Die Trockenmörtelindustrie weltweit (Teil 1)

Zusammenfassung: Die Trockenmörteltechnik spielt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung des heutigen Weltmarkts für Baustoffe. Mörtel spielt nicht nur bei der ästhetischen Oberflächengestaltung eines Gebäudes eine Rolle, immer mehr übernimmt er auch die Funktion der Wärmedämmung und trägt wesentlich zu einer zunehmenden Baueffizienz bei. Überall auf der Welt werden neue Anwendungsbereiche entwickelt um spezifischen Zielstellungen der Bauindustrie sowie der allgemeinen Öffentlichkeit gerecht zu werden (z.  B. in Umweltfragen). Seit 2005 beträgt das Wachstum der neuen Märkte mehr als 20  % pro Jahr. Dieses Wachstum wird kaum durch die Wirtschaftskrise beeinträchtigt, die hauptsächlich die „alten Wirtschaftsgebiete“ und Boomtowns wie Dubai betroffen hat.

1 Einführende Bemerkungen, Definitionen, Standards

1.1 Definitionen

Mineralisch gebundene Mörtel werden seit mehr als 2500 Jahren verwendet. Im Laufe der Geschichte haben Bauunternehmer, Architekten und Bauarbeiter die folgenden Fachbegriffe für die individuellen Baustoffe, die sie verwenden, gefunden:

 – Trockenmörtel: trockene Mischungen von Zuschlagstoffen und Bindemitteln (Zement, Kalk, Gips), einige mit leistungsfördernden Zusätzen und Polymeren. 

– Außenputz (zementär): Mörtelanwendung in großen ­Volumina für die Oberflächenbehandlung von Ziegel- und Hohlblockmauerwerk, zementgebunden,...

1 Einführende Bemerkungen, Definitionen, Standards

1.1 Definitionen

Mineralisch gebundene Mörtel werden seit mehr als 2500 Jahren verwendet. Im Laufe der Geschichte haben Bauunternehmer, Architekten und Bauarbeiter die folgenden Fachbegriffe für die individuellen Baustoffe, die sie verwenden, gefunden:

 – Trockenmörtel: trockene Mischungen von Zuschlagstoffen und Bindemitteln (Zement, Kalk, Gips), einige mit leistungsfördernden Zusätzen und Polymeren. 

– Außenputz (zementär): Mörtelanwendung in großen ­Volumina für die Oberflächenbehandlung von Ziegel- und Hohlblockmauerwerk, zementgebunden, Schichtdicken von 5 mm bis 40 mm, sowie verwandte Materialien wie Vorwurf, Verbundschicht, zementhaltiger Voranstrich und Feinputz (1–2 mm).

– Putz (innen): Mörtel für Innenanwendung zur Oberflächenbehandlung von Ziegel- und Hohlblockmauerwerk, entweder auf der Basis von Zement oder von Gips, Schichtdicken von 2 mm bis 25 mm.

– Exterior Insulation and Finishing Systems (EIFS) – ähnlich den Wärmedämmverbundsystemen (External Thermal Insulation Composite Systems – ETICS)

– Estrich: fließfähiges Material auf der Basis von Zement oder Anhydrit für den Fußbodenaufbau, Schichtdicken 20 bis 50 mm

– Selbstverlaufsmassen (SLU): flüssiges (niedrigviskoses), selbstfließendes Material zur abschließenden Nivellierung von Böden, Schichtdicken 2 bis 5 mm.

 

1.2 Ausschlüsse

Mörtel gibt es in verschiedenen Zusammensetzungen und physikalischen Erscheinungen. Im vorliegenden Bericht wurden die in Tabelle 1 genannten Mörtelprodukte und -anwendungen ausgeschlossen, da sie keine klassischen Trockenmörtel sind.

 

1.3 Standards

Trotz individueller regionaler Bautraditionen ist es eine Tatsache, dass die Bauindustrie immer mehr auf globalem Niveau arbeitet, und dass daher weltweit ein gewisser Trend zur Standardisierung zu beobachten ist. Im vorliegenden Artikel werden die gut entwickelten Normen der EU (EN) als Bezugswerte verwendet, sofern nicht anders vermerkt (Tab. 2). Die Standards ANSI und ASTM haben ebenfalls relevante Abschnitte für ­Trockenmörtel, speziell für Fliesenkleber, entwickelt. Zurzeit findet eine Abstimmung dieser Tests und Verfahren mit den EN
Normen statt, die Ergebnisse sind als ISO Standard 13007 veröffentlicht worden (entwickelt von der Fachgruppe ISO/TC 189).

 

1.4 Hauptanwendungsgebiete

Die Hauptanwendungsgebiete sind in Tabelle 3 zusammengefasst.

 

2 Die Geschichte des Trockenmörtels

Fertige Gemische aus Zuschlagstoffen und reaktiven Bindemitteln, wie z.B. Kalk oder Gips, sind seit Jahrhunderten bekannt (Bild 1). Mit der Einführung von Zement im 19. Jahrhundert änderte sich der gesamte Bauprozess, und neue Anwendungen wurden möglich. Fugenmörtel und Putz konnten auf der Baustelle gemischt werden und gestalteten den Bauprozess viel einfacher und die Gebäude wurden dauerhafter. Industrieller Trockenmörtel wurde in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg entwickelt und gewann in der dynamischen Wiederaufbauphase dieses Landes in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entscheidende Bedeutung. Bedeutende Innovationen, wie spezielle Celluloseether für das Wasserrückhaltevermögen und die Erfindung von Dispersionspulvern als ergänzende, flexible Bindemittel brachten in den 60er Jahren den Durchbruch dieser Technologie. Die 60er und 70er Jahre waren durch die Automatisierung der Anwendung auf den wesentlichen Märkten Westeuropas geprägt. Das betraf insbesondere Massenprodukte wie Mauermörtel, Außenputz, Fußbodenestrich und Gipsputz. In der Zwischenzeit hatte die beachtliche Entwicklung von Trockenmörtel auf den Gebieten zementhaltiger Fliesenkleber (CTA), von Selbstverlaufsmassen (SLU) und Betonsanierungssystemen zur Ausbreitung dieser Technik in Europa geführt. Nach der ersten Ölkrise 1973 wurde die Wärmedämmung von Gebäuden sehr wichtig. Neue Systeme (ETICS; EIFS) wurden entwickelt und auf dem Markt eingeführt, oft flankiert von gesetzlichen Maßnahmen. In den 1980er Jahren hielt die Trockenmörteltechnik auf allen Kontinenten Einzug. Die politischen Veränderungen in Osteuropa führten in den 90er Jahren zu einer gewaltigen Nachfrage nach modernen Trockenmörtelsystemen. Die Jahrtausendwende brachte ein explosionsartiges Anwachsen der Nachfrage in Asien, besonders in China und im Mittleren Osten (Bild 2). Die Weltproduktion an Trockenmörtel im Jahr 2007 war zwischen 100 Mio. t (Leopolder) und 150 Mio. t (Plank) [1] eingeschätzt worden.


3 Marktausblick und Einschätzung der Nachfrage

Statistisches Material zur Einschätzung der Marktgröße für Trockenmörtel ist nur in geringer Menge verfügbar und uneinheitlich. Eine Bottom-up-Studie der Kapazitäten und ihrer Auslastung ist nicht verfügbar. Aus diesem Grund kann im vorliegenden Bericht nur eine grobe Angabe dieser Parameter in Tonnen gemacht werden. Auf Angaben zum Umsatz musste komplett verzichtet werden. Die Markteinschätzung wurde mit Hilfe zweier Methoden vorgenommen:

– bottom-up (Einschätzung, wie viel produziert wurde)

– top down (Einschätzung, wie viel Zement für Mörtel verbraucht wurde; s. 3.2).

Dieser Bericht bezieht sich bei bestimmten Gebieten auf die angegebenen Quellen sowie auf eigene Daten, die über Jahre gesammelt wurden.

 

3.1 Globale Produktionsvolumina

Auf Grund unterschiedlicher statistischer Methoden weisen verschiedene Quellen unterschiedliche Ergebnisse auf. So schätzte zum Beispiel Harder die Trockenmörtelproduktion in Europa für das Jahr 2006 auf 41,5 Mio. t [2]. Die geschätzte Menge in diesem Bericht beträgt 49,4 Mio. t (ein Unterschied von mehr als 20  %). Plank nimmt an, dass die Weltproduktion von Trockenmörtel im Jahr 2006 100 Mio. t erreicht hatte und 2007 150 Mio. t erreichen würde [3]. Im vorliegenden Bericht geht man von 85 Mio. t (2006) aus (Bild 3). Die jährlichen Wachstumsraten (Volumen) zwischen 2005 und 2008 lagen in den Märkten der Schwellenländer und in den Wachstumsmärkten gut über 20  %. In Europa schwankten sie zwischen 8  % (Deutschland) und mehr als 30  % (Rumänien).

 

Ein wesentlicher Einschnitt in der Marktentwicklung erfolgte durch die Wirtschaftskrise. Ausgelöst durch bonitätsschwache Hypothekenanleihen in den USA und dem folgenden Finanzierungscrash des Immobilienmarkts im Jahr 2007, erreichte das Fieber Europa Anfang 2008 und infizierte zuerst den inflationären „Zweitwohnungs-Markt“ in Spanien (Rückgang des Bauvolumens um 40  % gegenüber 2007), dann Irland und die Britischen Inseln. Als dann in den Nachwehen große Banken im September 2008 zahlungsunfähig wurden, waren auch die großen europäischen Märkte, wie Deutschland und Frankreich, betroffen. Es folgten die mittel- und osteuropäischen Staaten (z.  B. verursacht durch die Abwertung des russischen Rubels).

 

Da mehrere Anlagen in Spanien, Frankreich, Irland, Groß­britannien und Deutschland stillgelegt wurden, um den Markt in den Jahren 2008 und 2009 zu regulieren, und während der fortlaufenden Krise viele weitere geschlossen und eingemottet wurden, ist eine Einschätzung der weltweiten Volumina bis zum jetzigen Zeitpunkt sehr schwierig. Auch sind die bis heute reduzierten Auslastungen der Werke ein nur schwer einzuschätzender Faktor. Unter Berücksichtigung der immer noch wachsenden Märkte in China und dem Mittleren Osten schätzen wir ein, dass der Markt 2007 ein Nullwachstum hatte, und dass das Volumen 2008 und auch 2009 um jeweils 10  % zurückging. Bei einer Erholung der wichtigen Märkte im Jahr 2010 könnten die Zahlen von 2006/2007 eventuell bis Ende 2010 erreicht werden. China, die Hauptwachstumsregion, sieht sogar größere Volumen für 2009 und 2011 vor und will schon im Jahr 2010 50 Mio. t erreichen, wir haben uns allerdings entschieden, diesen sehr optimistischen Ausblick unter Verwendung anderer Quellen zu reduzieren (Bild 4).

 

3.2 Zement für die Mörtelproduktion

Eine zweite Methode, den weltweiten Bedarf an Trockenmörteln einzuschätzen, kann durch eine Auswertung der Zementstatistik versucht werden. Saarinen und Halonen [4] schildern diese Methode genau am Beispiel des Mittleren Ostens. Im vorliegenden Bericht wird versucht, diese Methode unter Verwendung globaler Zahlen zu extrapolieren. Im Prinzip werden die Zahlen des in Säcken gelieferten Zements verwendet, um die Menge des auf den Baustellen produzierten Mörtels zu bestimmen. Tabelle 4 zeigt einen typischen Zementabsatz in gesättigten Märkten.

 

2005 produzierte China 1 Mrd. t Zement, meistens für den inländischen Verbrauch, was für dieses Jahr 45  % der Weltproduktion bedeutete, die 2,22 Mrd. t betrug. Aber in der chinesischen Statistik der Zementproduktion sind definitiv Fehler enthalten. Experten aus der Industrie schätzen, dass China 2005 nur 700 Mio. t Zement produzierte. Die Menge des gelieferten Zements in Säcken ist von Land zu Land sehr unterschiedlich (z.  B. Indien, wo mehr als 40  % des Zements abgesackt an kleine Händler und Baustellen versandt wird, gegenüber Deutschland, wo dieser Prozentsatz unter 8  % liegt). Wenn man die verfügbaren Daten kombiniert, kann man sagen, dass 15 bis 18  % des produzierten Zements für Mörtel verwendet werden. Wenn man annimmt, dass der Zementanteil am Trockenmörtel 25  % beträgt, ergibt sich eine Zahl von 1,45 Mrd. t bis 1,76 Mrd. t Mörteln weltweit – darin sind alle Mörtel, eben auch die vor Ort mit der Hand gemischten enthalten (s. Pkt. 3.1).

 

Natürlich sind die Schwankungen und Ungereimtheiten vielfältig. Man kann jedoch eine grobe Bestimmung der weltweit eingesetzten Mischungen auf Baustellen gegenüber Trockenmörteln vornehmen, was zu der Aussage berechtigt, dass Trockenmörtel zwischen 5,9  % und 7,1  % (in Abhängigkeit von der Quelle) des gesamten weltweiten Mörtelvolumens ausmacht. Da ist tatsächlich noch Raum für ein Wachstum der Trockenmörtelindustrie (Bilder 5 und 6)!

 

3.3 Kapazitäten und Marktentwicklung

Dieses gewaltige Substitutionspotential kann jedoch nicht sofort in Trockenmörtel konvertiert werden. Die lokale Situation bezüglich der Absatzstruktur für Zement, traditionelle Bauweisen (z.  B. Holzfachwerkbau in den USA), extreme Logistiksituationen (z.  B. Indonesien besteht aus mehr als 17 000 Inseln, wovon mehr als 6000 nicht bewohnt sind und nur 10 von ihnen als richtig industrialisiert betrachtet werden können) und teilweise sehr kleine Baustellen auf den jungfräulichen und Wachstumsmärkten verhindern dies. Es gibt jedoch Beispiele, wo die staatliche Gesetzgebung die Einführung von Trockenmörtel durch das Verbot des Mischens von Baustoffen auf Baustellen, zumindest in den Großstädten (z.  B. Singapur, mehrere Städte mit Selbstverwaltung in China, s. Zhao et al. [8]) beschleunigen kann. Daher konzentriert sich die Trockenmörtelindustrie in den Märkten der Schwellenländer und Wachstumsmärkten auf Produktionsstandorte in der Nähe von entwickelten Gebieten, wo die Effizienz der Technologie die meisten Vorteile bietet, und wo der Endnutzer besonders anspruchsvoll ist. Aus diesem Grund bleiben ländliche Gebiete in vielen Fällen unterentwickelt, und es wird noch Jahrzehnte dauern, bis unsere Industrie all diese weißen Flecken erreicht haben wird. Um die Kapazitätsentwicklung einzuschätzen ist es hilfreich, die Errichtung hochentwickelter, automatisierter Anlagen für Trockenmörtel zu beobachten. Einige Beispiele werden in Tabelle 5 gezeigt.

 

Bezüglich der meisten o.  a. Beispiele sind einige Projekte in Vorbereitung, um dem erwarteten Bedarf gerecht zu werden. Die Wachstumsrate des Bauwesens liegt in diesen Gebieten und Metropolen deutlich über 25  % pro Jahr, und die Substitution konventioneller Baumethoden spielt eine wesentliche Rolle.

 

Es kann passieren, dass es ein Überangebot gibt, wenn zu viele Kapazitäten gleichzeitig in Betrieb gehen, während andererseits der Markt selbst nicht genügend wächst oder sogar schrumpft (z.  B. Singapur Ende der 90er Jahre, als neue Kapazitäten mit der Krise in Südostasien zusammenfielen oder Dubai 2009). Ein Überangebot führt zu einem schnellen Verfall der Preise und dann zu einem Nachlassen der gesamten Produktqualität. Länder mit schnell wachsenden Produktionskapazitäten sind China, Brasilien und bis zu einem gewissen Grad Russland. Während der Krise werden jedoch Einschätzungen für all diese Märkte schwierig. Überangebote gab es regelmäßig auf den Hauptmärkten in Westeuropa (z.  B. in Deutschland seit 1998, in Spanien seit 2007, in Irland seit 2008).

 

3.4 Die wichtigsten Mörtelproduzenten

Um einen Überblick über die wichtigsten Hersteller von ­Trockenmörtel zu bekommen, bedarf es einer differenzierten Herangehensweise. Am besten ist es, zwischen den im Folgenden aufgeführten Unternehmenstypen zu unterscheiden (Tabelle 6 gibt Beispiele). Wenn man die weltweit größten Unternehmen auflistet, sollte man auf die Methode, die nur das Volumen berücksichtigt, verzichten, und dafür die Position betrachten, die diese Unternehmen in ihren speziellen Fachgebieten einnehmen. Tabelle 7 enthält die wichtigsten Produzenten von Trockenmörteln. Nach Harders Einschätzung gibt es allein in Europa 790 Trockenmörtelwerke (im Jahre 2006) [4], wovon 245 zu fünf Großkonzernen mit jeweils mehr als 20 Anlagen gehören. Nach eigenen Recherchen werden zur Zeit weltweit mehr als 900 hochtechnisierteWerke betrieben. Darüber hinaus gibt es mehr als 50 kleinere, aber regional wichtige Hersteller von Trockenmörtel.   


In der Trockenmörtelindustrie sind zur Zeit drei bemerkenswerte Trends zu beobachten:

– Globalisierung in neuen Regionen

– Konsolidierung auf den gesättigten Märkten

– Bildung globaler Konzerne.

 

Unternehmer mit Pioniergeist, lokale und internationale Zementhersteller (Typ 1) sowie spezialisierte Trockenmörtelkonzerne (Typ 2) haben die Potentiale von Trockenmörtel auch in den neuen Märkten erkannt. Die wesentlichen Impulse gehen dabei von den internationalen Bauunternehmen und Architekturbüros für Fremdenverkehrsorte sowie für Wohnungsbau, Büroflächen und Einzelhandel aus. Sie verlangen Materialien nach dem neuesten Stand der Technik sogar in den entlegensten Gebieten (z.  B. in der Mongolei, in Kasachstan und Vietnam). Der boomende Markt in China wächst mittlerweile so stark, dass auch Produkte mit höherer Wertschöpfung vor Ort produziert werden, Importe gehen gegen Null.

 

Seit der Rezession im Bauwesen in Mittel- und Westeuropa Ende der 90er Jahre und zu Beginn dieses Jahrhunderts ist in Europa ein starker Konsolidierungsprozess in Gang gekommen. Kleinere Produzenten von Volumenprodukten oder Spezialmörteln wurden von größeren Unternehmen oder Konzer-nen erworben, Unternehmen mittlerer Größe fusionierten (Tabelle 8).

 

Obwohl dieser Konsolidierungsprozess jetzt nahezu abgeschlossen ist, ist die Bildung weltweit aktiver Konzerne immer noch im Gange. Rein vom Volumen her ist St. Gobain Weber einschließlich Maxit weltweit der größte Hersteller von Trockenmörtel. Nach Harder haben auf der Grundlage von Werten aus dem Jahr 2006 beide Unternehmen zusammen eine Produktionskapazität von 10,4 Mio. t. Bei Annahme einer Auslastung von 75  % würde das ungefähr 10  % der geschätzten Weltproduktion im Jahr 2006 ausmachen. Weitere große Trockenmörtelproduzenten vom Volumen her sind Cemex, DAW/Alsecco, Knauf, Baumit, Hasit (Fixit) und Quickmix sowie die verschiedenen Lizenznehmer der Marke Sakret.

 

4 Die Welt nach Regionen

Die Entwicklung von Trockenmörtel auf dem Weltmarkt wird nach unserer Auffassung von vier wesentlichen Einflussfaktoren bestimmt:

– Der Ursprung von Trockenmörtel in Mitteleuropa führt auch zum Wachstum der benachbarten Märkte.

– Die internationalen Bauunternehmen und Mörtelkonzerne verbreiten ihn weltweit.

– Große Volkswirtschaften (z.  B. in Brasilien, China) passen die Technologie an und initiieren einen Technologiewandel; die Kombination aus lokaler Forschung und importiertem Know-how führt zu einer Weiterentwicklung der Technologie.

– Wirtschaftliche und Umwelterwägungen führen zur Einführung von Trockenmörtel auf breiter Front.

 

Zur Charakterisierung spezieller Regionen können diese in vier Kategorien eingeteilt werden (Tabelle 9).

 

Die folgenden Einteilungen basieren auf dem Durchdringungsgrad der Trockenmörteltechnik in den einzelnen Ländern. Dieser Substitutionsprozess wird nach folgenden Kriterien bewertet: Menge des verkauften Trockenmörtels, Reife der Formulierung,  den Substitutionsprozess begleitende gesetzgeberische Maßnahmen, seit wann gibt es Trockenmörtel in dieser Region sowie Grad der Automatisierung der Baustelle. Bedeutende Länder wurden  herausgenommen und einzeln aufgeführt. Jeder Markttyp hat sein eigenes Wachstumspotential. Die Mechanismen der gesättigten Märkte wurden bereits diskutiert. Im Folgenden werden die Faktoren genauer beschrieben, die für die Wachstums- und neuen Märkte wichtig sind, wo es die meisten Möglichkeiten des Wachstums sowohl von der Größe als auch von der technischen Weiterentwicklung her gibt ­(Tabelle 10).

5 Die wesentlichen Einflussfaktoren des Marktes für Trockenmörtel in den neuen und Wachstumsmärkten

5.1 Ökologie und lange Lebensdauer

„Ökobau“ hat sich sehr schnell von einem reinen Schlagwort zu einer realen Betrachtungsweise in vielen Ländern der Erde entwickelt. Die Debatte zur globalen Erwärmung und die Notwendigkeit der Verlängerung der Lebensdauer eines Bauwerks zur Erreichung nachhaltiger Baustandards hat den Regierungen vor Augen geführt, dass die Initiative zu einer solchen Methode der Bautechnik nur verwirklicht werden kann, wenn sie von einer spezifischen Gesetzgebung begleitet wird. Die Trockenmörteltechnik ist eindeutig Bestandteil einer Strategie, um die Ziele Effizienz, Sicherheit am Arbeitsplatz, Reduzierung von Abfall, Haltbarkeit und Energieeinsparung zu erreichen.

 

5.2 Durchgängig gute Qualität

Die Anforderungen der Planer (Architekten, Berater, Bauunternehmen) wachsen ständig. Auch die Anforderungen an die Haltbarkeit von Immobilien (wartungsarm, wartungsfrei) spielen eine große Rolle für die Entscheidungsfindung der Endverbraucher. Schlechte Gewerksausführung ist in vielen Fällen selbst wahrnehmbar. Die Verwendung von minderwertigen Materialien kann jedoch normalerweise vom Laien nicht entdeckt werden, bevor er eingezogen ist.

 

Es ist die Aufgabe unseres Industriezweigs, Qualitätsgemeinschaften zu entwickeln, die den endgültigen Käufer von der Qualität der Arbeit überzeugen. In einigen Ländern gibt es ­bereits solche Systeme als Bewertungssysteme für die Oberputzqualität von Gebäuden (z.  B. „Conquas Score“, die Datenbank „IQas“ in Singapur) oder für die Energieeffizienz (z.  B. „Energiepass“ in Deutschland, „LEED“ Bewertung in den USA).

 

Besonders auf Wachstumsmärkten verwirren irreführende Produktkennzeichnungen und Behauptungen zu Leistungen die Planer, es ist nicht immer einfach, diese betrügerische Praxis zu stoppen. Normen helfen Produkte zu differenzieren und von schlechten Materialien abzugrenzen. In einigen Ländern hat die Trockenmörtelindustrie zugestimmt, dass Produktproben einer systematischen Kontrolle unterzogen werden (z.  B. Qualitätsgemeinschaft Deutsche Bauchemie, QDB e.V. in Deutschland, Qualitätssiegel von MEDMA und SEADMA, s. Haddadin [9]). Auf diese Weise können die Glaubwürdigkeit der Firmen auf dem Markt gefördert, Nichtübereinstimmungen entdeckt und die Gesamtqualität verbessert werden (Bild 7). 


5.3 Effizienz und Logistik

Bei steigenden Lohnkosten, auch in Schwellenländern, kann ein großer Teil der Kosten durch den Einsatz der Trockenmörteltechnik eingespart werden. Besonders die Verwendung von Mörtelmischern und -Pumpen zusammen mit speziell formulierten Trockenmörteln versetzt die Belegschaften in die Lage, ihre Effizienz um den Faktor 4 bis 10 pro Mannstunde zu erhöhen. Der Baustellenverkehr, die Nutzung von Aufzügen, die Entwicklung von Müll und Staub (z.  B. in den USA durch die OSHA Vorschriften reguliert) werden auf ein Minimum reduziert. Diese Faktoren sind hauptausschlaggebend für den weltweiten Einsatz der Trockenmörteltechnik, besonders in Großstadtgebieten.

 

5.4 Leichte Anwendbarkeit

Es ist eine Tatsache, dass in den meisten Volkswirtschaften die für Bauberufe erforderliche Ausbildung reduziert wird. In vielen Teilen der Welt werden ungebildete und ungelernte Arbeiter mit Migrationshintergrund beschäftigt, oft nur mit begrenzter Aufenthaltsgenehmigung/Visa. Daher braucht das Baugewerbe mehr Produkte, die leicht handhabbar sind. Um auf einem Wettbewerbsmarkt zu bestehen, muss dieser Mangel an Know-how durch eine höhere Produktleistung ausgeglichen werden. Man kann sagen, und das ist überhaupt nicht abfällig gemeint, dass man eine gewisse „idiotensichere“ Formulierung des Mörtels benötigt, um zu garantieren, dass die Produkte fehlerfrei verwendet werden. Eine Voraussetzung für eine solche Strategie ist jedoch die Bereitschaft seitens der Architekten und Ingenieure, die finanziellen Vorteile einer Kombination von sowohl menschlichen als auch materiellen Ressourcen objektiv zu berechnen. Bis heute sehen wir viele Planer, die ihre Entscheidungen nur auf der Basis von Preisen pro kg oder t treffen, und nicht per definierter Leistungseinheit, wie zum Beispiel Quadratmeter Fliesen oder verputzte Wandfläche. Viele berücksichtigen nicht einmal den für die Durchführung solcher Arbeiten benötigten Zeitrahmen und die erforderliche Zeit für das Abbinden des Mörtels zwischen den Anwendungen.


5.5 Regionale Anpassung

Alle Trockenmörtelformulierungen, egal in welchem Teil der Welt, müssen an die lokal vorhandenen Rohstoffe, an die Bautraditionen der einzelnen Länder, an die geforderten Spezifikationen bzw. lokalen Standards, an die ästhetischen Vorlieben der Käufer und an das vorherrschende Klima in der Region angepasst werden. Das trifft besonders auf Materialien zu, die für die Außenseite des Gebäudes eingesetzt werden und, in einem geringeren Grad, auf innen verwendete technische Mörtel. Wenn man eine ausgereifte Laboranalyse und die  Leistungsfähigkeit von vorhandenen Mischanlagen einsetzt, können die Formulierungen für Trockenmörtel leicht den örtlichen Bedingungen angepasst werden (Bild 8).

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