naphthalinsulfonsäure-Formaldehyd-Polykondensat (NSF, Melcret® 500 F) der Fa. BASF Construction Polymers GmbH, Trostberg sowie ein Casein der Fa. Ardex GmbH, Witten.

Als Beschleuniger wurden Calciumformiat (Fa. ­Perstorp Specialty Chemicals AB, Perstorp) und amorphes Al2O3 (Gezedral® BZ 111 (BE), der Fa. BK Giulini, Ludwigshafen) getestet. Als Wasserretentionsmittel kam ­Methylcellulose (MHEC, Tylose® 149 MHB 10000 P2) der Fa. SE Tylose GmbH & Co KG, Wiesbaden zum Einsatz. Alle angegebenen Zusatzmitteldosierungen beziehen sich auf den Zementanteil in der Mischung.

 

2.3 Zementleimuntersuchungen
Alle Zementleime wurden mit einem Wasser/Zement – Wert (w/z – Wert) von 0,55 angemischt, was beim frischen Zement ein Ausbreitmass von 18 cm ergibt. Die Zusatzmittel wurden generell im Anmachwasser gelöst, außer Methylcellulose, welche trocken in den Zement eingemischt wurde. 

Die Oberflächenladung der Leime aus frischem bzw. vorhydratisiertem Zement wurde mittels Zeta – Potential­messung (DT 1200 der Fa. Dispersion Technology INC., Bedford Hills, USA) in destilliertem Wasser nach jeweils 4 bzw. 20 Minuten Hydratation ermittelt. Vor jeder Messung wurde der entsprechende Ionenhintergrund aufgenommen.

Die Prüfung der Dispergierwirkung der Fließmittel erfolgte nach modifizierter DIN EN 1015-3 mit Hilfe eines „Mini-Slump“ Tests unter Verwendung eines Vicat-Rings (Höhe: 2.5 cm, Innendurchmesser: 1,3 cm) [8]. Die Wirksamkeit der Methylcellulose wurde nach EN 495-2 anhand des Papiertuchtests bestimmt [9]. Die dabei ermittelten Wasserretentionswerte beziehen sich stets auf die Menge an Anmachwasser. Der Einfluss der Beschleuniger auf das Abbindeverhalten der gealterten Zementproben wurde wärmeflusskalorimetrisch verfolgt (Gerät der Fa. TAM Air Thermometric, Järfälla, Schweden). Die Messdauer betrug 45 h. Da die Zementproben außerhalb des Kalorimeters angemischt wurden, konnte der Initialpeak nicht erfasst werden.

 

3 Ergebnisse

3.1 Sorptionsverhalten des Zements
Bild 1 zeigt das Erscheinungsbild der feuchteexponierten Zementproben. Bereits nach 1 d Lagerung an feuchter Luft tritt Agglomeration und leichte Klumpenbildung ein. Nach 3tägiger Exposition sind aus dem Zementpulver großflächige Schuppen entstanden, die keinerlei Rieselfähigkeit mehr aufweisen – ein deutlicher Hinweis auf beträchtliche Wasseraufnahme. Die vorhydratisierten Zemente wurden vor den weiteren Untersuchungen in einem Achatmörser wieder auf die ursprüngliche Mahlfeinheit gebracht.

Bild 2 zeigt rasterelektronenmikroskopische Aufnahmen der Oberfläche des frischen und vorhydratisierten Zements. Die Aufnahmen belegen, dass die Oberfläche des frischen Zements keinerlei Hydratationsprodukte ausweist. Nach einem Tag Vorhydratation bei 90 % rel. Feuchte ist die Oberfläche jedoch bereits mit ersten ­Hydratationsprodukten (feinen Ettringitnadeln) bedeckt. Dadurch erhöht sich die spezifische Oberfläche des Zements von 0,33 m2/g auf 0,49 m2/g (Blaine). Nach drei Tagen Lagerung sind wesentlich zahlreichere, mehrere µm lange Ettringitkristalle auf der Zementkornober­fläche erkennbar. Die BET-Oberfläche des Zements steigt von 1,4 m2/g in frischem Zustand auf 2,3 m2/g nach 1 d Feuchteexposition und erreicht nach 3 Tagen Lagerung einen Wert von 4,1 m2/g.


Bild 3
zeigt Ausschnitte aus den FTIR-ATR-Spektren des frischen und vorhydratisierten Zements in den Bereichen 4000–2700 cm-1 und 1780–1210 cm-1. Der frische Zement weist nur eine schwache Wasserbande bei 3400 cm-1 auf, die auf den Gehalt an Gips und Halbhydrat zurückzuführen ist. Beim feuchtegelagerten Zement dagegen hat die Intensität der Wasserbande deutlich zugenommen. Außerdem war eine beachtliche Carbonatisierung des Zements, sichtbar an der Bande um 1420 cm-1, zu beobachten. Der frische Zement enthält dagegen nur eine geringe Menge an Carbonaten.

Die Wasserdampf- und CO2-Sorption am Zement lässt sich mit Hilfe von Thermogravimetrie quantifizieren (Bild 4). Der frische Zement weist einen nur geringen Massenverlust von insgesamt 2 Gew. % auf, der hauptsächlich auf Zersetzung von CaCO3 im Temperaturbereich von 650 bis 720 °C zurückzuführen ist. Die vorhydratisierten Proben zeigen wesentlich höhere Gewichtsverluste von 6,5 Gew. % (1 d Lagerung) bzw. 11,5 Gew. % (3 d Lagerung). Diese sind im unteren Temperaturbereich auf Wasserabgabe sowie zwischen 650 und 720 °C auf die Freisetzung von CO2 aus Carbonatisierungsprodukten zurückzuführen.


Bild 5
zeigt den Hydratationswärmefluss für frischen und vorhydratisierten Zement über einen Zeitraum von 2 Tagen. Der feuchtegelagerte Zement weist im Vergleich zur frischen Probe eine deutlich geringere Hydratationswärme auf – ein Indiz dafür, dass ein Teil der Hydration bei der Lagerung bereits vorweggenommen wurde. Der Peak der Haupthydratation tritt deutlich später auf. Somit zeigt ein feuchtegelagerter Zement ein signifikant verzögertes Abbindeverhalten.

Die Bildung von Hydratphasen auf der Zementkorn­oberfläche als Folge der Feuchteexposition bedingt eine Änderung der Oberflächenladung, was durch Messung des Zeta-Potentials der Proben vor und nach Alterung nachgewiesen wurde (Bild 6). Generell waren die Oberflächenladungen der feuchteexponierten Zementproben weniger negativ oder gar positiv, verglichen mit frischem Zement. Der Trend ist 20 Minuten nach dem Anmischen des Zements mit Wasser noch deutlicher ausgeprägt als 4 Minuten nach dem Anmischen. Der Effekt ist auf die Ettringitbildung während der Vorhydratation zurückzuführen. Aus früheren Untersuchungen ist bekannt, dass Ettringit ein positives Zeta-Potential von 4,2 mV aufweist [10].


3.2 Wirkung der Fließmittel
Im Folgenden wurde die Dispergierwirkung von Fließmitteln mit feuchteexponiertem Zement untersucht. Die Wirksamkeit der Fließmittel wurde anhand des Ausbreitmass im „Mini-Slump“ Test beurteilt. Die Wahl der ­Zusatzmittel-Dosierung erfolgte so, dass mit frischem Zement bei einem w/z-Wert von 0,55 ein Ausbreitmass von 26 cm erzielt wurde.

Bild 7 gibt einen Überblick über die Ergebnisse für frischen und feuchtegelagerten Zement ohne und mit Fließmittel. Das Fließverhalten der vorhydratisierten Zemente weicht deutlich von dem des frischen Zements ab. Der reine Zement (ohne Fließmittel) zeigt mit zunehmender Feuchtelagerung eine stetige Abnahme der Fließfähigkeit. Dies hat einen steigenden Wasseranspruch u. a. infolge der erhöhten spezifischen Oberfläche zur Folge. Bei Zugabe von Fließmitteln fällt der Abfall der Fließfähigkeit nach 1 Tag Lagerung deutlich geringer aus. Insbesondere nach Zugabe von Casein bleibt die Fließwirkung auch nach 1-tägiger Feuchteaufnahme vollständig erhalten. Dies zeichnet dieses Fließmittel gegenüber Polycarboxylat und NSF-Harz aus, welche einen Rückgang der Fließwirkung mit gealtertem Zement verzeichnen (NSF fällt stärker ab als PCE). Nach 3-tägiger Lagerung ist keines der untersuchten Fließmittel mehr in der Lage, diesen Zement zu verflüssigen; es werden die gleichen Werte wie für den Zement ohne Zusatzmittel erhalten.


3.3 Wirkung des Wasserretentionsmittels
Wasserretentionsmittel werden vor allem in Maschinenputzen, Fliesenklebern und Dichtschlämmen eingesetzt. Die wichtigsten Wasserretentionsmittel basieren auf Methylcellulose (MHPC für Putze und MHEC für Fliesen­kleber). In dieser Studie wurde die Wirksamkeit einer Methylhydroxyethylcellulose mit feuchtegelagertem Zement untersucht, wobei eine Wasserretention von 98 % oder höher angestrebt wurde.

Bild 8 zeigt die Wasserretention von Leimen aus frischem und vorhydratisiertem Zement bei unterschiedlichen MHEC-Dosierungen. Der vorhydratisierte Zement zeigt generell eine deutlich bessere Wasserretention als der frische Zement. Dieser Effekt erklärt sich durch die feinere Oberflächenstruktur von feuchtegelagertem Zement, wodurch kleinere Poren entstehen, die weniger Wasser abgeben. Um eine Wasserretention von > 98 % zu erhalten, werden 0,4 M.-% an MHEC für den ungealterten Zement benötigt. Beim vorhydratisiertem Zement kann dieser Wert mit deutlich geringeren Dosierungen erreicht werden. So genügen lediglich 0,2 M.-% MHEC, um 98 % Wasserretention mit 3 Tage gealtertem Zement zu erhalten. Gleichzeitig steigt die Viskosität des Leims nach der Feuchteexposition des Zements stark an, trotz niedrigerer MHEC-Dosierung (Bild 9). Die Verarbeitbarkeit nimmt aufgrund der krümeligen Konsistenz deutlich ab und muss durch erhöhte Wasserzugabe beim Anmischen des Putzes korrigiert werden. Die Versuche belegen, dass feuchteexponierter Zement stets zu signifikant besseren Wasserrückhaltewerten führt und gleichzeitig einen höheren Wasseranspruch zeigt.

3.4 Wirkung von Beschleunigern
Bild 10 zeigt den Einfluss der Vorhydratation auf die Wirkung zweier Beschleuniger, ermittelt anhand wärmekalorimetrischer Untersuchungen. Als Beschleuniger wurden Ca-Formiat und amorphes Al2O3 geprüft. Ihre Dosierungen wurden so gewählt, dass das Maximum des Haupthydratationspeaks bei Zusatz der Beschleuniger nach gleicher Hydratationszeit (~ 9 Stunden) wie beim frischen Zement eintrat. Wie bereits im Bild 5 dargestellt, zeigt feuchtegelagerter Zement eine deutlich verzögerte Wärmefreisetzung, insbesondere nach 3 Tagen Exposition.

Die Ergebnisse lassen erkennen, dass die beschleunigende Wirkung der Zusatzmittel in Zement, der 1 Tag Feuchte ausgesetzt wurde, deutlich reduziert ist. In 3 Tage vorhydratisiertem Zement ist die beschleunigende Wirkung gänzlich verlorengegangen. Der Effekt ist bei Calciumformiat etwas stärker als beim Al2O3. Der 3 Tage feuchtegelagerte Zement wird von beiden „Beschleunigern“ sogar verzögert.

 

4 Schlussfolgerungen

Zement kann während längerer Lagerung in feuchter Atmosphäre veränderte Eigenschaften zeigen. Es wird angenommen, dass diese Effekte auf die Aufnahme von Luftfeuchtigkeit sowie Carbonatisierung an der Zementkornoberfläche zurückzuführen sind. Im Rahmen des vom Forschungsverbund Nanocem geförderten Projekts wurde ein kommerzieller Portland-Zement (CEM I 52,5 N) unter kontrollierten Bedingungen Luftfeuchtigkeit ausgesetzt (35 °C, 90 % rel. Feuchte, Lagerzeit 1 bzw. 3 Tage). Anschließend wurde seine Wechselwirkung mit verschiedenen Zusatzmitteln (Fließmittel, Wasserretentionsmittel sowie Beschleuniger) untersucht.

Die vorgestellten Ergebnisse zeigen, dass Feuchteaufnahme und Carbonatisierung das Fließ-, Wasserretentions- und Abbindeverhalten von Zementen deutlich verändern können. Infolge Oberflächenhydratation verändern sich sowohl die spezifische Oberfläche als auch die Oberflächenladung eines Zements, was die Wechselwirkung mit Zusatzmitteln wie z. B. Fließmitteln, Wasserretentionsmitteln oder Beschleunigern erheblich beeinflusst. Folgende Zusammenhänge wurden gefunden:

In feuchteexponiertem Zement ist die Wirkung von Fließmitteln im vorhydratisierten Zement generell geringer als in frischem Zement. Die Dispergierkraft des Biofließmittels Casein wird von der Feuchtelagerung am wenigsten, die von Polycarboxylat jedoch stärker und von NSF-Harz besonders stark beeinträchtigt.

Feuchtegelagerter Zement zeigt ein signifikant ver­bessertes Wasserrückhaltevermögen bei gleichzeitig höherem Wasseranspruch zur Einstellung einer praxisgerechten Verarbeitbarkeit. Deshalb reichen für diesen Zement geringere Methylcellulose-Dosierungen zur Erreichung einer hohen Wasserretention aus.

In vorhydratisiertem Zement nimmt die beschleunigende Wirkung von Abbindebeschleunigern auf Basis Ca-formiat und amorphem Al2O3 deutlich ab. In Zement mit langer Feuchteexposition (3 d) können sie z. T. in Verzögerer umschlagen.

Die Ergebnisse belegen, dass Feuchteexposition und CO2-Aufnahme die Lagerstabilität und Funktionsfähigkeit von Trockenmörtelmischungen z. T. sehr stark beeinflussen können. Ein Portlandzement, der längere Zeit feuchter Luft ausgesetzt war, kann ein signifikant verändertes Verhalten mit Zusatzmitteln zeigen. Die Effekte dieser Oberflächenhydratation können sowohl positiv als auch negativ bezüglich der Wirkung der Zusatzmittel sein, wobei die schädlichen Auswirkungen überwiegen.

 

Danksagung

Die Autoren danken dem EU-Netzwerk Nanocem für ­finanzielle Förderung der Untersuchungen zum reinen Zement im Rahmen des Core Project # 7.

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