Mörtel: In Zukunft keine individuellen Prüfungen notwendig?

Über 40 Trockenmörtelexperten aus ganz Europa waren einer Einladung des Fraunhofer Instituts für Bauphysik in Holzkirchen, der EMO (European Mortar Organisation) und des Industrieverbandes WerkMörtel e.V. nach Holzkirchen in Bayern/Deutschland gefolgt. Präsentiert wurden dort die Ergebnisse einer unabhängigen Studie zur Umweltkompatibilität mineralischer Mörtel unter mitteleuropäischen Witterungsbedingungen. Das Fraunhofer Institut hatte spezifische Methoden zur Charakterisierung der Verwitterungsbedingungen und zur Innenluftprobenahme (Bild 1) ausgearbeitet um eine Studie mit einer Laufzeit...

Über 40 Trockenmörtelexperten aus ganz Europa waren einer Einladung des Fraunhofer Instituts für Bauphysik in Holzkirchen, der EMO (European Mortar Organisation) und des Industrieverbandes WerkMörtel e.V. nach Holzkirchen in Bayern/Deutschland gefolgt. Präsentiert wurden dort die Ergebnisse einer unabhängigen Studie zur Umweltkompatibilität mineralischer Mörtel unter mitteleuropäischen Witterungsbedingungen. Das Fraunhofer Institut hatte spezifische Methoden zur Charakterisierung der Verwitterungsbedingungen und zur Innenluftprobenahme (Bild 1) ausgearbeitet um eine Studie mit einer Laufzeit von drei Jahren (Start Oktober 2006, letzte Werte werden im Oktober 2009 genommen) durchführen zu können. Das gibt Forschern zum ersten Mal die Gelegenheit, Material zu analysieren, das unter Realbedingungen aus Mörteln ausgeschwemmt wurde und nicht im Labormaßstab unter beschleunigten bzw. simulierten Witterungsbedingungen generiert wurde.

 

Drei Hauptforschungsgebiete wurden untersucht:

Teil 1: Ausschwemmungen aus 15 unterschiedlichen Mörteln im Außenbereich

Teil 2: Emissionen aus 21 Produkten hinsichtlich der Innenraum-Luftqualität

Teil 3: Radioaktivität von 31 Proben

 

Für die meisten Tests mussten speziell entwickelte Testmethoden eingesetzt werden, allein für die Probenhalter für die Außentests musste viel geforscht und ausprobiert werden. Grundlage der Studie waren Untersuchungen, ob Trockenmörtel eine Gefährdung für die Umwelt (Boden, Luft, Grundwasser) bzw. für die Bewohner eines bestimmten Gebäudes darstellen. Ein Nebeneffekt ist, dass die Untersuchungsergebnisse Europäischen Mörtelproduzenten helfen werden, die Einstufung WT (without testing, ohne Prüfung) bzw. WFT (without further testing, ohne erneute Prüfung) zu erreichen, die in Zukunft nach Europäischer Gesetzgebung für Baustoffe und Mörtel im Speziellen gelten, ein Prozess, der vom CEN TC 351 und der Europäischen Kommission geleitet wird.

 

Prof. Dr.-Ing. Klaus Sedlbauer (Leiter des Fraunhofer Institutes für Bauphysik) und Dr. Hans-Joachim Riechers (Vorsitzender Industrieverband WerkMörtel e.V.) begrüßten stellvertretend für ihre Organisationen die Delegierten. Der erste Vortrag kam von Dr. Gerhard Spanka (VDZ, Verein Deutscher Zementwerke e.V.), der über die „WT“ und „WFT“ Kategorien und wie sie erreicht werden können referierte. Ihm folgte Outi Ilvonen (Umweltbundesamt), die über den Ansatz der CEN TC 351 hinsichtlich der WT- und WFT-Einstufung berichtete. Eine aktuelle Studie stellte Dipl.-Chem. Christian Scherer (Fraunhofer Institut für Bauphysik) vor. Seine Präsentation enthielt die Teile 1 (Verwitterung) und Teil 2 (Innenraum-Emissionen) der Studie. Karin Wichterey (Bundesamt für Strahlenschutz) behandelte die Messungen der Radioaktivität, die im Rahmen der Studie durchgeführt wurden (Teil 3).

 

Nach der Mittagspause hatten die Delegierten die Gelegenheit, die Verwitterungsproben unter Idealbedingungen (für die Proben) bei strömendem Regen und niedrigen Temperaturen zu besichtigen (Bild 2). Im Anschluss wurde der Aspekt der Grundwasser-Verunreinigung durch Lösungen aus mineralischen Mörteln von Dr. Holger Nebel und Anya Vollpracht (beide vom Institut für Baustoffforschung der RWTH Aachen) behandelt. Eine Diskussion über die weitere Vorgehensweise, moderiert von Dr. Riechers, bildete den Abschluss der Konferenz.

 

Dipl.-Chem. Christian Scherer fasste die Ergebnisse wie folgt zusammen: „... auf unseren Testflächen waren über 300 Mauermörtel- und Putz-Proben Außenbedingungen über einen Zeitraum von drei Jahren ausgesetzt. Das Regenwasser, das von diesen Proben abfloss, wurde gesammelt und analysiert. Auf diese Art und Weise haben wir eine sehr umfassende und in Europa einzigartige Sammlung an Messdaten erhalten.“ Die Studie beweist, dass mineralische Mörtel keine Gefährdung für Boden, Grundwasser und die Gesundheit von Personen darstellt. Das gleiche gilt für die Innenraumluft-Qualität (die Gehalte an VOC waren deutlich unter den akzeptierten Grenzwerten) und die Strahlung. Andere Fassadenausführungen müssen nun eine vergleichbare exzellente Leistungsfähigkeit hinsichtlich der Umweltaspekte beweisen. Dr. Holger Nebel bestätigte die Studie mit eigenen Laborergebnissen. Nach Dr. Riechers wird der Industrieverband WerkMörtel e.V. und die EMO die Ergebnisse auf Europäischer Ebene einführen, so dass „... die Hersteller von Trockenmörtel ihre Produkte in Zukunft nicht individuell testen lassen müssen. Natürlich sind Ergebnisse aus verschieden Europäischen Ländern notwendig um diesen Sachverhalt zu untermauern.“ Die Deutschen Behörden sehen diese Studie als ein Pilotprojekt, welches sie von Beginn an unterstützt haben. Sollte die WT-Kategorie für mineralische Mörtel erreicht werden, würde das erhebliche Kosteneinsparungen und weniger administrativen Aufwand für die Europäische ­Trockenmörtelindustrie nach sich ziehen.

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