Automatisierungstechnik und -trends in der Baustoffindustrie

Siemens AG

Die Baustoffindustrie kann von automatisierten Herstellungsprozessen und neuen Technologien profitieren.

Industrielle Automatisierungstechnik ist heutzutage auch aus der Produktion von Baustoffen nicht mehr wegzudenken [1]. Sie findet Einsatz in Kleinstanlagen wie in Steinbrüchen, über Beton- und Asphaltmischwerke bis hin zu komplexen Zementwerken. Durch Automatisierungstechnik können Produktionskosten reduziert und die Produktivität der Anlagen erhöht werden. Durch geeignete Messtechnik und die dazugehörigen Steuerungskomponenten lassen sich die Prozesse weiter optimieren und die Anlagenverfügbarkeit erhöhen.

Wenn man sich Industrieanlagen anschaut, stellt man schnell fest, dass die...

Industrielle Automatisierungstechnik ist heutzutage auch aus der Produktion von Baustoffen nicht mehr wegzudenken [1]. Sie findet Einsatz in Kleinstanlagen wie in Steinbrüchen, über Beton- und Asphaltmischwerke bis hin zu komplexen Zementwerken. Durch Automatisierungstechnik können Produktionskosten reduziert und die Produktivität der Anlagen erhöht werden. Durch geeignete Messtechnik und die dazugehörigen Steuerungskomponenten lassen sich die Prozesse weiter optimieren und die Anlagenverfügbarkeit erhöhen.

Wenn man sich Industrieanlagen anschaut, stellt man schnell fest, dass die verschiedensten Energieformen je nach Branche eine mehr oder weniger wichtig Rolle spielen. Allen Industrien gemeinsam ist der erhebliche Einfluss dieser Energieträger auf den Preis des Endproduktes und damit auf die Position am Markt. Wenn es gelingt, die­se Einflussfaktoren immer wieder neu auf den Prüfstand zu stellen und zu optimieren, erhält und festigt man die eigene Marktstellung und liefert gleichzeitig einen entscheidenden Beitrag zum Umweltschutz. Somit lässt sich mit geeigneter Automatisierungstechnik ein wesentlicher Betrag leisten, die Umwelt zu schonen, Energie und Rohstoffe effizient zu nutzen und Emissionen zu reduzieren.


Entwicklung und Gründe für die Automatisierung

Die Automatisierungstechnik ist heute das Rückgrat der industriellen Produktion. Sie macht Anlagen sicherer und produktiver. Vor knapp 85 Jahren hielt die Elektrotechnik über den Transistor Einzug in die Automatisierungstechnik und leitete eine rasante Entwicklung ein, die sich damals keiner selbst in den kühnsten Träumen vorstellen konnte (Bild 1). Damals wie auch heute sind die wesentlichen Gründe für die Automatisierung einer Prozess- oder Produktionsanlage:

Verbesserung und Vergleichmäßigung der Produktqualität

Reduzierung von Kosten (Personal, Energie, Ressourcen)

Erhöhung der Durchsatzleistung

Entlastung des Menschen von schwerer körperlicher oder monotoner Arbeit


Die Automatisierungstechnik zielt unter anderem darauf ab, Maschinen ohne beziehungsweise fast ohne die Hilfe von Menschen arbeiten zu lassen. Angestrebt wird hierbei immer der höchste Automatisierungsgrad. Je mehr die Maschinen und Anlagen selbständig laufen, desto höher der Automatisierungsgrad – und geringer die menschliche Fehlerrate.

Am Anfang beschränkte sich die Anwendbarkeit der Automatisierungstechnik auf große Produktionslinien. Durch den Einsatz flexiblerer Automatisierung ist es heute möglich, auch kleine Anlagen zu automatisieren. Die ersten elektronischen Steuerungen waren fest verdrahtete Systeme mit entsprechend geringer Flexibilität und stark begrenzter Funktionalität. Das neue Bauelement Transistor mit seiner Signal verstärkenden Funktion löste einen regelrechten Automatisierungs-Boom aus. So wurden ­bereits 1955 bei Siemens erste Reglerschaltungen mit Germanium-Transistoren entwickelt.

Der Übergang von der verdrahtungsprogrammierten zur speicherprogrammierbaren Technik führte Mitte der 1970er Jahre zu einem Paradigmenwechsel in der Steuerungstechnik. Die Steuerungsaufgabe wurde nun als Software in Form von Programmen und Bausteinen hinterlegt. Damit konnten Änderungen hardwareunabhängig erfolgen und die Funktionalität stieg, was der Automatisierungstechnik völlig neue Anwendungen erschloss.

Die Einführung von „Totally Integrated Automa­tion“ im Portfolio der Siemens AG brachte Mitte der 90er ­Jahre erneut einen zusätzlichen Schub. Eigenschaften wie durchgängige Projektierung, durchgängige Datenhaltung und durchgängige Kommunikation bestimmten jetzt die Wettbewerbsfähigkeit einer Automatisierungs­lösung. Zunehmende Bedeutung gewannen auch Themen wie Bedienen und Beobachten, die Kommunikation über Bus-Systeme und Netzwerke, wie Profibus oder Industrial Ethernet, sowie das durchgängige Engineering in verteilten Automatisierungsstrukturen. Automatisierungs- und Antriebstechnik waren bis Mitte der 90er Jahre technisch weitgehend eigenständige Bereiche. Erst die allgemeine Verbreitung der Feldbusse und deren funktionelle Erweiterung um taktsynchronen Betrieb und „Querverkehr“ zwischen den Bereichen schafften die Voraussetzung für die zunehmende Integration von Antrieben und Automation. Nun wurde es möglich, von einem Programmiergerät oder PC aus über ein und denselben Bus nicht nur angeschlossene Steuerungen zu programmieren, sondern auch „intelligente Antriebe“ zu realisieren.

Damit war es kein großer Aufwand mehr, auch die Verteilung der elektrischen Leistung innerhalb einer Automatisierungsanlage in das Automatisierungskonzept einzubinden. Heute reicht das „Totally Integrated Power“-Portfolio von Anbietern wie Siemens von Planungswerkzeugen bis hin zum abgestimmten Hardwareangebot: Von Schaltanlagen und Verteilersystemen für die Mittelspannung über Transformatoren, Schalt- und Schutzgeräten sowie Schaltanlagen und Schienenverteiler für die Niederspannung bis hin zum Kleinverteiler und zu Kabeln und Steckern. Über kommunikationsfähige Schalter, Switches und Anschaltmodule können die Produkte und Systeme über quasi beliebige Entfernungen sicher an die Automatisierung angebunden werden. Dadurch lässt sich von der Planung, Projektierung und Programmierung über die Installation bis hin zum Betrieb das ganze Optimierungspotenzial einer durchgängigen Automatisierungslösung bzgl. des Energieverbrauchs ausschöpfen.

Zielsetzung: Digitale Fabrik

Dass der Wandel der Automation damit aber noch nicht zum Stillstand gekommen ist, zeigen Zukunftsthemen wie die „Digitale Fabrik“. Bei der Digitalen Fabrik geht es im Kern darum, Fertigungsabläufe „digital“ zu planen und die Anlagenstruktur, ihre Einrichtungen, Abläufe und Prozesse in digitaler Form im Rechner zu hinterlegen und möglichst wirtschaftlich zu betreiben.

Heutige Software-Werkzeuge setzen auf eine gemeinsame interdisziplinäre und konsistente Datenbasis, welche die verschiedenen Planungsdaten aus Mechanik, Elektrik und Automatisierung in einer Anlagenstruktur integriert und über Modularisierung, Standardisierung und Bibliothekskonzepte intelligent verwaltet. Dabei überwindet die Software die bisherigen Grenzen zwischen allen beteiligten Disziplinen und verbindet die mechanische, elektrische und steuerungstechnische Anlagenplanung für eine zeitoptimierte Auslegungs- und Engineering-Phase und die konsistente Dokumentation einer Produktionsanlage.

Unabhängig von den im Planungsprozess eingesetzten Werkzeugen werden alle Daten in einem digitalen Engineering-System zusammengeführt und unter einer einheitlichen Bedienoberfläche in der betrieblichen Verfahrenskette weitergenutzt: Somit ist ein durchgängiges Datenmanagement von der Planung bis zur Fertigung ­sichergestellt.

Derartige Software-Werkzeuge – wie zum Beispiel das „Life Cycle Engineering and Plant Asset Management“ Comos – ermöglichen auch ein automatisiertes, standardisiertes Arbeiten, reduzieren den Abstimmungsaufwand und erhöhen die Ergebnisqualität bei erheblich geringerem Aufwand zum Beispiel durch die Reduktion von Übertragungsfehlern. Durch den objektorientierten Aufbau der Software kann rasch auf individuelle Anforderungen reagiert werden, und einmal erstellte Applikationsteile lassen sich einfach wiederverwenden. Dabei wird eine aktuelle und konsistente Dokumentation sichergestellt, die sich zu jedem Zeitpunkt während der Anlagenerstellung und des Anlagenbetriebs abrufen lässt.


Automatisierungsbeispiel in der Schüttgutaufbereitung

In Treis-Karden an der Mosel befindet sich einer der modernsten Steinbrüche Deutschlands (Bild 2). Am Beispiel der Schüttgutgewinnung wird im Folgenden eine Automatisierung der Siemens AG beschrieben, die dem Betreiber eine ungewöhnlich hohe Produktivität ermöglicht. Gebrochen wird dort Mosel-Grauwacke, die unter anderem als Schüttgut im Straßenbau zum Einsatz kommt. Neu ist die Möglichkeit, wahlweise Edelsplit für Beton und Asphalt zu erzeugen. Den Materialfluss der gesamten Anlage steuert eine Simatic S7-300 von Siemens. Den einzelnen Aggregaten sind dezentrale Peripheriesysteme Simatic ET200S – zum Teil mit intelligenten Interfacemodulen IM151 – zugeordnet. Visualisiert wird der Anlagenbetrieb über zwei Simatic Multi Panels (Bild  3).

Weitläufige, zum Teil unübersichtliche und schwer zugängliche Teilanlagen mit hohem Wartungsbedarf sind das typische Einsatzgebiet von drahtlos betriebenen ­Simatic Mobile Panels. In Steinbrüchen wurde drahtlose Kommunikation allerdings bisher nicht eingesetzt, weil man befürchtete, dass die Funkwellen durch die vielen Stütz- und Trägerkonstruktionen aus Stahl und die stählernen Silos gestört werden könnten. Zwei Access Points – einer am Vorbrecher, einer nahe den Silos – geben die Wirkbereiche vor und reichen für den Betrieb des ­Mobile Panel (Bild 4) an allen relevanten Punkten der Anlage derzeit vollkommen aus. Ein dritter Access Point ist bei Anlagenerweiterung vorgesehen.

Die Bedien- und Beobachtungs-Software (Simatic WinCC) zur übersichtlichen Visualisierung läuft sowohl auf den Multi Panels als auch auf dem Mobile Panel, so dass Anzeige und Bedienmöglichkeiten des Mobile Panels identisch mit den beiden stationären Panels sind. Der Anlagenbediener empfängt darüber aktuelle Diagnose­meldungen aus der gesamten Anlage, kann sofort reagieren und dadurch Stillstandszeiten vermeiden – oder zumindest deutlich reduzieren. Die Arbeit, die bisher zwei Anlagenbediener ausgelastet hat, kann jetzt leicht einer alleine ausführen, der Kollege steht für andere wichtige Tätigkeiten bereit. Das erhöht nicht nur die Produktivität, sondern auch die Bediensicherheit.

Ein weiteres Beispiel für moderne Automatisierungstechnik in der Baustoffindustrie ist die berührungslose Füllstandsmessung von Schüttgütern (Bild 5) im Freien [2]. Dazu eignet sich hervorragend Ultraschalltechnologie. Ultraschall ist ideal für diese Anwendungen, weil:

die robusten, gekapselten Sensoren extrem stoß- und vibrationsfest sind,

deren stark aktive Sensor-Sendeflächen in leicht staubigen Umgebungen selbstreinigend sind und

der enge Öffnungswinkel jedes Ultraschallsensors auf einen spezifischen Materialfüllstand ausgerichtet werden kann

In letzter Zeit erlangte auch die Radartechnologie breite Anerkennung in der Messtechnik. Sie erfährt ein großes Wachstum bei Anwendungen mit Schüttgütern und ist in der Zementindustrie sogar zur bevorzugten Füllstandmesstechnik für staubintensive Applikationen mit großen Messbereichen geworden. Der Erfolg von Radargeräten bei sehr staubintensiven Applikationen ist auf den Einsatz elektromagnetischer Wellen im Mikrowellenspektrum zurückzuführen. Ein Vier-Leiter-FMCW-Radar-Füllstandmessumformer, der mit 24 GHz und sehr hohem Rauschabstand arbeitet, bietet erweiterte Signalverarbeitung für die kontinuierliche Überwachung von Schüttgütern bis zu einer Messentfernung von 100 m. Er eignet sich deswegen ideal für die Messung bei extremem Staub wie zum Beispiel in Zementsilos.


Weitere Entwicklungspotenziale

der Automatisierungstechnik

Von den folgenden Trends erwarten sich die Anwender der Baustoffindustrie in nächster Zeit zusätzliche Rationalisierungsmöglichkeiten:

die weitere fortschreitende Dezentralisierung,

das weitere Vordringen von Ethernet in die Feld­ebene,

die zunehmende Intelligenz der Feldgeräte und Antriebe, damit erweiterte Diagnose und Wartungsmöglichkeiten,

neue, kostengünstige Sensoren,

die zunehmende drahtlose Kommunikation,

die weitere vertikale Integration mit der unternehmensweiten Vernetzung von betrieblichen Prozessen,

die Optimierung von Anlagenprozessen (Advanced Process Control) und

der zunehmende Einsatz von Energie-Management-Systemen.


Einige dieser Trends sollen im Folgenden näher erläutert werden.


Drahtlose Kommunikation mit Ethernet in der Feldebene

Durch die drahtlose Kommunikation zu Automatisierungsgeräten wird eine noch höhere Flexibilität der Anlage erreicht, Wartungsarbeiten werden vereinfacht, Service- und Stillstandszeiten reduziert. Da der Industrial-Ethernet-Standard Profinet auch für die drahtlose Kommunikation über Industrial Wireless LAN (IWLAN) eingesetzt werden kann, erschließen sich neue Anwendungsfelder. Es können verschleißbehaftete Techniken wie Schleifleiter durch intelligente Kommunikationstechnik ersetzt werden. Auch der Einsatz von fahrerlosen Transportsystemen und mobilen Bediengeräten wird damit möglich. Dabei kann die IWLAN-Verbindung neben dem deterministischen Datenaustausch über Profinet auch für weitere Kommunikationsaufgaben über Standarddienste wie TCP/IP genutzt werden. So lassen sich auch bewegte Maschinenteile nahtlos in eine Anlage integrieren. Dabei ist die Zuverlässigkeit der drahtlosen Kommunikation von essenzieller Bedeutung. IWLAN basiert auf dem bewährten Standard IEEE 802.11 und lässt sich problemlos im industriellen Umfeld einsetzen. Selbst Safety-Anwendungen in Kombination mit Profisafe sind mit IWLAN ohne zusätzlichen Aufwand realisierbar. Profinet führt die Vorteile der in der Industrie bewährten Profibus- und Ethernet-Standards zusammen.


Energiemanagement-Systeme und Optimierung

von Anlagenprozessen

Die Vielfalt unterschiedlicher Produkte und Methoden, die bei der Produktion zum Einsatz kommen, und die teilweise hoch empfindlichen Produktionsprozesse machen eine verlässliche und effiziente Versorgung mit Energie und Rohstoffen notwendig. Egal, welche Energieform (wie Gas, Wasser, Druckluft etc.) man gerade betrachtet, die Systematik, diese effizient einzusetzen und zu optimieren, ist immer gleich.

Allein für die elektrische Energie ergeben sich vier mögliche Optimierungswege:

1. Einführen eines Energiemanagement-Systems
2. Ermittlung und Einsatz der optimalen Antriebslösung (Festdrehzahl- oder variable Drehzahl)
3. Einsatz von Energiesparmotoren
4. Branchenspezifische Prozessoptimierungen


Der Einsatz eines Energiemanagement-Systems ermög­licht sowohl Einsparmöglichkeiten bei der Energiebeschaffung als auch beim Energieverbrauch. Stellt man sich die Einflussfaktoren in einem Koordinatensystem (Bild 6) vor, sieht man anschaulich, wie sich die verschiedenen Faktoren bemerkbar machen.
Bei der Optimierung von Anlagen wird schnell klar, Verluste können nur dann aufgespürt werden, wenn die Verbräuche der unterschiedlichen Anlagenteile im Einzelnen bekannt und vergleichbar sind. Moderne Energiemanagement-Systeme basieren auf standardisierten Komponenten, die vielfach in der Anlage vorhanden sind und somit einfach und effektiv zur Erfassung genutzt werden können. Neben der Erfassung der elektrischen Energie sollten ebenfalls alle anderen Energieformen erfasst werden, um insgesamt die Transparenz zu schaffen, denn in einer Industrieanlage findet Energiemanagement auf verschiedenen Ebenen statt. Beginnend mit der Feldebene werden die erforderlichen Basisdaten über entsprechende „Sensoren“ erfasst, um später in den zugeordneten Steuerungen aufbereitet und verdichtet zu werden. Diese Daten werden nun dem Bedienpersonal zur Verfügung gestellt. Hierunter fallen auch die Vor­gaben des Lastmanagements für das Zu- bzw. Abschalten von Anlagenteilen. Das Leitstandpersonal kann in der Regel solche Vorgabe annehmen oder bei kritischen Anlagensituationen auch ablehnen oder im Wertebereich (kurzfristig) verschieben.

Die Beschaffung der benötigten Energie wird ein zunehmend wichtiges Thema, speziell für energieintensive Industrien wie die Zementbranche. Hier benötigt der Einkauf tragfähige Szenarien, die den Prozess so exakt wie möglich abbilden. Dazu gehören beispielsweise auch Module, die es ermöglichen, verschiedene Verbrauchsprofile durchzurechnen, um auch in Teilbereichen optimieren zu können. Nur wenn man in der Lage ist, korrekte Energieprognosen zu erstellen, wird man auch seine Budgets qualitativ planen können. Eben diese Planungssicherheit versetzt den Endverbraucher in eine starke Position, um mit dem Energieversorger wirkungsvoll verhandeln zu können. Ist ein Energiefahrplan mit guten Bezugskondi­tionen verhandelt, kann dieser Fahrplan über das Energiemanagement-System der Anlage an das Lastmanagement übertragen werden. Wenn ein Energiemanagement-System auf einer Anlage eingeführt ist, ist damit jedoch die Optimierungsarbeit noch nicht beendet: Eigentlich sind nur die Grundlagen, d. h. die Hilfsmittel und Werkzeuge dafür geschaffen worden, sich an das eigentliche Ziel ­einer energieeffizienten Anlage immer weiter anzunähern.

Moderne Automatisierungstechnik hilft in Zementwerken (Bild 7) auch beim Energiemanagement von Sekun­därbrennstoffen. Intelligente Softwaremodule (z. B. der Cemat Fuel-Manager von Siemens) lassen sich relativ einfach in vorhandene Steuerungssysteme integrieren, um die Brennstoffdosierung von Primär- und Sekundärbrennstoffen so zu optimieren, dass (auch hier) ein hoch­effizienter Brennprozess stattfindet und damit Energie­kosten gesenkt werden können.


Qualität stabilisieren und Zeit sparen

Mit Unterstützung von Softwarewerkzeugen (z. B. Neuro-Fuzzy und Model-based Predictive Control (MPC), s. u.) lassen sich Prozessparameter schneller bestimmen und somit zum Beispiel die Qualität von Zementmühlen optimieren. Ein neuronaler Softsensor erfasst die Prozess­eingangsgrößen und trifft eine Feinheitsvorhersage des Mahlgutes der Zementmühle; dies geschieht in Echtzeit. Die Bestimmung der Feinheit im Labor dauert einige Minuten und somit steht der Laborwert für eine schnelle Regelung nur bedingt zur Verfügung. Um Prozessschwankungen zu reduzieren und den Mahlprozess zu stabilisieren, wird ein modellbasierter Messgrößenregler (sog. Model-based Predictive Control = MPC) eingesetzt. Er verfügt über ein vollständiges Modell der Prozessdynamik mit allen Verkopplungen. Die Kombination aus neuronalem Softsensor und dem MPC-System trägt in besonderer Weise dem komplexen Charakter des Mahlprozesses Rechnung. Das so erreichte gleichmäßigere Mahlverfahren optimiert die Durchsatzmenge der Mühle, bei gleichbleibender und gewünschter Qualität, und entlastet den Anlagenfahrer.

Alle diese Maßnahmen müssen regelmäßig überprüft und verbessert werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben, eine effiziente Anlage/Werk zu betreiben und auch die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. Während der ganzen, hier nur teilweise beschriebenen Prozesskette vom Brechen des Rohmaterials bis zu zum Endprodukt einer Zementmühle wird es immer wieder der aufmerksame Mitarbeiter sein, der weitere Einsparpotenziale erkennt und diese für zusätzliche Maßnahmen nutzt. Dann lässt sich mit geeigneter Automatisierungstechnik ein wesentlicher Betrag leisten, die Umwelt zu schonen, Energie und Rohstoffe effizient zu nutzen und unerwünschte Emissionen zu reduzieren.

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