Sind magnesiabasierte Zemente die Zukunft?
Teil 2: Novacem –
eine Bewertung neuer ­Entwicklungen

Karlsruhe Institute of Technology

Um die mit der Zementherstellung verbundenen CO2-Emissionen zu senken, werden große Hoffnungen in neue zementbasierte Bindemittel gesetzt, insbesondere in calciumbasierte Systeme, Geopolymere und neue Magnesiabinder.

Seit mehr als 170 Jahren ist Beton, der Portlandzement als Bindemittel enthält, die stoffliche Grundlage der Bauindustrie und ist heute nach Wasser der am häufigsten verwendete Stoff auf der Erde [1]. Die globale Zementproduktion zeigte in der letzten Dekade jährliche Zuwachsraten von über 7 %. Ein weiteres Ansteigen ist auch für die weitere Zukunft vorausgesagt. Da die Zementproduktion mit hohen CO2-Emissionen verbunden ist, werden neue Anforderungen an die Zementproduktion gestellt und es wird nach innovativen Lösungen gesucht. Wie in [2] aufgezeigt wird, ist die Zementindustrie bei...
Seit mehr als 170 Jahren ist Beton, der Portlandzement als Bindemittel enthält, die stoffliche Grundlage der Bauindustrie und ist heute nach Wasser der am häufigsten verwendete Stoff auf der Erde [1]. Die globale Zementproduktion zeigte in der letzten Dekade jährliche Zuwachsraten von über 7 %. Ein weiteres Ansteigen ist auch für die weitere Zukunft vorausgesagt. Da die Zementproduktion mit hohen CO2-Emissionen verbunden ist, werden neue Anforderungen an die Zementproduktion gestellt und es wird nach innovativen Lösungen gesucht. Wie in [2] aufgezeigt wird, ist die Zementindustrie bei Ausschöpfung all ihr zur Verfügung stehenden Maßnahmen günstigstenfalls in der Lage, die CO2-Emissionen zukünftig auf dem derzeitigen Niveau zu halten. Um die CO2-Emissionen zu senken, sind neue zementbasierte Bindemittel, besonders calciumbasierte Systeme, Geopolymere und magnesiabasierte Binder in den Blickpunkt des Interesses geraten. Diese Systemanalyse untersucht die Frage, in welchem Maße neue magnesiabasierte Entwicklungen, die auf einem völlig anderen Bindemittelkonzept beruhen und wofür neue Ausgangsstoffe verwendet werden, das Potenzial haben könnten, den Massenbaustoff Portlandzement zu ersetzen. Am Beispiel Novacem versuchen wir eine Einordung der Invention in die gegenwärtige Landschaft der Bauindustrie aus der Sicht der Technikfolgenabschätzung vorzunehmen. Dies schließt auch Untersuchungen zum Energiebedarf des Herstellungsverfahrens und zur CO2-Bilanz mit ein, die auf der Basis schlüssiger Modell-Prozessketten durchgeführt werden. In Teil 1 haben wir nach einer Einführung in die Problemstellung und einer Darstellung der methodischen Herangehensweise die bisherigen Entwicklungen, die Magnesia und Bindemittel betreffen, aus der Sicht der Technikfolgenabschätzung vorgestellt [3]. Der hier vorgestellte Teil 2 beinhaltet eine Analyse und erste Bewertung des neuen Bindemittelkonzepts Brucit/M-S-H-Phasen, auf dem Novacem beruht.

Das Bindemittelkonzept Brucit/M-S-H-Phasen.

Die Ausführungen in Teil 1 machen deutlich, dass Magnesit kein global verfügbares Ausgangsmaterial ist und auch Bindemittelmechanismen wie „Säure-Base-Reaktion“ bzw. „Carbonatisierung“ kaum geeignet sind, das Bindemittelsystem C-S-H bei Portlandzement in Frage zu stellen. Diese Erfahrung hat auch Novacem bei seiner Entwicklung gemacht. Novacem versucht, sowohl rohstofflich als auch vom Bindemittelkonzept einen neuen Weg zu gehen: Bis Ende 2009 ließen die zugängigen Informationen den Schluss zu, dass es sich bei Novacem um einen speziellen lufthärtenden Magnesiabinder handelt, der ausgehärtet als carbonatisiertes rosettenartiges Brucit vorliegt. Der Zement selbst bestand nach der Patentschrift [4] aus einem Gemisch von caustischem Magnesia, einem speziellen (Hydro-)Magnesit mit rosettenartiger Morphologie und mineralischen Additiven. Ausdrücklich wird im Patent darauf hingewiesen, dass die Aushärtung in zwei Stufen verläuft: Auf eine Hydratation folgt eine Carbonatisierung. In Interviews und Präsentationen wurde der große Umweltvorteil der Absorption von ca. 900 bis 1100 kg CO2/t Novacem herausgestellt. Bis Mitte 2010 war es wegen der sich häufig ändernden und wenig konsistent erscheinenden Informationen schwer, ein Bild über den Aufbau des Bindemittels, das Konzept zu seiner Herstellung sowie etwaige Eigenschaften des Zements zu gewinnen. Die im Patent ausgewiesenen Festigkeitswerte von höchstens 30 N/mm² weisen darauf hin, dass der damalige Entwicklungsstand keine Bauteile mit höheren Anforderungen an die Festigkeit zuließ.

Ab Mitte des Jahres 2010 sind folgende Änderungen in Bezug auf den Aufbau des Bindemittels und das Prinzip seines Aushärtens zu nennen:

In Zusammenhang mit der Aushärtung wird nur noch die Hydratation erwähnt. Es wird explizit von einer Aushärtung unter Wasser gesprochen, was eine Carbonatisierung ausschließt [5].

Die CO2-Bilanz bezieht sich nur noch auf den Herstellungsprozess von Novacem Zementen.

Die Druckfestigkeitswerte bewegen sich plötzlich in Bereichen von 70 – 80 N/mm².

Die im Jahr 2011 ausgewiesenen Energie- und CO2-Bilanzen sind nur nachvollziehbar, wenn Novacem Zemente etwa 50 M-% magnesiumhaltige Bestandteile enthält.

Christopher R. Cheeseman, der in der Patentschrift gemeinsam mit Nikoloas Vlasopoulos als Erfinder aufgeführt ist, weist in einer kürzlich erschienenen Veröffentlichung darauf hin, dass aus MgO und Silicastaub relativ einfach Zemente erzeugt werden können, die nach dem Aushärten aus Magnesiumsilikathydraten (M-S-H)-Phasen bestehen. Hierbei wären Mischungen günstig, die MgO und Microsilica zu gleichen Anteilen enthalten [6].

Auf der ecra-conference 2011 bestätigen die Erfinder den Autoren den angenommenen Verfahrensablauf und die Zusammensetzung von Novacem weitgehend.

Die hohen Festigkeitswerte der ausgehärteten Novacem Zemente (Bild 1) beruhen auf der Bildung von (M-S-H)-Phasen. Die im Herstellungsprozess als Nebenprodukt anfallende hochporöse Kieselsäure ist so reaktiv, dass sie beim Anmachen mit Wasser mit caustischem MgO reagiert.

Nur ein Teil von Novacem (ca. 50 M-%) besteht aus MgO und (Hydro-)Magnesit, ein weiterer wesentlicher Bestandteil ist amorphe Kieselsäure, die Novacem als „mineralisches Additiv“ ausweist. Wenn die bei der Herstellung von Novacem anfallende Kieselsäure vollständig genutzt wird, dürften die Zemente ein molares Mg/Si-Verhältnis zwischen 1,4 und 1,5 aufweisen; dies sind Werte, die dem Verhältnis in Serpentin und Olivin entsprechen. Da sich nach [7] keine (M-S-H)-Phasen mit einem Mg/Si-Verhältnis größer 1 bilden, ist wahrscheinlich, dass ausgehärtete Novacem Zemente ein Gemisch aus (nicht umgesetztem) Brucit und (M-S-H)-Phasen sind.

Novacem geht in Future Cement (2011) [5] von zwei Zementformulierungen aus, bei beiden liegt das Verhältnis von magnesiumhaltigen Bestandteilen zu Kieselsäure wahrscheinlich bei 1:1. Vom Standard Novacem nehmen wir an, dass die magnesiumhaltigen Bestandteile zu ca. 80 M-% aus reaktivem Magnesia bestehen, die verbleibenden 20 M-% aus (Hydro-)Magnesiten. Im High Carbonate Novacem sind die magnesiumhaltigen Bestandteile anders verteilt: mehr als 50 M-% (Hydro-)Magnesite und der Rest MgO.

Die Technologie: Mineralische Sequestrierung

Technologisch basiert das Verfahren zur Herstellung von Novacem auf der mineralischen Sequestrierung, einem seit 1990 diskutierten Ansatz der künstlichen Verwitterung vorwiegend magnesiumsilikathaltiger Gesteine [8], auf dem aktuell und im Rahmen des „Geo Engineering“ große Erwartungen ruhen. Die Gesteine werden mit überkritischem CO2 zu Magnesium(hydro)carbonaten umgesetzt, um anschließend eingelagert zu werden. Bei den umfangreichen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zu diesem Ansatz sind insbesondere die Arbeiten des National Energy Technology Laboratory, Albany und des Los Alamos National Laboratory zu nennen [9-14].

Als Hauptbestandteil des oberen Erdmantels sind ­Magnesiumsilikate die am häufigsten vorkommenden Silikate und gesteinsbildenden Minerale. Olivin (Mg,Fe)2SiO4 ist Hauptbestandteil des Peridotit, eisenfreies Olivin (oder Dunit) ist selten. Umgewandelter, das heißt verwitterter Peridotit bildet Serpentin (Mg,Fe,Ni)6Si4O10(OH)8. Auf Serpentin konzentriert sich die Forschung zur mineralischen Sequestrierung, da er häufiger vorkommt als Olivin. Aller­dings ist sein Aufkommen regional sehr unterschiedlich, am häufigsten ist es in Regionen mit ultramafischen, magmatischen Gesteinen zu finden (Bild 2).

Serpentin kann chemisch und mineralogisch sehr heterogen zusammengesetzt sein und ist mit anderen Mineralien vergesellschaftet. Der nutzbare Magnesiumgehalt und damit die Reaktivität für eine Carbonisierung können daher sehr unterschiedlich sein. Unter dem Gesichtspunkt einer globalen Nutzung dieses Ansatzes zur Herstellung eines Massenbaustoffs kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Gewinnung geeigneter Rohstoffe sich aufwändiger gestaltet als vermutet. Ob Peridotit oder Serpentin für die Zementindustrie vergleichbar universell nutzbare Rohstoffe darstellen wie Kalkstein und Mergel, ist schwer abzuschätzen.

Trotz großer Fortschritte in der Grundlagenforschung, insbesondere zum Verständnis der chemischen Abläufe, ist bisher keine großtechnische Umsetzung realisiert, die auf einem tragbaren ökonomischen Konzept basiert. Ein Knackpunkt ist u. a. die große kinetische Hemmung der Carbonisierung, die bisher eine sehr energieaufwändige Aktivierung der Rohstoffe notwendig macht, um akzeptable Umsetzungsraten zu erreichen [15].

½ Mg2SiO4 + CO2 = MgCO3 + ½ SiO2 – 95 kJ/mol
(bei Olivin)
⅓ Mg3Si2O5(OH)4 + CO2 = MgCO3 + ⅔ SiO2 + ⅔ H2O
– 64 kJ/mol (bei Serpentin)

Als Schlüsselschritt setzt Novacem eine Hydrothermal-Synthese von MgCO3 in einem Autoklaven ein, eine Technologie, die von Experten der mineralischen Sequestrierung als ein eher günstiger Ansatz gesehen wird. Sie ist allerdings mit einer Reihe schwerwiegender in der Forschung bisher ungelöster Probleme verbunden:

Energieintensive Vorbehandlung der Rohstoffe. Bei Serpentin wird eine thermische Vorbehandlung bei 630 °C favorisiert.

Hochdruckreaktion bei 150 bar und 180 °C. Dabei ist eine intensive Durchmischung der Suspension notwendig. Ein kontinuierlicher Betrieb im großtechnischen Maßstab ist bisher noch nicht realisiert.

Eine nahezu vollständige Umsetzung bei der Hydrothermal-Synthese ist ohne eine aufwändige Vorbehandlung der Rohstoffe bisher nicht realisiert.

Es sind hohe korrosive und abrasive Probleme für die Systemkomponenten zu erwarten.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Hydrothermal-Synthese wässrige Suspensionen einsetzt, deren Verhältnis Feststoff zu Wasser stofflich wie energetisch ungünstig ist (oft 15 M-%).

Das Herstellungsverfahren – ein Modell

Aus Gründen des Schutzes vor Nachahmern hat ­Novacem bisher nur wenige Informationen zum Prinzip und zum Herstellungsverfahren dieses Zements veröffentlicht. Explizit wird die für die Herstellung dieser Zemente notwendige Prozesskette von Novacem nicht offengelegt. Folgende Prozessschritte sind in [5] genannt, jedoch nicht näher erläutert:

Feinmahlung der Rohstoffe,

hydrothermale Reaktion mit CO2 bei 150 bar und 180 °C,

Calcinierung des Autoklavenprodukts MgCO3 bei Temperaturen von ca. 700 °C,

partielle Abscheidung und Verdichtung des CO2,

anschließende Herstellung der (Hydro-)Magnesite,

Abmischung der Produkte.

Mit Hilfe dieser Vorgaben und eigener Plausibilitätsannahmen zu weiteren Prozessschritten wurde eine schlüssige Prozesskette aufgestellt (Bild 3), die die Herstellung dieser Zemente unter großtechnischen Bedingungen abbildet. Hierbei wurden auch potenzielle Wärmerückgewinnungsmöglichkeiten berücksichtigt. Wir haben einen kontinuierlichen Betrieb des Autoklaven unter Berücksichtigung großtechnischer Realisierungsbedingungen modelliert.
Ein wesentlicher Punkt der Untersuchung war, in welchem Umfang sich die in der wässrigen Suspension enthaltene Wärme wieder nutzen lässt und wie eine bestmögliche Wiederverwendung der in der Flüssigkeit gelösten großen Mengen von Hilfschemikalien (NaHCO3, NaCl) gewährleistet werden kann. Die Rückgewinnung von Wärme und Chemikalien nach der Carbonisierung im Autoklaven ist sowohl aus ökonomischen, insbesondere aber aus ökologischen Gründen unbedingt notwendig. Wir gehen davon aus, dass für diese Rückgewinnung eine Abtrennung der wässrigen Phase unter Normaldruck durchgeführt wird. Allerdings ist davon auszugehen, dass die Wärmetönung der Carbonisierung (exotherme Reaktion) nicht ausreicht, um die dabei entstehenden Wärmeverluste auszugleichen. Es muss also thermische Energie zugeführt werden. Des Weiteren sind in der Prozesskette auch Trocknungsschritte zu berücksichtigen. Sie erfordern ebenfalls zusätzliche thermische Energie, insbesondere wenn man annimmt, dass der Ofen für die Calcinierung energetisch so optimiert ist, dass kaum nutzbare Abwärme mehr vorhanden ist.

Welche Methode von den Erfindern gewählt wird, um das im Rauchgas enthaltene CO2 abzuscheiden und zu verdichten, wissen wir nicht. Wir können nur die Bandbreite für den Energieaufwand angeben, den Verfahren benötigen, die derzeit im Rahmen von CCS entwickelt werden.

Ergebnisse und Diskussion

Die Analyse der Prozesskette weist darauf hin, dass der Herstellungsprozess deutlich komplexer einzustufen ist, als die Informationen von Novacem vermuten lassen. Die von uns aufgestellten Energie- und CO2-Bilanzen weisen gegenüber denen von Novacem deutliche Unterschiede auf (siehe Tabellen 2 und 3). Während sich aus den Angaben der Erfinder für die Herstellung einer Tonne Standard Novacem ein Primärenergiebedarf von ca. 3 GJ herleiten lässt, errechnen wir auf Basis unserer Annahmen für eine Tonne Standard (M-S-H)-Zement – der der ­Novacem-Formulierung weitgehend entspricht – ca. 4,5-8 GJ, abhängig vom Wasser- und Kristallwassergehalt der zu trocknenden Materialien. Im Vergleich hierzu beträgt der Primärenergieverbrauch für Portlandzement ca. 4 GJ (Bild 4; Tabelle 1).
Novacem zieht für seine Abschätzung auch Szenarien in Betracht, die sowohl für die thermische als auch für die elektrische Energie ausschließlich Biomasse als Energieträger einsetzen. Dies ermöglicht ihnen, sogenannte „carbon negative cements“ auszuweisen, da die Absorption von CO2 bei der Herstellung des (Hydro-)Magnesits auf der Basis ihrer Systemauslegung zu CO2-Bilanzen führt, die negativ sind (Tabelle 2). Für den High Carbonate Novacem mit deutlich höherem (Hydro-)Magnesit-Anteil (Absorption: – 120,1 kg/t CO2 Novacem) wird von der Erfindern sogar eine Negativ-Bilanz von ca. – 110 kg/t CO2 Novacem errechnet (Tabelle 3).

Der ausschließliche Einsatz von Biomasse für die Produktion eines Massenbaustoffs dürfte unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten ein nicht realistisches Szenario sein, das bestenfalls lokal unbedenklich umsetzbar wäre. Ohnehin stehen entsprechende Energieträger global nicht überall zur Verfügung. Auch darf die Konkurrenzsituation mit anderen Industriezweigen im Hinblick auf den Einsatz dieser Ressource nicht übersehen werden. Die Zuweisung von „Null“-Emissionen basiert auf klimapolitischen Konventionen, bei denen angenommen wird, dass biogene Materialien während ihrer Wachstumsphase der Atmosphäre genauso so viel CO2 entnehmen, wie sie bei ihrer Verbrennung wieder abgeben (Looping). Die Zulässigkeit dieses Herausrechnens von CO2-Emissionen wird aus unterschiedlichen Gründen von der Fachwelt immer häufiger hinterfragt. Zudem wird der Energieeinsatz, der mit der Bereitstellung (Intensivwirtschaft) und dem Transport dieser Ressource verbunden ist, von Novacem nicht berücksichtigt.

Im Rahmen unserer Abschätzungen halten wir es nicht für sinnvoll, die CO2-Emissionen für die Herstellung von einer Tonne Portlandzement (OPC) denen einer Tonne Standard Novacem gegenüber zu stellen, da wir die Eigenschaften und die Funktionalität der Novacem-Zemente nicht genügend einschätzen können. Damit lässt sich auch das Potential dieser Zemente derzeit noch nicht abschätzen. Außer Werten für die Druckfestigkeiten nach 28 Tagen und Angaben zum Erstarrungsverlauf wurden von Novacem keine Informationen zu weiteren Eigenschaften offengelegt. Um Novacem mit Portlandzement vergleichen zu können, müssten Angaben insbesondere zu Formbeständigkeit, Hydratationswärme und Dauerhaftigkeit (Angaben zur Porosität und der Porengrößenverteilung, der Carbonatisierung, zum Widerstand gegen eindringende Chloride sowie zum Frost- und Frost-Tausalz-Widerstand) vorliegen. Generell muss eine Tonne OPC nicht unbedingt einer Tonne Novacem Zement entsprechen. Aufgrund der fehlenden rohstofflichen Emissionen dürften die CO2-Emissionen, die bei der Herstellung einer Tonne Novacem entstehen, auf jeden Fall deutlich niedriger sein.

Ausblick

Der Paradigmenwechsel von der Carbonatisierung hin zur Hydratation ermöglicht Novacem prinzipiell eine Ausweitung des Anwendungsspektrums für dieses neue Binde­mittel gegenüber bisherigen magnesiabasierten Bindemitteln (Bild 5). Gegenüber den in der Patentschrift skizzierten Formulierungen sind mit dem neuen Ansatz höhere Festigkeitswerte erzielbar. Damit stünde ein Bindemittel zur Verfügung, das die Perspektive bietet, die Kapazität für eine Erstellung von Massivbauten zu haben. Damit verbunden wäre allerdings eine geringere Kapazität zur CO2-Absorption. Verfahrenstechnisch steht Novacem vor einer großen Herausforderung, da das Verfahren sehr komplex scheint. Inwieweit Novacem eine dem OPC vergleichbare Performance aufweisen kann, ist schwer abzuschätzen. Gartner weist darauf hin, dass Magnesiumhydroxide weit weniger basisch sind als Calciumhydroxide, was impliziert, dass MgO-basierte zementäre Matrizen wahrscheinlich nur in der Lage sind, den pH-Wert ihres Porenwassers um 10 zu puffern, was für eine herkömmliche Passivierung von Stahl zu niedrig ist [16]. Als Hemmnis für eine Innovation dürfen sicher die „historisch“ bedingten Vorbehalte gegenüber MgO (Periklas) in Zementen nicht unterschätzt werden wie auch der Umstand, dass die Bauindustrie sehr konservativ eingestellt ist und auf Änderungen vorhandener auf herkömmliche Zemente basierende Stoffnormen zurückhaltend reagieren wird.

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