Zukünftige Entwicklung der Zementindustrie Indiens

NCB
Anlässlich des 12. Internationalen NCB Seminars über Zement und Baustoffe, das Ende 2011 in Neu-Delhi stattgefunden hat, sprach Dr. Thomas Weiss, Chefredakteur der ZKG INTERNATIONAL, mit Ashwani Pahuja, dem Generaldirektor des National Council for Cement and Building materials (NCB) Indiens über Bedarf und Entwicklung der indischen Zementindustrie.

 

ZKG: Herr Pahuja, was sind gegenwärtig die wichtigsten Themen in der indischen Zementindustrie, die während des NCB Seminars diskutiert wurden?
Ashwani Pahuja: Einige der wichtigen Themen, die während des 12. Internationalen NCB Seminars diskutiert...
Anlässlich des 12. Internationalen NCB Seminars über Zement und Baustoffe, das Ende 2011 in Neu-Delhi stattgefunden hat, sprach Dr. Thomas Weiss, Chefredakteur der ZKG INTERNATIONAL, mit Ashwani Pahuja, dem Generaldirektor des National Council for Cement and Building materials (NCB) Indiens über Bedarf und Entwicklung der indischen Zementindustrie.

 

ZKG: Herr Pahuja, was sind gegenwärtig die wichtigsten Themen in der indischen Zementindustrie, die während des NCB Seminars diskutiert wurden?
Ashwani Pahuja: Einige der wichtigen Themen, die während des 12. Internationalen NCB Seminars diskutiert wurden, waren alternative Brennstoffe und Rohmaterialien sowie geeignete Verbrennungsanlagen, Technologien zur Kalksteinanreicherung, Fortschritte im Anlagen- und Maschinenbau, Prozessoptimierung, Energiewirtschaft, umfassendes Qualitätsmanagement (TQM), Zemente auf der Basis alkalischer Aktivierung von Alumosilikaten, Portland-Kalksteinzemente, Einsatz von unterschiedlichen Abfallstoffen in Zement und Beton, Leistungsfähigkeit, Haltbarkeit und Nachhaltigkeit von Betonanlagen usw.

 

ZKG: Wie schätzen Sie die gegenwärtige Situation und zukünftige Entwicklung der Zementindustrie in Indien ein?
Ashwani Pahuja: Mit einer installierten Leistung von 323,2 Mio. t und einer Produktion von 228,3 Mio. t im Zeitraum 2010–2011 ist Indien der zweitgrößte Zement­hersteller der Welt nach China. Im Zeitraum 2001–2011 hat die installierte Kapazität mit einer jährlichen durchschnittlichen Wachstumsrate von 8,8 % zugenommen, was dem Produktionswachstum von durchschnittlich 8,2 % entspricht. Der Umsatz der Zementindustrie wurde für den Zeitraum 2010–2011 auf 25 Mrd. US$ geschätzt. Bei einer ständig wachsenden Nachfrage und einer entsprechenden Lieferung steht der Industriezweig vor einer hellen Zukunft. Angesichts der Nachfrage und der installierten Projekte zum Kapazitätswachstum wird sich die installierte Kapazität bis 2020 auf etwa 600 Mio. t belaufen.

An der technologischen Front hat die indische Zement­industrie gewaltige Fortschritte hinsichtlich der technologischen Modernisierung und der Angleichung an die neuesten Technologien zu verzeichnen. Zurzeit beruhen ca. 97 % der gesamten Kapazität des Industriezweigs auf dem modernen und umweltfreundlichen Trockenverfahren. Die teilweise Aufhebung der Zwangsbewirtschaftung (1982–1988) und ab 1989 deren komplette Aufhebung haben zum Wachstum des Zementsektors und zur Anwendung von Technologien nach dem neuesten Stand der Technik geführt. Alle neuen, zukünftigen Kapazitäten werden voraussichtlich auf dem Trockenverfahren beruhen, und sogar einige der vorhandenen Anlagen werden ebenfalls auf dieses Verfahren umgestellt, um wettbewerbsfähig zu werden.

Die indische Zementindustrie gehört heute im Großen und Ganzen weltweit zu den Besten dieses Industriezweigs bezüglich Qualitätsnormen, Brennstoff- und Energieverbrauch, Umweltstandards für neue Anlagen, der Kapazität sowie des Einsatzes der neuesten Technologien.

 

ZKG: Welche Maßnahmen werden für die nachhaltige Entwicklung der Industrie getroffen?
Ashwani Pahuja: Die wichtigsten Elemente der nachhaltigen Entwicklung sind „schonen, recyceln und erneuern“, d.h. minimaler Einsatz von natürlichen Ressourcen, Recycling von Abfällen und Nebenprodukten sowie das Anzapfen von Quellen erneuerbarer Energien. Die Bemühungen der Zementindustrie beim Einsatz von Abfall- und Reststoffen, wie Flugasche, sind lobenswert. Die Initiativen der indischen Zementindustrie zur Nutzung von alternativen Rohstoffen sind an der Tatsache ablesbar, dass die Produktion von Mischzementen im Land im Zeitraum 2010–2011 75 % betrug im Vergleich zum Zeitraum 2000–2001, als es noch 36 % waren. Es gibt einen beachtlichen Umfang der Erhöhung des Einsatzes von Abfall, und dabei insbesondere von Sondermüll und brennbarem Müll. Wir sind zuversichtlich, dass die Industrie sich bald international bewährte Methoden der Abfallverwertung für eine nachhaltige Entwicklung aneignen wird. In der Zementindustrie werden momentan auch Blockheizkraftwerke auf der Grundlage von Abwärme errichtet. So wurden vor kurzem 100 MW auf Basis Kraft-Wärme-Kopplung installiert. In Küstenregionen wurden auch Anlagen für ca. 90 MW Windenergie durch Zementwerke errichtet.

 

ZKG: Welche neuen Bindemittelsysteme, alternativen Brennstoffe und Rohmaterialien werden zur Zeit in Indien untersucht und entwickelt?
Ashwani Pahuja: Neue Bindemittelsysteme werden gegenwärtig untersucht, um Zemente zu erhalten, die nachhaltiger sind und eine gleiche oder bessere Qualität als gewöhnlicher Portlandzement haben. Momentan werden Bindemittel auf Geopolymer-Basis, Kompositzemente und Zemente mit Nanopartikeln untersucht. Bisher noch nicht genutzte Stoffe wie nichtmetallurgische Schlacken, Kohlenkesselasche, Bagasseasche usw. im Zement und Beton werden ebenfalls untersucht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Abfallstoffe bei einer geeigneten Aufbereitung ebenfalls wertvolle Materialien werden können.

Die gegenwärtig untersuchten neuen Bindemittelsysteme in Indien sind:

Kompositzemente aus Klinker für gewöhnlichen Portlandzement plus Kalkstein/Schlacke/Flugasche und Gips.

Portlandzemente mit Kalkstein oder Dolomit.

Zemente aus Nanopartikeln.

Geopolymere auf der Basis der Alkaliaktivierung von Hochofenschlacke/Flugasche/Metakaolin als Quelle von Aluminosilikaten.

Nutzung von Industrieabfällen bzw. Reststoffen, wie z.B. Schlacke aus der Blei-, Zink- und Kupferindustrie, von Schlämmen, Rotschlamm, Abfälle von verbrauchter Tiegelauskleidung aus der Aluminiumindustrie, Energie-Katalysatoren aus Raffinerien, Phosphorkreide aus der Düngemittelindustrie für die Herstellung von gewöhnlichem Portlandzement für die Reduzierung der Klinkerbildungstemperatur und für die Verbesserung der Zementeigenschaft.


Die indische Zementindustrie hat in den letzten Jahren die Initiative ergriffen, alternative Brennstoffe einschließlich Brennstoff aus Abfall zusammen mit dem Hauptbrennstoff Kohle im Zementofen einzusetzen. Dazu gehören Brennstoff aus Altreifen, Schlamm aus Abwasseraufbereitungsanlagen, Farbschlamm, verschrottete Kunststoffe, Schlempe aus der Alkoholherstellung, fester kommunaler Abfall in Abhängigkeit von der Verfügbarkeit in der jeweiligen Wirtschaftsregion sowie von der Logistik. In Abhängigkeit von ihren Eigenschaften und ihrer Verfügbarkeit werden gegenwärtig diese alternativen Brennstoffe in kleinen Mengen bis zu 5 % in der Zementindustrie eingesetzt. Um 25 bis 30 % oder gar mehr durch alternative Brennstoffe zu ersetzen, liegt noch ein langer Weg vor der Industrie.

 

ZKG: Gibt es ein Engagement oder Initiativen zur Minderung von Treibhausgasemissionen?
Ashwani Pahuja: Die indische Zementindustrie hat einige Probleme hinsichtlich der Treibhausgasemissionen angepackt und die Emission von 1,12 t CO2/t Zement im Jahr 1996 auf gegenwärtig 0,82 t CO2/t Zement reduziert. Einige Maßnahmen zur Minderung der Treibhausgasemissionen der indischen Zementindustrie sind:

Die Optimierung der Wärmeaufbereitung

Die Produktion von Mischzementen durch Ersetzen des Klinkers durch Flugasche und Hochofenschlacke

Einsatz von alternativen Brennstoffen und Rohmaterialien

Verbesserung der Energieeffizienz

Wärmerückgewinnung

Einsatz von erneuerbarer Energie, wie z.B. Wind­energie

Kohlenstofffixierung

 

ZKG: Wo sehen Sie den wichtigsten und dringendsten Bedarf an Verbesserungen in der Zukunft?
Ashwani Pahuja: Die Zementindustrie muss eine Reihe von Initiativen für eine nachhaltige Entwicklung in der Zukunft ergreifen. Dazu gehört die Installation neuer, innovativer Technologien, wie z.B. NOx-arme Kalzinatoren, Mehrkanalbrenner, energieeffiziente Kühler für eine verbesserte Umwelt- und Energieeffizienz. Weiterhin sollten hochgradig energieineffiziente Mühlen für das Mahlen von Rohmaterial, Kohle und Zement in einigen älteren Anlagen durch energieeffiziente Mahlanlagen ersetzt werden, wie z.B. Vertikal-Wälzmühlen, Rollenpressen oder Horizontal-Wälzmühlen. Auch die Erzeugung von Energie durch Kraft-Wärme-Kopplung durch das Nutzen von Heißgasen von Vorwärmer und Kühler ist ein Ziel. Ferner sollte die erweiterte Nutzung von alternativen Brennstoffen durch organisierte Erfassung, Vorbehandlung und verbundene Anreizprogramme avisiert werden. Auch die Aufbereitung von Flugasche für einen erhöhten Einsatz im Zement und Beton gehört dazu, sowie die Entwicklung und Fertigstellung von Normen für Kompositzemente. Auch müssen Studien zur Erkundung und Feststellung von neuen Kalksteinvorkommen für Zementwerke auf der grünen Wiese sowie die Qualitätsverbesserung von unreinen Kalksteinen und Haldenmaterial für die Zement­herstellung. Schließlich sollte auch eine Erweiterung des Einsatzes von erneuerbaren Energien angestrebt werden.
ZKG: Danke für das Interview

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