Weniger Schwingungen durch neu ­konstruiertes Fundament

University of Thessaloniki, AGET Heracles, Lafarge Group

Mit Hilfe von Berechnungen nach der Finite-Elemente-Methode (FEM) konnte das Fundament eine Zementmühle optimiert und so Schwingungen im Betrieb reduziert werden.

Einleitung

Das dynamische Verhalten und somit die Betriebssicherheit großer mechanischer Anlagen wie z.B. Zementmühlen kann stark durch das Fundament ihrer Antriebsaggregate beeinflusst werden. Während des Betriebs einer Zementmühle im Werk Halkis von Heracles General Cement Co (Lafarge Gruppe) wurden erhöhte Schwingungen gemessen – hauptsächlich im Bereich der zwei Fundamente des Gehäuses von Ritzel und Zahnkranz des Mühlendoppelantriebs. Diese Schwingungen führten zu starken Beschädigungen der Zahnflanken der Ritzel. Die Ritzel wurden ausgetauscht, ohne dass die intensiven Schwingungen in...

Einleitung

Das dynamische Verhalten und somit die Betriebssicherheit großer mechanischer Anlagen wie z.B. Zementmühlen kann stark durch das Fundament ihrer Antriebsaggregate beeinflusst werden. Während des Betriebs einer Zementmühle im Werk Halkis von Heracles General Cement Co (Lafarge Gruppe) wurden erhöhte Schwingungen gemessen – hauptsächlich im Bereich der zwei Fundamente des Gehäuses von Ritzel und Zahnkranz des Mühlendoppelantriebs. Diese Schwingungen führten zu starken Beschädigungen der Zahnflanken der Ritzel. Die Ritzel wurden ausgetauscht, ohne dass die intensiven Schwingungen in beiden Ritzelgehäusen aufhörten. Um den Grund für diese Schwingungen zu ermitteln, war es notwendig, das statische und dynamische Verhalten der Mahlanlage mit Hilfe von Berechnungen nach der Finite-Elemente-Methode (FEM) analytisch zu beschreiben. Auf der Grundlage dieser Berechnungsergebnisse wurden die Fundamente der Gehäuse der Antriebsritzel neu konstruiert. So ließ sich ein Mühlenbetrieb mit einem geringen Vibrationsniveau realisieren, was entsprechende Messungen bestätigten.

FEM-Beschreibung der ursprünglichen Geometrie der Mahlanlage

Die Geometrie der Mahlanlage wurde mit Hilfe der Software Solidworks 2008 beschrieben. Das Paket ANSYS diente als CAE-Entwicklungswerkzeug für die Strukturanalyse des Stahlfundaments sowie für die statischen und modalen Berechnungen [1]. Mit Hilfe dieser Software wurde ein 3D-Modell der Mühlenanordnung entwickelt. Detaillierte 2D-Zeichnungen der einzelnen Teile und der Gesamtanlage wurden herangezogen, um eine hohe Genauigkeit bei den FEM-Simulationen zu erreichen. Die FE-Modelle der Einzelteile wurden in einem Gesamtmodell der Zementmühlenanlage zusammengefasst. Bild 1 zeigt die Zeichnung der Seitenansicht der untersuchten Zementmühle. In Bild 2 ist der Mühlenantrieb von oben zeichnerisch dargestellt: Zwei Motoren mit den entsprechenden Reduktionsgetrieben drehen die Mühle über zwei Ritzelpaare. Bild 3 zeigt wiederum die ursprüngliche Geometrie des Fundaments des Ritzelagergehäuses als Zeichnung und Foto.

Da für die Übertragung des Drehmoments auf die Ritzelachse elastische Kupplungen eingesetzt werden, die eine Übertragung von Dreh- oder Biegeschwingungen auf die Ritzel verhindern, wurden die Getriebe und die entsprechenden Transmissionswellen in dem entwickelten Modell nicht berücksichtigt. In der FEM-Simulation wurde das Drehmoment der Ritzelachse als Hauptlast berücksichtigt.


Unter Berücksichtigung der Zähnezahlen des Ritzels und des Zahnkranzes sowie der Umdrehungsgeschwindigkeit der Ritzelachse wurde die Eingriffsfrequenz des Zahnradpaars berechnet. Diese beträgt 56,4 Hz (Bild 4). Die Schwingungen im Bereich des Gehäuses der Ritzelwelle wurden in horizontaler, axialer und vertikaler Richtung ermittelt. Eine Frequenzanalyse des Zeitsignals dieser Schwingungen ergab eine Eigenfrequenz von 56,4 Hz, was dem Eingriff des Paars Ritzel und Zahnkranz entspricht [2, 3].

Das 3D-Modell der Mühlenanlage (Bild 5a) wurde entsprechend den Abmessungen und der Massenverteilung in der Mühle erstellt (Bild 5b). Geometrische Details, die nur geringfügig zur Genauigkeit der FE-Analyse beitragen, wurden ausgelassen, um eine übermäßige Anzahl von Elementen beim Vernetzen und eine entsprechende Erhöhung der Berechnungszeit zu vermeiden. Die Mühle wurde unter Volllast simuliert.

Bild 6 zeigt die berechnete Gesamtverformung sowie die entwickelten Vergleichsspannungen der Mühle unter der Schwerkraft. Die Verformungen und Belastungen sind gering und können daher nicht als Ursache für den Verschleiß oder andere Schäden am Ritzel-Zahnkranz-Paar in Betracht gezogen werden. Die ermittelte maximale Biegeverformung von ca. 1 mm in Längsrichtung kann bei einer vorhandenen Gesamtlänge der Mühle von ca. 15 m vernachlässigt werden. Die Von-Mises-Spannung von ca. 3,2 daN/mm² ist als geringfügig anzusehen [4].

FEM-Simulation des Ritzellagergehäuse-Fundaments:

Beschreibung des dynamischen Verhaltens

Auf Grund des übermäßigen Verschleißes auf den Ritzelflanken und der erhöhten Schwingungen, insbesondere im Bereich des Gehäuses der Ritzelwelle, wurde die Geometrie in diesem Bereich detaillierter modelliert. Ein Querschnitt der Ritzelwelle einschließlich Lager und Gehäuse (in Bild 2 gestrichelt dargestellt) und das dazugehörige 3D-FEM-Modell werden in Bild 7 gezeigt. Die Teile rechts von der elastischen Kupplung sind nicht im Modell enthalten, da, wie bereits erwähnt, die elastische Kupplung die Ritzelwelle vor der Dreherregung durch die Antriebsaggregate abschirmt. Es wurden sowohl der Grad der Füllung des Fundaments mit Beton (Bild 7a) als auch die Stahlplatten für die Verstärkung des Fundaments berücksichtigt. Acht Bolzen mit einem Durchmesser von 48 mm werden für die Befestigung der ganzen Konstruktion auf dem Betonblock eingesetzt [5].

Das dynamische Verhalten des Ritzellagergehäuses und seines Fundaments wurden mit Hilfe einer Modalanalyse untersucht. Bild 8 zeigt die ersten sechs berechneten Eigenfrequenzen dieses Modells. Nach diesen Ergebnissen liegt die erste Eigenfrequenz von 59,8 Hz in der Nähe des Betriebseingriffs von Ritzel und Zahnkranz von 56,4 Hz. Da die Differenz von 3,4 Hz (59,8–56,4) nur 6 % der Eingriffsfrequenz beträgt, wird sie als ungenügend für das Vermeiden einer Resonanz der Mühlenfundamente für die Ritzellager bei einer Eingriffsfrequenz von 56,4 Hz angesehen. Es können so erhöhte Schwingungen erwartet werden, die auch während des Mühlenbetriebs gemessen wurden (Bild 4). Die Eigenform bei der Eigenfrequenz von 59,8 Hz wird ebenfalls in Bild 8 gezeigt. Diese Bewegung entspricht einer Drehung der gesamten Einrichtung um eine Achse, die im Beton des Fundaments liegt und parallel zur Längsachse der Radwelle verläuft.


Auf Grund der Tatsache, dass der übermäßige Verschleiß im Bereich der Ritzelwellenlager auftrat, schlug der Mühlenhersteller eine Lösung vor, die oft in ähnlichen Anlagen angewendet wird. Danach wurden die zwei Ritzelfundamente durch einen V-förmigen Träger (V-Träger) verbunden. Das Ziel dieser Konstruktion bestand darin, die Steifigkeit der Fundamente zu erhöhen, um hauptsächlich die Vibrationen in diesem Bereich zu reduzieren. Um die Wirkung des V-Trägers auf das dynamische Verhalten der Anlage zu untersuchen, wurde ein Modell unter Berücksichtigung der Originalkonstruktionszeichnungen erstellt.

Bild 9 zeigt den V-Träger und seine Einbindung in die gesamte Mühlenanlage. Im gleichen Bild werden die berechneten Eigenfrequenzen der durch den V-Träger verbundenen Fundamente der zwei Ritzellager gezeigt. Der Einsatz des V-Trägers führte zu einer leichten Reduzierung der kritischen Eigenfrequenz des Gehäuses der Ritzelwelle im Vergleich zur Verbindung ohne V-Träger, d.h. von 59,8 Hz auf 54 Hz (s. Tabelle in Bild 9). Außerdem wurde dadurch eine neue (die erste) Eigenfrequenz von 39,2 Hz eingeführt. Diese Frequenz wird als nicht kritisch betrachtet, da sie mehr als 30 % von der Eingriffsfrequenz des Ritzel-Zahnkranz-Paares von 56,4 Hz entfernt ist. Die zweite Eigenfrequenz von 54 Hz wird jedoch wegen des kleinen Abstands zur Eingriffsfrequenz des Ritzel-Zahnkranz-Paares (< 6%) als kritisch für das Auftreten von Resonanzschwingungen betrachtet.

Die Eigenform bei 54 Hz ist in Bild 9 dargestellt. Das Gehäuse der Ritzelwelle und sein Fundament führen eine Drehschwingung parallel zur Ritzelwelle um eine Achse aus, wie es beim Mühlenbetrieb ohne V-Träger der Fall war. Daher wird der Einsatz eines V-Trägers nicht empfohlen, weil die Resonanzschwingungen in der Größenordnung derer von Ritzel und Zahnkranz aus dem Modell nicht vermieden werden können.


Neukonstruktion des Gehäusefundaments zur Reduzierung der Schwingungen

Zur Verbesserung des dynamischen Verhaltens des Gehäuses der Ritzelwelle musste also dessen Fundament entsprechend geändert werden. Bild 10 zeigt konstruktive Einzelheiten des neu konstruierten Fundaments des Ritzellagergehäuses sowie einen Vergleich zum ursprünglichen Fundament. Bei der neuen Konstruktion des Fundaments wurde eine untere Metallauflage auf dem Betonblock angebracht, die jetzt entsprechend angehoben wurde, um die erforderliche Höhe der Ritzelachse zu erreichen. Acht Verankerungen mit acht Bolzen mit einem Durchmesser von 48 mm wurden für die Befestigung des Fundaments auf den Betonblöcken und für eine gleichmäßigere Lastverteilung angebracht. Bild 11 zeigt das FE-Modell mit der neu konstruierten, kurzen Metallauflage des Ritzelwellengehäuses. Jede der acht Verankerungen verfügt über eine Tragkonstruktion. Diese Tragkonstruktionen sind durch HEM-Träger miteinander verbunden. Zur Überprüfung der Wirksamkeit der vorgeschlagenen Fundamentgeometrie zur Vermeidung von Schwingungen wurden die entsprechenden Eigenfrequenzen bestimmt (s. Tabelle in Bild 11). Die erste Eigenfrequenz beträgt nun 176 Hz, was weit von möglichen Anregungsfrequenzen entfernt ist, z.B. von der Eingriffsfrequenz 56,4 Hz. So kann ein Mühlenbetrieb mit einem geringen Schwingungsniveau erreicht werden. Die Schwingungsmessungen in unterschiedlichen Positionen auf dem Fundament des Antriebsritzels vor und nach der Neukonstruktion sind in Tabelle 1 zusammengefasst. Es ist offensichtlich, dass die Schwingungen des kürzeren und steiferen Fundaments des Antriebsritzels im Vergleich zur ursprünglichen Konstruktion wesentlich abgenommen haben, was bestätigt, dass die verwendete Lösung zu einer beachtlichen Verbesserung des dynamischen Verhaltens der Mühle geführt hat.

Schlussfolgerungen

Die Fundamente der Lagergehäuse der Antriebsritzel einer Zementmühle führten zu intensiven Schwingungen und zu Schäden auf den Ritzelflanken. Eine FEM-basierte Modalanalyse zeigte, dass die Eigenfrequenz des Ritzelwellenfundaments nahe an der Eingriffsfrequenz des Ritzel-Zahnkranz-Paares lag. Der Einsatz eines V-Trägers auf der Grundlage der erreichten Analysen- und Messergebnisse zur Verbindung der Ritzelfundamente trug nicht zur Abnahme der Schwingungen bei. Bei dem neu konstruierten Fundament des Antriebsritzels wurde durch eine kurze Metallauflage auf einem erhöhten Betonsockel die die Höhe der Ritzelachse erreicht. Die entsprechende Modalanalyse ergab eine erste Eigenfrequenz des neu konstruierten Fundaments des Ritzelwellengehäuses, die weit von der Resonanzfrequenz aus der Ritzel-ZahnkranzKombination aus dem FEM entfernt war. So konnte ein Mühlenbetrieb mit geringen Vibrationen erreicht werden. Entsprechende Schwingungsmessungen bestätigten die errechneten Ergebnisse.

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